Wegen Nötigung hat das Haller Amtsgericht jetzt einen 19-jährigen Auszubildenden aus Gaildorf verurteilt. Er hat in der Nacht zum 24. November letzten Jahres drei junge Passanten nachts im Stuttgarter Hauptbahnhof aufgehalten, bedroht und ihnen eine Menge Angst eingejagt. In einem schwarzen T-Shirt mit knielanger Jeanshose ist der 19-Jährige pünktlich im Gerichtssaal erschienen. Als Staatsanwältin Sara Oeß die Anklageschrift verlesen hat, kommentiert der kräftig gebaute junge Mann die Vorwürfe mit dem Wort: „Richtig!“

Die beiden 18-jährigen Schülerinnen und ein gleichaltriger Schüler kamen nachts gegen zwei Uhr von einem Konzert zurück. Sie wollten den Zug nach Karlsruhe nehmen. In einer Unterführung beim Bahnhof aber passte der Angeklagte das Trio ab. Er hatte zuvor mit Bekannten einen Stuttgarter Club besucht und dort „Desperados“ und Whiskey getrunken. Er war frustriert. „Ich bin aus dem Club rausgeflogen“, erläutert er vor Gericht.

An die Wand gedrängt

Der 19-Jährige schreit die drei jungen Passanten an, sie sollen mit ihrem Handy seinen Freund anrufen. Er nennt die Telefonnummer.

Als alle drei sich weigern, fragt er, wie sie heißen. Eingeschüchtert antworten sie mit erfundenen Namen. Immer dichter stellt er sich vor die beiden jungen Frauen und drängt sie in Richtung Wand. Dazu zeigt er sein schweres Schlüsselbund und schüttelt es, dass es laut scheppert. Eine der Schülerinnen beginnt zu weinen. Sie rennt los, um Hilfe zu holen.

Jetzt gerät der Gaildorfer außer sich. Lauthals verlangt er von dem hochgewachsenen Begleiter der beiden jungen Frauen, er solle die Flüchtige sofort zurückholen: „Euch werde ich hochbomben!“

Die alarmierten Mitarbeiter der Bahn-Security sind schnell zur Stelle. Sie drohen dem Rowdy mit Pfefferspray. Da knickt der junge Mann ein. Bereitwillig wirft er das Schlüsselbund vor sich auf den Boden. Von da an bleibt er ruhig. Zwei Stunden später bringt ihn ein Zug nach Gaildorf zurück.

„Wir hatten ziemliche Angst, dass was Schlimmeres passiert,“ sagt eine der betroffenen Frauen als Zeugin. Der Angeklagte entschuldigt sich im Saal bei allen dreien. „Okay“, sagen die Opfer. Sie haben den Vorfall abgehakt.

Verurteilung nach Jugendrecht

Staatsanwältin Oeß besteht auf einer Verurteilung wegen Nötigung. Sie schlägt Jugendrecht vor. Der Angeklagte solle 500 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen.

Richter Jens Brunkhorst halbiert die Geldbuße auf 250 Euro. Das Geld soll an den Verein „Haller Jugendberatung“ gehen. Zusätzlich soll der junge Gaildorfer an einer Suchtberatung teilnehmen und dort mindestens drei Gespräche führen. Noch im Gerichtssaal nimmt der Auszubildende, der zur Zeit wegen eines Handbruchs krankgeschrieben ist, das Urteil an: „Passt genau!“

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