Wackershofen Fundstücke aus der Bauforschung

Die Festredner begutachten die Ausstellungsstücke. Foto: Ufuk Arslan
Die Festredner begutachten die Ausstellungsstücke. Foto: Ufuk Arslan
Wackershofen / MARGITTA SCHMIDT 22.05.2014
Großes Interesse fand die Eröffnung der Sonderschau "Unter Dielen und Tapeten"

im Hohenloher Freilandmuseum. Sie zeigt noch bis zum 27. Juli vielfältige Fundstücke aus der historischen Bauforschung.

Viele Besucher strömen am Freitagnachmittag in die Scheune aus Bühlerzimmern, in der die Ausstellung läuft. Noch ist der Ausstellungsraum geschlossen, Erwartung liegt in der Luft. In seinem Grußwort weist Ingo Rust, Staatssekretär im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, dem die obersten Denkmalschutzbehörde untersteht, auf die enormen Kosten hin, welche die fachgerechte Sanierung alter Gebäude verursachen. Es sei aber enorm wichtig, sie für künftige Generationen zu erhalten: "Sie sind Identifikationsmarken zwischen gestern und morgen und bringen Leben in die Ortskerne."

Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim lobt den fachkundigen Erhalt alter Bausubstanzen durch die Handwerker als Meisterarbeit. Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, stimmt dem zu: "Fachgerechte Sanierung erfordert großes Fachwissen. In dieser absolut fantastischen Ausstellung können wir Handwerk greifbar machen."

Bauhistoriker Gerd Schäfer, Mitinitiator der Ausstellung, verzichtet auf eine Rede. Stattdessen erzählt er an einem Beispiel, wie eine Maus die Handwerker auf Pilzbefall in alten Deckenbalken aufmerksam machte - und so den Eigentümer des Hauses vor Spätschäden bewahrte. Dieser Balken ist ebenso Teil der Ausstellung wie die Maus, die aber tier- und besucherfreundlich durch ein Stofftier ersetzt wurde. Für Handwerker und Historiker bergen Umsetzungen und Renovierungen eine Vielfalt von Entdeckungsmöglichkeiten, wie die Ausstellung zeigt. Sie geben Aufschluss über frühere Moden, Farbvorlieben der Bewohner, über An- und Umbauten. Fachleute bestimmen, welche Werkzeuge und Materialien genutzt wurden. Manches Rätsel gilt es zu lüften, manche Erkenntnis zu gewinnen. Immer wieder kommt es dabei auch zu Überraschungen, wenn beispielsweise alte Wandmalereien oder verborgene Fensteröffnungen wieder zutage treten.

Fragmente eines ausgestellten Guttrolf-Glases zeigen, dass diese Art von Scherzgläsern, die beim Trinken glucksende Geräusche und einen plötzlichen Überschwall erzeugen, auch in Hohenloher Wirtshäusern verbreitet war. Neben der Flaschenpost eines wegen der Inflation und der Bierqualität frustrierten Handwerkers fand sich bei Arbeiten auch eine original befüllte Flasche zwischen den Dielen. Fußböden wurden aber auch als Tresore genutzt, wie der Fund alter Rechtsdokumente beweist. Vermutlich musste der Besitzer Ratsprotokolle und Auflistungen von Schulden schnell vor ungewünschtem Zugriff verschwinden lassen.

Großen Einfallsreichtum bewiesen Hauseigentümer beim Verstecken von Wertsachen, die es vor Überfällen, Langfingern und Steuereintreibern in Sicherheit zu bringen galt. Münzen, Scheine und Schmuck wurden in Wände eingemauert, in Matratzen eingenäht oder in Tontöpfen vergraben. Nicht selten kamen Kriegswaffen in Blindbögen zum Vorschein. Diese Ausstellungsstücke geben nicht nur Einblicke in Handwerkskunst und Lebensgewohnheiten vergangener Jahrhunderte - manchmal erzählen sie von Schicksalen, die auch heute noch erschüttern.

Für Museumsleiter Michael Happe ist der strangulierte Hund, als Zeuge eines jugendlichen Dramas, der bedeutendste Fund. Er wurde bei Untersuchungen im Fehlboden des sogenannten Zeughauses in Schwäbisch Hall gefunden. Hinter den vergitterten Dachgauben waren früher jugendliche Strafgefangene untergebracht. "Da hat jemand mit Akribie etwas gebastelt, um seinen Hassgefühlen Ausdruck zu verleihen. Auch nach 150 Jahren spürt man diese Verzweiflung."