"Den Ausschlag gab ein Symposion zur Stadtgeschichte", erzählt Anita Tesch. Das war 1985 in Crailsheim, und dass Geschichte sozusagen vor der Haustür liegt, war für Anita Tesch wohl eine prägende Erfahrung. Damals wohnte Anita Tesch in Waldtann, in das ihre Eltern vom Niederrhein gezogen waren. Später zog sie nach Crailsheim und arbeitete lange in einer Dialysepraxis. Auf der Suche nach den Spuren, die die Geschichte hinterlassen hat, "bin ich dann durch den Wald gekrabbelt und hab die alten Ruinen gesucht".

Als Handlungsort ihres Romans hat Anita Tesch die Kreßburg gewählt. Deren Mauerreste haben auf dem Hohenkreßberg neben der Wallfahrtskirche die Jahrhunderte überdauert. Die Kreßburg ist mit Bedacht gewählt, denn sie wird in Archiven als wichtige Burg der Gegend beschrieben. Auch die dort ansässigen Kreßburger müssen einflussreich gewesen sein. Dennoch ist heute nur noch wenig über sie bekannt, weil die Burg - und mit ihr alle Unterlagen - später abbrannte. "Dies ließ mir natürlich Freiraum bei der Gestaltung meiner Hauptpersonen", sagt Tesch.

Der Roman ist in einer für die Gegend geschichtsträchtigen Zeit angesiedelt: Zwischen 1308 und 1310 herrschte hier Krieg. Da geriet die Raumschaft im Wortsinn zwischen die Fronten der Adelsgeschlechter Hohenlohe und Öttingen - und damit zwischen König Heinrich VII. von Luxemburg und Graf Eberhard dem Erlauchten von Württemberg.

Den Feind des Vaters geheiratet

Letzterer war übrigens der Vater jener Gräfin Adelheid, die in Crailsheim jedem Kind bekannt ist, weil sie beim Volksfestzug ganz vorne mitreitet. Auch sie kommt im Roman vor. "Adelheid hatte ein spannendes Leben", hat Anita Tesch herausgefunden. "Wie's dazu kam, weiß niemand, aber sie heiratete Kraft von Hohenlohe, den Feind ihres Vaters." Im Roman - das läuft unter künstlerischer Freiheit - wird Adelheid zwar entführt, freundet sich aber mit ihrem Schicksal an und bleibt - das ist verbürgt - auch als Witwe in der Gegend wohnen, und zwar auf der Schönebürg - auch eine der Burgen, auf deren Spuren Anita Tesch durch den Wald krabbelte. "Frauen waren damals Tauschobjekte", sagt Tesch. "Liebe stand nicht zur Debatte."

Dennoch spielt die Liebe natürlich eine Rolle in ihrem Roman, denn er soll ja kein "verkapptes Sachbuch" sein, betont die Autorin. "Es kam mir hauptsächlich auf die Story an." Denn das Schreiben sei spannend, sagt sie. "Die Figuren entwickeln ein Eigenleben und man weiß selbst nicht genau, was am Schluss herauskommen wird." Schreiben, findet sie, sei wie Kino im Kopf. Nur besser.

Doch dann lag der Roman jahrelang unbeachtet in der Schublade, währenddessen sich Anita Tesch zur Dozentin für Krankenpflege weiterbildete, nach Bad Kissingen zog und nun dort unterrichtet.

Doch die Geschichte um die Kreßburgerin Raghild, den Sarazenensohn Tarik und um die schöne Württembergerin Adelheid war nicht vergessen. Vor einigen Monaten zog sie das Manuskript hervor und überarbeitete es. "Das war wie alte Freunde wiedertreffen", sagt Anita Tesch.

"Dann hab ich den Roman eingereicht und er wurde sofort genommen", sagt sie und ist noch immer überrascht und glücklich darüber. Damit ist nun der erste Mittelalterroman der Crailsheimer Gegend erschienen.

Buchvorstellung im HT

Der Roman "Die Kreßburg" von Anita Tesch ist im Verlag "Der kleine Buchverlag" Karlsruhe erschienen und kostet 14,90 Euro. ISBN: 978-3-7650-9107-0.

Anita Tesch stellt ihren Roman in Crailsheim im Forum des HOHENLOHER TAGBLATTS (Ludwigstraße 6-10) vor, und zwar am Freitag, 20. November, 19 Uhr.

SWP