Wenn man gar nicht mehr weiß, wohin man sich noch wenden kann, dann hilft Friedemann Boy. Er ist Sozialarbeiter bei der Beratungsstelle der Erlacher Höhe in Crailsheim.

Beratungsnachmittage gibt es dort seit zehn Jahren, eine eigenständige Beratungsstelle wurde aber erst im September 2016 daraus gemacht. „Der Bedarf hat sich vor allem im vergangenen Jahr deutlich erhöht“, sagt Oliver Klein, Abteilungsleiter der Erlacher Höhe Hohenlohe-Franken. Etwa 60 Menschen nahmen das Beratungsangebot wahr.

Dieses ist an Menschen in sozialen Notlagen gerichtet. „Viele stehen beispielsweise kurz vor dem Verlust ihrer Wohnung oder haben diese schon verloren“, sagt Boy. Neben dem eigenen Heim seien Geld oder Alkohol die größten Probleme, mit denen Leute zu ihm kämen. „Eine einheitliche Biografie gibt es da aber nicht“, sagt Boy. Jeder habe seine Geschichte.

Was ihn ärgert: Gerüchte, die so nicht stimmen. „Über die Burgbergstraße hört man die schlimmsten Geschichten.“ Wenn man die Leute, die so etwas sagten, aber frage, wo die Burgbergstraße sei, dann wüssten das nur wenige und kaum einer sei jemals dort gewesen. „Da gibt es sehr viele nette Menschen, nur die Gebäude schrecken ab“ – auch wenn diese mit der Renovierung schon hübscher geworden seien.

Boy ist seit 2012 Sozialarbeiter, bei der Erlacher Höhe arbeitet er seit 2015. „Ich habe hier schon meinen Zivildienst gemacht und wollte schon immer in die Wohnungshilfe. Die Schwerpunkte meines Studiums waren existenzielle Notlagen und Sucht.“ Da gebe es starke Überschneidungen.

„Es ist ein sehr vielfältiger Beruf“, sagt Boy. Es gebe zwar einige Fixpunkte und feste Termine, „aber man weiß nie, was kommt“. Seine Aufgabe ist es, die, die zu ihm kommen, so gut es geht zu unterstützen. Dazu gehören Behördengänge oder Telefonate. „Einmal habe ich einen Bruder für jemanden wiedergefunden, nachdem sie sich 20 Jahre lang nicht gesehen hatten.“ Aber nicht nur solche Geschichten sind Ansporn für ihn. „Ich bin froh, wenn etwas funktioniert, wenn jemand weniger trinkt oder zufriedener aussieht“, sagt Boy.

Er selbst ist also eine Art Anwalt für den kleinen Mann – wobei die Erlacher Höhe im Ernstfall natürlich auch auf einen ausgebildeten Juristen zurückgreifen kann. Boy: „Mein Job ist es, Partei für die zu ergreifen, die zu mir kommen und ihre Ansprüche im gesetzlichen Rahmen durchzusetzen.“

Drohungen als Grenze

Eine weitere Aufgabe ist das ambulant betreute Wohnen. „Ich besuche die Leute in ihren Wohnungen und unterstütze sie bei allem Alltäglichen.“ Dazu kann einkaufen, Wohnungsführung oder aber auch Schuldenabbau gehören – was eben so ansteht. Eine deutliche Grenze sei für ihn, wenn er bedroht wird. „Das kommt meist in Verbindung mit Alkohol vor“, berichtet er.

Aktuell sucht die Erlacher Höhe in Crailsheim nach einer Örtlichkeit, in der sie ein Büro und vier bis fünf betreute Plätze unterbringen kann, aber Boy muss feststellen: „Bezahlbaren Wohnraum in Crailsheim zu finden, ist fast unmöglich.“

15 Standorte in sechs Landkreisen


Die Erlacher Höhe ist Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg, das der evangelischen Landeskirche angehört. Sie bietet Hilfe und Unterstützung für Menschen in sozialen Notlagen, also bei Wohnungsnot, bei Arbeitslosigkeit, bei Suchtproblemen, bei Pflegebedarf oder Armut. In Baden-Württemberg gibt es 15 Standorte in sechs Landkreisen. Einer davon ist die Beratungsstelle in Crailsheim in der Kurt-Schumacher-Straße 5 im Haus der Diakonie. Die Stelle ist für den gesamten Altkreis Crailsheim verantwortlich. Geöffnet ist montags und freitags von 9 bis 12 Uhr und mittwochs von 14 bis 17 Uhr. Weitere Informationen gibt es online unter www.erlacher-hoehe.de.