Das Freibad in Langenburg, 1977 eröffnet, erfreut sich über die Stadtgrenzen hinweg einer großen Beliebtheit, im Rekordjahr 2003 kamen 56.242 Besucher. Die diesjährige Badesaison beginnt am kommenden Mittwoch, derzeit läuft lediglich ein Probebetrieb mit Vereinen und Schulklassen, eine nimmt sogar den Weg von Schwäbisch Hall auf sich. „Das läuft relativ gut, die Leute kommen mit dem Konzept zurecht“, sagt Arnd Bezold, der Schwimmmeister.

Konzept ist das Stichwort. Es ist nämlich keine Selbstverständlichkeit, dass das Freibad in Zeiten von Corona überhaupt aufmacht, wie Bezolds Bericht in der Gemeinderatssitzung am Dienstag erahnen ließ. Es sei alles sehr umfangreich gewesen, betont Bezold, „eine sehr große Herausforderung“. Am Anfang habe er sich „erschlagen gefühlt“.
Aber Bezold nahm die Herausforderung an, dabei überlässt er nichts dem Zufall. Neulich besuchte er sogar Freibäder in Bayern, um zu schauen, wie es dort mit der Öffnung gehandhabt wird. „Wenn die das können, können wir das auch“, findet Langenburgs Bürgermeister Wolfgang Class.
„Das ist einfach wichtig für Langenburg, dass wir unser Freibad aufmachen“, so klingt das bei Bezold. Was aber schon vor der Öffnung feststeht: „Sonntags voll und über 1000 Leute wird es nicht geben.“ Es gibt eine Dokumentationspflicht wie in der Gastronomie, Abstandsregeln, gekennzeichnete Laufwege und in bestimmten Bereichen, in denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, eine Maskenpflicht. Umkleiden und Duschen sind nur eingeschränkt nutzbar.
Das Konzept sieht drei Zeitfenster vor: 10 bis 13 Uhr, 13.30 bis 16.30 Uhr und 17 bis 20 Uhr, zwischendurch und am Ende wird 30 Minuten desinfiziert. Pro Fenster dürfen maximal 250 Besucher rein, denen empfiehlt die Stadtverwaltung eine vorherige telefonische oder elektronische Anmeldung (siehe Inforubrik).

Was ist mit den Kosten?

Im Schwimmerbecken dürfen sich zehn Badegäste pro Bahn aufhalten, also insgesamt 50. Diese Zahl gilt auch fürs Nichtschwimmerbecken, im Planschbecken sind es 20. „Wir versuchen den Abstand so gut wie möglich zu überwachen“, sagt Bezold. Man sei „auf einem guten Weg, dass man den Leuten eine gute Sache anbieten kann“.

Homeschooling, Homeoffice, genervte und gestresste Eltern und Kinder, Urlaubseinschränkungen – für den Bürgermeister war es nicht die Frage, ob das Freibad „nach den ganzen Einschnitten“ überhaupt öffnet, sondern nur wie und wann. Das sei „für die Bevölkerung schon wichtig“, betont Class. „Wir können nicht sagen, wir machen gar nichts mehr.“

Gaildorf

Gemeinderat Friedrich Rath meldet Bedenken an. Er findet es zwar „super, dass wir öffnen“, aber den Aufwand hält er für „wahnsinnig“. Und Rath hat „wahnsinnige Angst“ davor, dass die Kosten aus dem Ruder laufen, beim Freibad müsse man sowieso schon draufzahlen. „Gibt es irgendwelche Zuschüsse?“, fragt er sich und: „Kommt nächstes Jahr einer und bringt uns einen Sack, weil wir aufgemacht haben?“
Der Aufwand sei nicht wesentlich höher, ein gewisser Betrieb würde eh laufen, entgegnet ihm Class. Und mehr Besucher würden nicht automatisch mehr Einnahmen bedeuten, das habe das Rekordjahr 2003 gezeigt. Damals gab es auch ein Rekorddefizit.
Gemeinderat Johann Pollanka ist noch aus einem anderen Grund für die Öffnung des Freibades. Kindern das Schwimmen beizubringen sei „nicht nur als angenehme Freizeitgestaltung, sondern auch als bildungspolitische Pflichtaufgabe“ zu sehen.

So läuft das im Freibad mit der Anmeldung


Wer das Freibad in Langenburg ­besuchen möchte, meldet sich am Vortag zwischen 10 und 12 Uhr für­ ­eines der drei Zeitfenster (10 bis 13 Uhr, 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr oder 17 bis 20 Uhr) an – entweder unter Telefon 0 79 05 / 9 10 20 oder per E-Mail an post@langenburg.de. Freitags kann man sich für einen Besuch am Wochenende oder am Montag anmelden. Wer zum entsprechenden Zeitpunkt nicht da ist, verliert seinen Platz, dieser wird dann an Spontan-Besucher vergeben. Aber: Wer ohne Anmeldung kommt, riskiert, dass er nicht ins Freibad gelassen wird, wenn die Kapazitätsgrenze erreicht ist. js