Rot am See Französische Praktikanten helfen auf Hohenloher Höfen

Die französischen Praktikanten und ihre Gastgeber beim Abschlussabend in „Horlis Backhäusle“ in Jungholzhausen.
Die französischen Praktikanten und ihre Gastgeber beim Abschlussabend in „Horlis Backhäusle“ in Jungholzhausen. © Foto: privat
Rot am See / Sebastian Unbehauen 21.06.2018
Bereits zum vierten Mal haben französische Landwirtschaftsschüler aus dem Brettheimer Partnerort Chatte Praktika auf Hohenloher Höfen absolviert – und dabei enge Bande geknüpft.

Man muss sich immer wieder wundern, wie das funktioniert“, sagt Reiner Groß. Was der Brettheimer Ortsvorsteher meint: Wenn – wie kürzlich zum vierten Mal – junge Franzosen zwischen 15 und 18 Jahren mit dem Zug aus Chatte eintreffen, um die Hohenloher Landwirtschaft kennenzulernen, dann sind sie zunächst recht schüchtern. Kein Wunder, schließlich ist es für viele die erste Auslandsreise überhaupt, schließlich spricht kaum einer von ihnen mehr als ein paar Brocken Deutsch, und schließlich werden sie erst einmal auf verschiedene Höfe verteilt, wo der bäuerliche Alltag wartet. Drei Wochen später freilich, wenn der Zug in die entgegengesetzte Richtung fährt, kann man emotionale Abschiedsszenen beobachten. Dann wurden Freundschaften geknüpft. „Was da läuft, ist mehr als Völkerverständigung“, sagt Groß.

Seit der Brettheimer Gesangverein 1997 am europäischen Sängerwettbewerb in Chatte im französischen Südosten teilgenommen hat, ist die Partnerschaft zwischen den Orten stetig gewachsen und durchzieht mittlerweile quasi alle Ebenen des Dorf- und Vereinslebens. Und weil es in Chatte eine Landwirtschaftsschule mit großem Einzugsgebiet gibt, die ausgerechnet der dortige Bürgermeister André Roux leitet, war die Idee eines bäuerlichen Auslandspraktikums naheliegend. Das jährliche Projekt wird über das Erasmus-Programm von der Europäischen Union gefördert.

Dieses Mal gab es so viele Teilnehmer wie bisher nie: 19 Schüler verteilten sich auf elf Betriebe in der Region (siehe Info unten). Dort sind sie voll in die Hof­arbeit integriert, für die Schule müssen sie ein Berichtsheft schreiben. Sie sollen einerseits sehen, wie die Landwirtschaft in Deutschland funktioniert. Andererseits gewährt der direkte Familienanschluss unmittelbare Einblicke in die hiesige Lebensweise. Groß ist sehr froh, dass immer wieder so viele Landwirte bereit sind, ihre Hoftore für die Aktion zu öffnen: „Kompliment und Hochachtung“, sagt er.

Natürlich steht in den drei Wochen nicht nur Arbeit auf dem Programm. Diesmal ging es beispielsweise gemeinsam ins Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart, zum Brombachsee, zum Hoffest bei Heiko Reinhardt, zum BDS-Tag in Rot am See und nach Rothenburg. Außerdem wurde gemeinsam auf dem Biergartenfest in Brettheim gefeiert. Die Jungbauern besichtigten auch einen Milchviehbetrieb mit Melkkarussell und Biogasanlage, die Firma Bosch in Wiesenbach, die Firma Staphyt in Blaufelden – und natürlich die Erinnerungsstätte für die Männer von Brettheim. Letzteres gehört stets dazu. „Und da sind sie immer extrem aufmerksam“, sagt Groß. Der Ortsvorsteher ist federführend für die Organisation des Rahmenprogramms verantwortlich, darüber hinaus waren Lutz, Bärbel und Sebastian Langer, Matthias Groß und Dagmar Dreschner in die Betreuung der Praktikanten eingebunden.

Die Ausflugsaktivitäten werden übrigens je nach Vorlieben und Wetterlage gerne flexibel angepasst. Und mittlerweile, berichtet Groß, finden die Teilnehmer am Projekt auch unter der Woche zueinander. Dann wird zum Beispiel kurzerhand per „Whatsapp“ eine Runde Minigolf in Rot am See vereinbart oder die jungen Franzosen werden mit zur Landjugend genommen.

Situation gagnant-gagnant

Kurzum: In Zeiten, in denen viel über den Schutz von Grenzen diskutiert wird, werden diese hier spielend – beziehungsweise schaffend – überwunden. Nicht nur Deutsche und Franzosen kommen dabei zusammen, sondern auch hiesige Bauern verschiedener landwirtschaftlicher Richtungen lernen sich besser kennen. „Das ist ein toller Erfahrungs- und Meinungsaustausch“, findet Groß. Man könnte auch von einer Win-win-Situation sprechen. Oder sagen wir’s auf gut Französisch: Es ist eine „situa­tion gagnant-gagnant“.

Hier haben die französischen Praktikanten gearbeitet

Folgende Betriebe haben sich in diesem Jahr bereit erklärt, Praktikanten aus Frankreich aufzunehmen: Peter Baureis, Standorf; Günter Ehrmann, Brettheim; Philipp Fetzer, Niederwinden; Joachim Humpfer, Standorf; André Kollmar, Saalbach/Helmut Bullinger, Brettheim; Daniel Ley, Geroldshausen; Matthias Meinikheim, Oberwinden; Heiko Reinhardt, Weikersholz; Fabian Reiß, Brettenfeld; Frank Schmidt, Kleinbrettheim; Alfred Vogt, Heufelwinden.

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