Toter Hund in Frankenhardt Schlimmer Verdacht: Hat ein Biber einen Hund totgebissen?

Mit seinen Schneidezähnen im Ober- und Unterkiefer und einer starken Kiefermuskulatur kann der Biber kräftig zubeißen. Die bis zu dreieinhalb Zentimeter langen und scharfen Zähne hören nie auf zu wachsen.
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Vor diesem Loch hinter seiner Pferdekoppel hat Roland Diehm den Biber zuletzt gesehen. Hier wurde vermutlich auch sein Hund attackiert.
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Luca Schmidt
Am Lanzenbach in Oberspeltach hat ein Biber vor vier Wochen vermutlich einen Border-Collie angegriffen. Die Gemeinde und das Landratsamt reagieren schnell.

Im Todeskampf hat sie sich von der Koppel bis hier hochgeschleppt“, sagt Roland Diehm und deutet auf eine Betonplatte hinter seiner Scheune. „Meine Frau hat sie dann hier gefunden und zunächst gedacht, ich hätte Schlamm abgeladen – bis sie die Blutlache gesehen hat.“ Das Blut gehörte zu seiner 13-jährigen Border-Collie-Hündin Sally, die über und über mit Schlamm bedeckt war. Der Hund wurde auf der Pferdekoppel in Oberspeltach, hinter dem Haus der Diehms, angegriffen und schwer verwundet – vermutlich von einem Biber, der sich im Lanzenbach hinter der Koppel einquartiert und dort seinen Bau und Dämme errichtet hat.

Hund stirbt an seinen schweren Verletzungen

„Wir haben anfangs gerätselt, was unsere Sally so zugerichtet hat“, sagt Diehm. Erst der Kontakt zu einem Bekannten, der sich gut mit Hunden auskennt, habe ihm dann Gewissheit gegeben. „Er hat mich gefragt, ob ein Biber in der Nähe lebt. Ab dann war es für ihn klar.“

Youtube Dass Biber in der Natur Hunde oder Menschen angreifen, ist ein seit Jahren beobachtetes Problem, wie die SWR-Sendung „Zur Sache Baden-Württemberg“ feststellt.

Diehms Vermutung: Sein Hund war in „seinem Revier“ auf der Pferdekoppel hinter dem Haus unterwegs. Er sei zum Bach gelaufen und wurde dort von dem Biber unter Wasser gezogen und gebissen.

„Als meine Frau mich verständigt hat, bin ich sofort heimgekommen“, sagt Diehm. Gemeinsam hätten sie die Hündin rund 45 Minuten in der Badewanne gewaschen, damit man sie wieder einigermaßen erkennen konnte. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“

Die Pächterin ihrer Pferdekoppel ist Tierarzthelferin und habe sich den Hund angeschaut, später kam ein Tierarzt dazu. „Sally hatte eine große Wunde an der Gurgel“, sagt Diehm, und: „Nach Infusionen wollten wir sie aus der Wanne holen und haben bemerkt, dass sie auch im Beckenbereich gebissen wurde.“

Ein Biber soll vor kurzem einen Hund tödlich verletzt haben. Wie soll mit solchen Tieren umgegangen werden?

Eine Operation sei laut Tierarzt nicht möglich gewesen, der Hund war bereits zu schwach. „Er hat gemeint, wenn Sally den nächsten Tag erlebt, stehen ihre Chancen gut.“ Die ganze Nacht blieb Roland Diehm bei seinem Hund, musste um 6 Uhr aber weg. Als er vier Stunden später wieder nach Hause kam, war seine Hündin tot.

Daraufhin schrieb Diehm einen Brief an Frankenhardts Bürgermeister Jörg Schmidt. Über dessen Unterstützung ist er immer noch dankbar. „Er hat mein Anliegen sofort an das Landratsamt weitergeleitet.“

Bildergalerie Biber am Lanzenbach

„Das ist ein sensibler Bereich im Ort“, erklärt Jörg Schmidt seine schnelle Reaktion. Das Landratsamt habe ebenfalls schnell reagiert und einen Vor-Ort-Termin mit Biberberater Klaus Gronbach und einem Vertreter des Landratsamts arrangiert.

Bissspuren bestätigen den Verdacht, dass es ein Biber war

Auch der Biberberater sagt, dass es sich bei dem Angreifer um einen Biber gehandelt haben könnte. „Die Tierarzthelferin hat die Bisse gesehen und das bestätigt“, sagt Gronbach.

Eine weitere Sorge Diehms: Eine kleine, nahegelegene Brücke. „Über die laufen Kinder zum Kindergarten.“ Was, wenn ein Biber die Kinder beim Spielen angreift?

Da kann Biberberater Gronbach beruhigen. „Biber sind nicht aggressiv, kurzsichtig und nachtaktiv.“ Seiner Erfahrung nach seien die Kinder nicht in Gefahr. „Ein Biber ist kein Kampfhund oder ein Löwe, er kann sich nicht direkt verteidigen.“ Nur, wenn er seinen Nachwuchs oder seinen Bau beschützt, könne er zum Angriff übergehen.

Youtube Eine Privataufnahme von einem aggressiven Biber, der seine Kinder beschützen will.

Zwar kenne er einen Fall, bei welchem ein ehemaliger Biberberater von einem Tier verfolgt wurde. Nach einigen Metern ließ der Biber aber von dem Mann ab, er habe ihn nur vertreiben wollen, so Gronbach. Auch mit dem Biber in Oberspeltach, der sich im vergangenen September im Bach hinter der Pferdekoppel einquartiert hat, habe es bislang keine Probleme gegeben, so Roland Diehm.

Die Gemeinde zerstört die Dämme des Bibers

In Oberspeltach wird nun aber trotzdem etwas gegen den Biber getan. Die Gemeinde hat vom Landratsamt die Erlaubnis bekommen, die Dämme des Bibers abzubauen – das wäre ohne Erlaubnis eine strafbare Handlung, erklärt Klaus Gronbach. Allerdings: Jedes Mal, wenn die Gemeindearbeiter die Dämme abgebaut hatten, errichtete sie der Biber wieder von Neuem.

Vier Wochen ist der Angriff auf den Hund der Diehms jetzt her. Einen neuen Hund gebe es aber erst einmal nicht, zu tief sitze die Trauer. „13 Jahre lang war Sally eine treue Seele“, sagt Roland Diehm.

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