Die grauen Vorhänge der Festhalle sind zugezogen, sodass man von draußen gar nicht mitbekommt, was drinnen los ist. Dass etwas los sein muss, verrät das Licht, das durch die Vorhänge schimmert. Drinnen wird fleißig geprobt. Acht Schüler der Schloss-Schule in Kirchberg und neun Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan, Iran und Algerien sind dabei, zusammen eine 20-minütige Performance zu erarbeiten. "Asyl in Motion" nennt sich das Projekt. Eine Woche lang haben die Teilnehmer Zeit, beim Fest der Begegnung haben sie dann ihren großen Auftritt.

Organisatorin Marianne Sudermann aus Kirchberg spricht im Vorfeld liebevoll von "Kreativ-Chaos". Das integrative Gemeinschaftsprojekt soll "eine Inselsituation schaffen", sagt sie, und Flüchtlingen helfen, einmal "den Kopf frei zu bekommen". Für ein paar Tage sollen sie die Probleme des Alltags vergessen, soweit dies überhaupt möglich ist. Bewegung, Sprache, Rhythmus sollen beim Vergessen helfen und neue Erfahrungen und Ausdrucksformen ermöglichen - nach dem Motto: "Ich bin jetzt wichtig, werde wahrgenommen, kann entspannt auf vielfältige Weise kommunizieren und diese Erfahrungen auf der Bühne mitteilen und anderen vielleicht Mut machen." So jedenfalls wünscht sich das Marianne Sudermann.

Professionelle künstlerische Unterstützung erfährt sie dabei aus der eigenen Familie, denn Tochter Jolika leitet zusammen mit dem aus Tiefenbach stammenden Alexander Riedmüller das Projekt. Sie arbeitet sonst vornehmlich in Berlin, er in Buenos Aires/Argentinien. Für Jolika Sudermann ist das Ganze "nicht Theater im Sinne von: Wir spielen eine Geschichte". Insofern hat sie es auch lieber, wenn man von Performance spricht. Worauf es am Ende hinausläuft, wissen die beiden noch nicht. Improvisation gehöre dazu. "Es ist jedes Mal eine Überraschung", so sagt es Riedmüller. Fest steht: Bei den Proben wird viel gelacht und geklatscht. Die Flüchtlinge, die sonst in Blaufelden wohnen, sind während der Zeit in Kirchberg bei Gastfamilien oder im Schulinternat untergebracht. Einer von ihnen trägt am Montag ein Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft.

Die Teilnehmer durften sich schon vor den Proben beschnuppern - mit Erfolg. "Wir durften sie kennenlernen, fanden sie sympathisch, da haben wir mitgemacht", sagt Schülerin Katrin Botsch. "Ich finde die mega nett", so klingt das bei Omar Elbaathy. Er kam vor fünf Jahren aus Ägypten aufs Internat und möchte ein bisschen zur Integration beitragen. Beim Fest der Begegnung soll auch der Abschluss von "Asyl in Motion" gefeiert werden, heißt es. Das Projekt lief von 2011 bis 2015. Die Sache ist nur die: Eigentlich gibt es nichts zu feiern, denn die Fördermaßnahme des Europäischen Flüchtlingsfonds wird nicht verlängert.

Info Das Fest der Begegnung steigt am Samstag von 15 bis 18 Uhr in der Festhalle in Kirchberg. Neben der Performance gibt es ein kleines Kulturprogramm. Zum Fest eingeladen sind Flüchtlinge aus dem gesamten Landkreis und deren Unterstützer.