Gründelhardt Flüchtling Kandeh aus Crailsheim abgeschoben - Fußballer protestieren mit Shirts

Moses Kandeh hat in der vergangenen Saison Tore für den SV Gründelhardt-Oberspeltach geschossen. Privatfoto
Moses Kandeh hat in der vergangenen Saison Tore für den SV Gründelhardt-Oberspeltach geschossen. Privatfoto © Foto:  
Gründelhardt / CHRISTINE HOFMANN 05.08.2015
Unverständnis beim SV Gründelhardt-Oberspeltach: Vergangene Woche ist ihr Teamkollege Moses Kandeh überraschend abgeschoben worden.

"Wir haben am Montag noch zusammen trainiert, und ich habe Moses gegen 21.45 Uhr gemeinsam mit Lamin vor seiner Unterkunft abgesetzt", berichtet Klaus Eberhardt, Schriftführer im SV Gründelhardt-Oberspeltach. "Dass jetzt alles so schnell kam und wir uns nicht einmal voneinander verabschieden konnten, trifft uns ziemlich hart."

Die Spieler hatten Moses Kandeh gemeinsam mit einem weiteren Flüchtling aus Gambia, Lamin Jaiteh, vor einigen Monaten in ihr Team aufgenommen. Schnell waren die beiden in die Mannschaft integriert, es entstanden Kontakte und Freundschaften, die über das gemeinsame Fußballspielen hinausgingen (das HT berichtete). Das hat jetzt ein jähes Ende gefunden: Vorige Woche wurde Moses Kandeh in der Flüchtlingsunterkunft in Crailsheim abgeholt und an die belgische Grenze gebracht. Mit dem Zug fuhr er weiter nach Brüssel, wo er auf die Bearbeitung seines Asylantrags warten muss. "Lamin hat das Ganze natürlich auch sehr getroffen, da die Beamten mitten in der Nacht ins Zimmer kamen und seinen besten Freund mitgenommen haben", berichtet Eberhardt.

1500 Menschen haben Petition unterschrieben

Mit der Abschiebung musste der 26-Jährige Gambier rechnen, da nach dem Dublin-Verfahren Belgien für sein Asylverfahren zuständig ist. Trotzdem rechnete niemand in Gründelhardt damit, dass die Ausreise so plötzlich geschehen würde. 1500 Menschen hatten eine Petition unterschrieben, dass Moses und Lamin bleiben dürfen. "Es hat alles nichts genützt, das macht uns traurig", sagt Birte Spiekers, die den Kontakt zum Sportverein hergestellt hatte.

Für die Mannschaft ist das Kapitel noch nicht beendet: Sie will nun neue Aufwärmshirts anschaffen, die das Konterfei von Moses zeigen. Klaus Eberhardt bemängelt die Flüchtlingspolitik: " Man stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch einmal so ein Vertrauens- und Freundschaftsverhältnis mit diesen Menschen aufbauen möchte, wenn man am Ende einen guten Freund verliert."

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