Michelfeld Florida Rann: Kräuterhexe mit Mandelaugen

Michelfeld / SONJA ALEXA SCHMITZ 26.07.2013
Sie kocht daheim, in ihrer Tankstelle und für das Benefizbuffet des Vereins „Help! – Wir helfen!“. Mindestens ebenso gerne probiert Florida Rann Heilpflanzen aus und gibt ihr Wissen weiter.
 „Bringen Sie noch Leute mit!“, fordert Florida Rann auf. In ihrer Kultur kocht und isst man in Gesellschaft. Der große Esstisch ist üppig gedeckt. In der Mitte steht ein gusseiserner Wok, darin gebratene Glasnudeln. Daneben liegen Fleischspieße, ein großer Fladen – könnte eine Süßspeise sein – und am Ende des Tisches ein Arsenal an Getränkedosen. Exotische Säfte sind darin. In der Küche sitzt Florida Rann mit einer Freundin und rollt Frühlingsrollen. Ganz schön viel Arbeit. „Schon, aber bei Festen dürfen sie nicht fehlen.“ Sie wickelt die Fleischfüllung in dem papierdünnen Teig ein, bestreicht es und faltet es zusammen. Es gibt zig verschiedene Varianten der Frühlingsrolle. „Sogar mit Rosinen – igitt“, meint ihr Mann Josef Rann. Aha, was bei uns der Streit um Rosinen im Käsekuchen, sind dort die Rosinen in der Frühlingsrolle. Woher hat sie all die Zutaten? „Aus unserer Tankstelle. Wir verkaufen die Sachen dort.“ Sie beziehen sie von einem holländischen Händler. Florida und Josef Rann betreiben zwei Tankstellen in Hall. Manche Kunden seien ganz verrückt auf die asiatischen Lebensmittel. „Eine Kundin kommt regelmäßig und nimmt immer gleich mehrere Päckchen von den getrockneten Mangos mit.

Während die Frau mit der Muschelkette am Herd steht und Frühlingsrollen im Wok frittiert, kommt sie schnell auf ihre zweite Leidenschaft zu sprechen: Heilmittel aus der Natur. Sie erzählt Geschichte um Geschichte von Menschen, denen sie weiter helfen konnte. Auf zahlreiche Wehwehchen hatte sie immer die gleiche Antwort: Ingwer. Ingwer inhalieren gegen Ohrenschmerzen, Ingwerwickel gegen Arthrose und sonstige Schmerzen. Und sie hat noch eine zweite Geheimwaffe. Die kommt zur Sprache, als ihre glatte Haut gelobt wird. „Guyabano“, sagt sie. Guyabano ist eine Frucht aus ihrer Heimat. „Die wachsen dort wie Äpfel.“ Deren Blätter als Tee aufgegossen seien ein Wundermittel für alle Arten von Leiden. Wieder folgt Geschichte auf Geschichte.

Mittagessen in der Tankstelle

Doch zurück zum Essen: Auf den Philippinen gibt viel frischen Fisch „und ganz viel Obst“, ergänzt Josef Rann. „Und die Mangos dort sind sagenhaft.“ Er genießt es, exotisch bekocht zu werden. „Bei uns gibt es fast nie schwäbische Küche.“ Obwohl Florida Rann diese mittlerweile auch ganz gerne mag. „Meine Frau isst sogar Kutteln“, sagt Josef Rann und sein Gesicht verrät seine Abneigung. „Und Leber mag ich sehr gerne. Das habe ich zum ersten Mal bei einem Mittagessen im Brenzhaus gegessen“, erzählt die Philippinin.

Florida Rann kocht nicht nur zu Hause und in der Tankstelle („Mein Mann braucht doch warmes Essen, oder“) sondern auch bei der Benefizveranstaltung des Vereins Help!-Wir helfen. Sie und ihr Mann haben diesen Verein gegründet und sammeln Geld, um Kindern, die unter einer Lippen-Gaumen-Spalte leiden, eine Operation zu ermöglichen. Bereits Monate im Voraus sind die Karten für dieses Benefizbuffet, das immer im Frühjahr stattfindet, ausverkauft.

Der Tisch ist noch immer reich gedeckt, als sich alle satt auf den Stühlen zurücklehnen. Kein Problem, morgen ist Donnerstag – der Tag an dem die philippinischen Freundinnen in die Tankstelle kommen und gemeinsam dort zu Mittag essen. „Wir Philippinen sind so“, sagt die immer lachende Frau, „wir kochen gerne, und hinterher verschenken wir alles.“