Satteldorf Fleißiger Kritiker mit theologischer Substanz

Hans Lachenmann ist im Alter von 88 Jahren gestorben.
Hans Lachenmann ist im Alter von 88 Jahren gestorben. © Foto: ArchivPeer Hahn
Satteldorf / RALF STEGMAYER 03.09.2016

Sein Name ist mit unserer Region eng verbunden. Zuerst in Reubach, dann in Crailsheim und schließlich landesweit hat der Kirchenrat i. R. Hans Lachenmann viele Spuren hinterlassen.

Am 11. Dezember 1927 wurde er als zweites Kind einer achtköpfigen Pfarrfamilie in Waiblingen geboren. In Stuttgart erlebte er seine Jugend „zwischen Kreuz und Hakenkreuz“ – die er im Jahr 2005 in seinem gleichlautenden Buch (Baier Verlag) einer breiteren Öffentlichkeit vorstellte. Es war nicht sein erstes und nicht sein letztes Buch, wohl aber sein persönlichstes.

Er war sich sicher, dass diese Zeit sein weiteres Leben geprägt hat. Tenor des Werkes: Es darf kein zweites Drittes Reich geben, deshalb sei das Erinnern lebensnotwendig. Und diese Erinnerung sei für den Theologen „das Immunsystem der Seele“. Ohne dieses wäre der Mensch dazu verdammt, alle einmal begangenen Dummheiten ständig wiederholen zu müssen.

Seit 1950 war Hans Lachenmann im Dienst der evangelischen Landeskirche. Nach seinem Theologiestudium und Vikariat trat er seine erste Pfarrstelle in Reubach an. Von hier aus hat er mit dem Fahrrad oft das Hohenloher Land erkundet, das ihm und seiner Frau Edelgard zur Heimat wurde. 17 Jahre lang tat er jeden Tag seine Pflicht, bevor er 1970 das Amt des Crailsheimer Dekans übernahm.

Nicht wenige Crailsheimer werden sich an seine durchdachten, oft auch kritischen Predigten erinnern, die die Johanneskirche gefüllt haben. Während dieser Zeit war er ein gefragtes Mitglied der Landes- und EKD-Synode. Der frühere Landesbischof Theo Sorg sagte über Lachenmann: „Wenn er sich auf der Synode zu Wort meldete, dann hatte das theologische Substanz.“

In Crailsheim blieb Hans Lachenmann bis 1981. Dann wurde er zum Leiter der kirchlichen Lehrgänge für den Pfarrdienst am landeskirchlichen Studienzentrum in Stuttgart berufen (Haus Birkach) – und blieb dies bis zu seinem Ruhestand 1992. In dieser Funktion wurde ihm auch der Titel „Kirchenrat“ verliehen.

Nach diesem reichen Arbeitsleben zog es ihn und seine Frau Edelgard zurück nach Hohenlohe. Dorthin, wo sie die meiste und glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht hatten: die ersten Ehejahre und die Geburt der beiden Söhne Jörg und Peter. Bis zu seinem Tod am 26. August lebte Hans Lachenmann mit seiner Frau in Satteldorf. Und natürlich war er weiterhin „fleißig“ und kritisch – sei es am Schreibtisch oder auf der Kanzel als versierter Prediger.

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