Bionik Finanzielle Schieflage: Initiatorin des Vorhabens in Wittenweiler ist zahlungsunfähig

Blaufelden / HARALD ZIGAN 27.02.2015
Der Traum von einem Bionik-Zentrum in Wittenweiler ist womöglich geplatzt: Das Projekt leidet unter finanziellen Turbulenzen - und bei der Initiatorin Bärbel Hermann stapeln sich offene Rechnungen.

Jede Menge Zeit, Kraft und privates Geld steckt Bärbel Hermann seit dem Jahr 2007 in ein visionäres Projekt: Familieneigene Felder und Wiesen in Wittenweiler bei Blaufelden will sie in ein "weltweit einmaliges" Bionik-Zentrum verwandeln, das nach konstruktiven Vorbildern aus der Natur errichtet werden soll.

Bärbel Hermann gehen mittlerweile zwar nicht die Ideen, dafür aber offenbar die notwendigen Gelder für ihr ehrgeiziges Vorhaben aus: Nach HT-Informationen ist die Initiatorin des Projekts, die bundesweit rund "1000 Förderer" für ihre Pläne gewonnen haben will, derzeit zahlungsunfähig.

Die massive finanzielle Schieflage bekamen auch zehn hochkarätige Referenten zu spüren, die für eine überaus spärlich besuchte Bionik-Tagung am 21. und 22. November 2014 in Blaufelden gebucht worden waren - unter ihnen der renommierte Autor und Vortragsredner Hermann Scherer und die prominente SWR-Moderatorin Kristin Haub.

Offenbarungseid geleistet

Bis heute hat Bärbel Hermann die durchaus ansehnlichen Honorare für diese Tagung allesamt nicht beglichen - trotz Mahn- und Inkassoverfahren. Eine Referentin erwägt zudem eine Strafanzeige wegen Betrugs: Ihr Rechtsanwalt Daniel Gill aus Köln hat herausgefunden, dass Bärbel Hermann keine zwei Wochen vor der besagten Tagung einen Offenbarungseid leisten musste, den mindestens 14 Gläubiger beantragt hatten.

Seit Jahren schon wartet auch ein Architekt aus Nordrhein-Westfalen, der erste Konzepte für das Bionik-Zentrum geliefert hatte, auf ein fünfstelliges Honorar. "Unfassbar" nannte es der Baumeister, dass ihn Bärbel Hermann noch im November 2014 gegenüber dem HT als Lieferanten von einschlägigen Unterlagen für einen Bebauungsplan nannte: "Davon weiß ich absolut nichts."

Bürgermeister Klaus Köger aus Blaufelden bestätigte dem HT, dass bis dato weder ein Bauantrag für das Bionik-Projekt noch irgendwelche Dokumente für das weitere Prozedere eines Bebauungsplanes bei der Gemeinde eingegangen seien.

Geld soll alle Probleme auflösen

Unumwunden räumt Bärbel Hermann die Ebbe auf ihrem Bankkonto und den Offenbarungseid ein. Einen Insolvenzantrag habe sie nicht gestellt, weil "in den nächsten zwei Wochen die zugesagten Gelder eines Investors eingehen und sich damit alle Probleme auflösen".

Dem HT ließ sie ein Schreiben des Physiotherapeuten und Heilpraktikers Florian Zurheiden aus Waldkirch zugehen, der nach seinen Angaben den "Kontakt" zu einem geheimnisumwitterten Darlehensgeber vermittelt hat. Denn das Herkunftsland dieses Investors, sein Name mitsamt der Investitionssumme dürften "aus vertraglichen Gründen" nicht genannt werden.

"Widrige Umstände" hätten verhindert, dass die schon im Juli 2014 zeitnah zugesagten Gelder noch nicht geflossen seien. Im Vertrauen auf den Finanztransfer seien Veranstaltungen (wie die Tagung in Blaufelden) nicht abgesagt worden.