Landkreis Finanzielle Probleme: Pflegeheim verkauft

THUMILAN SELVAKUMARAN 27.07.2013
Das Deutsche Rote Kreuz hat sein Pflegestift Vohenstein an einen anderen Träger abgegeben. Dieser Schritt war dringend nötig, wie nun klar wird: Der Kreisverband steckt in großen finanziellen Nöten.

Bedrückte Mienen, zurückhaltende Worte - zunächst. Jahrelang stand der Kreisverband öffentlich hinter seinem Kreisgeschäftsführer Rainer Gebhardt. Nun aber scheint die Situation so prekär, dass Verantwortliche gesucht und benannt werden müssen - auch wenn es dem Vorstand schwer fällt.

Ulrich Stückle, der bis 2012 ehrenamtlicher Kreisvorsitzender war, räumt auf Nachfrage Management-Fehler ein. "Ich distanziere mich aber nicht von Gebhardt. Die Verantwortung für die Aufsicht lag bei mir", erklärt der Landrat von 1988 bis 2003. Das DRK hätte viel früher die Notbremse ziehen müssen.

Probleme habe es in zu vielen Bereichen gegeben: gefälschte Statistiken bei Hilfsfristen, ausufernde Überstunden im Rettungsdienst, die schwierige Finanzlage. Mit Gebahrdt habe er aber, so Stückle, "viele Jahre vertrauensvoll und gut" zusammengearbeitet.

Rainer Gebhardt, verantwortlich für das Management, ist seit März krank geschrieben - just seit jener Zeit, als die Probleme in den Bilanzen offenkundig wurden. Für ein Gespräch mit dieser Zeitung war Gebhardt nicht bereit. Seine Arbeit erledigt innerhalb des Kreisverbands nun Siegrid Kübler, stellvertretende Kreisgeschäftsführerin.

Doch was brachte den gemeinnützigen Kreisverband in die finanzielle Schieflage? Das DRK mit Rettungsdienst, Sozialarbeit und Seniorenstift schrieb vor wenigen Jahren noch schwarze Zahlen. Vor allem durch das Pflegestift Vohenstein rutschte der Verein immer weiter in die Miesen ab. "Das Haus hat über viele Jahre nicht mehr die Null erreicht", berichtet Kreisvorsitzender Dr. Karl Rosenhagen, der seit wenigen Monaten im Amt ist und nun den Kopf für die Misswirtschaft hinhalten muss.

Vohenstein sei 1951 vom DRK in Westheim gebaut worden und habe strukturelle Probleme. Zu lösen wäre dies nur mit einem großen Umbau, da beispielsweise durch die Gebäudeform mit drei unterschiedlichen Einheiten auch jeweils volles Personal vorgehalten werden müsse - mehr, als durch den Pflegeschlüssel finanziert wird. "Bei anhaltend negativen Zahlen können wir einen solchen Umbau nicht verantworten", so Rosenhagen. Zudem betreibe das Haller DRK nur ein Pflegestift. Einkauf und Organisation seien daher teuer.

Das Problem Vohenstein war dem Vorstand seit Jahren bekannt, doch wurde offenbar nicht ausreichend gegengesteuert. In den Bilanzen tauchte das Haus 2008 noch mit einem Minus von 62000 Euro auf, 2011 waren es bereits Minus 162000 Euro. Die Zahlen für 2012 sind noch nicht veröffentlicht - Rosenhagen lässt aber durchblicken, dass das Defizit erneut einen deutlichen Sprung gemacht hat.

Durch weitere, zum Teil organisatorische Defizite - etwa im Rettungsdienst - kommt das DRK 2011 auf einen Verlust von 223000 Euro. 2012 sind es deutlich mehr. Rücklagen mussten aufgebraucht werden. Wie viel Geld noch bleibt, darüber schweigt Rosenhagen.

Die einzige Lösung war der Verkauf des Pflegestifts, da das Haus den Kreisverband gefährdete. Aber erst 2013 wurde der längst nötige Schritt gemacht. Für einen symbolischen Euro übernahm "Dienste für Menschen" das Objekt. Der gemeinnützige Träger unterhält unter anderem das Pflegestift Teurershof.

"Uns war es wichtig, dass das Haus in guten Händen weitergeführt wird. Die Trennung schmerzt uns maßlos", so Rosenhagen. Alle Mitarbeiter würden aber zu unveränderten Bedingungen weiterbeschäftigt werden. "Der Träger hat versichert, das Haus mindestens 20 Jahre weiterzuführen."

Dem DRK-Landesverband seien die Probleme in Hall seit längerem bekannt. "Wir stehen in ständigem Kontakt zum Kreisverband", sagt Sprecher Udo Bangerter. "Da er eigenständig ist, können wir aber nicht in seinen operativen Bereichen tätig werden."

Bangerter spricht aber von einer "Krisensituation", mit der man in Stuttgart "nicht zufrieden" ist. Inwieweit der Landesverband seiner Kontrollfunktion nachgekommen ist und wann das Problem bekannt wurde, will er nicht kommentieren.

Der Haller Verband ist aber nicht das einzige Sorgenkind im Land. Misswirtschaft, so bestätigt der Sprecher, habe auch das DRK Ludwigsburg in Schieflage gebracht, sodass dort vor zwei Jahren "ein großer Schnitt nötig war". Ein Jahr zuvor kam Sigmaringen in Turbulenzen. Wird nun über personelle Konsequenzen in Hall nachgedacht? "Wir beurteilen keine Mitarbeiter", meint Bangerter, "dafür ist der Kreisverband zuständig."

Rosenhagen ist sich indes sicher, dass der Kreisverband auf dem richtigen Weg ist - auch wenn die Lage noch nicht gut sei. "Wir müssen uns organisatorisch verbessern." Das sei ein langwieriger Prozess.