Wiesenbach Filz und Fotografie

Filzkunsthandwerkerin Anita Zimmermann (links) und Fotografin Nanja Buckel vor dem Foto "Filzknäuel". In der Hand halten sie Filzblumen.
Filzkunsthandwerkerin Anita Zimmermann (links) und Fotografin Nanja Buckel vor dem Foto "Filzknäuel". In der Hand halten sie Filzblumen. © Foto: Ralf Snurawa
Wiesenbach / RALF SNURAWA 11.10.2014
Eine sich schön ergänzende Ausstellung von Filzkunsthandwerk und Fotografie zeigen die Künstlerinnen Anita Zimmermann und Nanja Buckel derzeit in der Wiesenbacher Kunstkapelle.

Filz ist Anita Zimmermanns Leidenschaft. Das spürt man schon, wenn man mit ihr darüber redet. Die Kunsthandwerkerin aus Blaufelden stellt aus dem Material nicht nur praktische Alltagsgegenstände her wie Schuhe, Stuhlauflagen oder Schmuckdosen. Sie hat auch ein Faible für Dekoratives wie Filzblüten, Kissen in überdimensionierter Kieselsteinoptik oder Hüllen für Windlichter.

Solche Hüllen gibt es auch für Urnen. Damit war Zimmermann mit der Floristmeisterin Eleonore Schick jüngst bei der Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd mit einer Reihe unter dem Titel "Tod in der Literatur" präsent. So werden viele ihrer Urnenhüllen von zu den Texten passenden Blumen eingerahmt. Auf einer Hülle mit dem Zitat ",Hast Du Angst vor dem Tod?, fragte der kleine Prinz die Rose" von Antoine de Saint-Exupéry ist etwa eine Rose abgebildet. Zu Rainer Maria Rilkes "Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen" umringt ein Pflanzengebinde die helle Filzurne. Von ähnlicher Farbe ist sie zu Ernst Jandls Gedicht "Kotverkrustet, ausgemergelt", das zu einer Installation zum Thema Krieg gehört. Neben totem Holz begleiten im Spiegel zu sehende Fotos aus dem Ersten Weltkrieg das Arrangement.

Anita Zimmermann war auch auf die in Rot am See lebende Nanja Buckel zugegangen zwecks einer gemeinsamen Ausstellung. Daraus begann eine kleine Auseinandersetzung der Fotografin auch mit dem Thema Filz. In "Filzschnur", "Filzknäuel" und dem vierteiligen "Anitas Welt" fokussiert sie auf das Material.

Wahre Schönheit eröffne sich im Alltäglichen besonders im Fokussieren auf das Material, sagte Nanja Buckel, die sich seit acht Jahren mit der Fotografie beschäftigt, in ihrer kurzen Einführung auf der Ausstellungseröffnung. Da erschienen auch Momente des Zerfalls in einem ganz anderen Licht.

So sind die zerplatzten Luftballons auf "Partys Over" eine kleine Farbexplosion. Auf "Schnitzereien" oder "Geländer" wirkt die abblätternde Farbe intensiv - wie auch auf Fotografien von einigen Blüten. Selbst unscheinbare Muscheln werden plötzlich zu wunderbar schillernden Schönheiten.

So stellte Manfred Glemser, der die Ausstellungen in der Kunstkapelle immer organisiert und betreut, in seiner Begrüßung zu Recht fest, dass die gezeigten Dinge von den beiden Künstlerinnen aus ihrer Alltäglichkeit herausgerissen und zu etwas Besonderem werden.

Info Die Ausstellung ist sonntags noch am 12., 19. und 26. Oktober jeweils von 14 bis 17 Uhr zu sehen.