Schwäbisch Hall Filigrane Fleißarbeit

Die Pianistin Gee Hye Lee und ihr Trio in der Haller Hospitalkirche. Foto: Kumpf
Die Pianistin Gee Hye Lee und ihr Trio in der Haller Hospitalkirche. Foto: Kumpf
Schwäbisch Hall / HANS KUMPF 29.01.2013
Dass der Haller Jazzclub kontinuierlich die baden-württembergischen Landesjazzpreisträger präsentiert, ist inzwischen Tradition. Überraschend stark war der Publikumszustrom beim Konzert von Gee Hye Lee.

Zu Beginn und als Zugabe jeweils eine bedächtige Pop-Ballade: Stevie Wonders "My Cherie Amour" und die von Mark Murphy interpretierte Latin-Nummer "The Island". Auch die 1977 in Seoul geborene Pianistin Gee Hye Lee bedient sich mitunter internationaler Hits, um eine größere Zuhörerschar anzusprechen.

Universell agiert die jetzt 35-Jährige fürwahr. Als Kleinkind fing Gee Hye Lee mit klassischem Klavier an und erlernte das Jazz-Piano eigentlich erst an der Stuttgarter Musikhochschule bei Paul Schwarz. In der Landeshauptstadt wurde die Koreanerin alsbald zu einer Katalysationsfigur für die schwäbische Szene der modern swingenden Art. 2012 wurde dieses Talent mit Baden-Württembergs Jazzpreis gewürdigt, der mit 15000 Euro dotiert ist.

Den Steinway-Flügel in der Hospitalkirche behandelte Gee Hye Lee relativ konventionell - schön auf den Tasten verbleibend, bei den Improvisationen viele einstimmige Melodien der rechten Hand, seltener pralle Akkorde. Ein Volkslied aus ihrer asiatischen Heimat versah die Südkoreanerin mit typischen Jazz-Harmonien und ließ auch hier filigrane Fleißarbeit erkennen.

Ihre Eigenkomposition "Leuchtturm" besteht aus einem aufstrebenden Viertonmotiv, das behutsam wiederholt und variiert wird.

Statt dem angekündigten Jens Loh stand am voluminösen Kontrabass nun Markus Bodenseh, der gerade neun Tage zuvor im Trio des Schlagzeugers Hans Fickelscher auf der Comburg in Hall spielte. Dem eigentlichen Tieftöner entlockte Bodenseh gerne wuselige Klänge im hohen Register, fast an Flageoletts grenzend.