Der kurze Weg zu ihrem Laichgewässer, dem Diebachstausee, ist Kröten, Fröschen und Molchen zur Frühjahrszeit versperrt. Um gefahrlos ihren Laichplatz zu erreichen, müssen die Amphibien im kommenden Frühjahr einer Leiteinrichtung folgen, die kurz vor ihrer Vollendung steht.

Für die Lurche bedeutet das einen längeren Umweg. Lange hat es auch gedauert, bis die Leiteinrichtung für die Kröten gebaut werden konnte. Alljährlich waren im Frühjahr zahlreiche ehrenamtliche Helfer, darunter auch Schüler der Fichtenberger Grund-, Haupt- und Werkrealschule, damit beschäftigt, Krötenzäune rund um den Stausee aufzubauen. Damit nicht genug: Die wandernden Tiere mussten nächtens eingesammelt und über die Wege und die Erlenhofer Straße getragen werden. Auch der Wirt des Seestübles hat sich an den Aktionen beteiligt und nach Schließung der Gastwirtschaft am Abend die Schranke auf der Zufahrt über den Dammweg geschlossen. Wenn auch zeitlich begrenzt, bedeuteten all diese Aktionen einen erheblichen Aufwand.

Rangendingen

Weit über dem Kostenrahmen

Damit ist zumindest rund um den Stausee künftig Schluss. Bereits 2016 wurde darüber im Fichtenberger Gemeinderat diskutiert, jedoch ohne nennenswerte Erfolge. Anfang 2018 stellten die Räte fest, dass es beim „Krötentragen“ über den Staudamm und über die Erlenhofer Straße wie auch an der L 1050 Richtung Hausen bei der Stöckenbrücke vorerst bleiben wird. Damals bestand jedoch Hoffnung auf Umsetzung der Pläne für die Amphibienleiteinrichtung in diesem Jahr. Die Kostenschätzung für das Projekt belief sich auf 215.000 Euro. Das Geld sollte durch einen Teil der Ausgleichsmaßnahmen für das Gewerbegebiet Hirschäcker, durch 70-prozentige Fördermittel der Stiftung Naturschutz Baden-Württemberg sowie durch den Landkreis aufgetrieben werden. Die Ausschreibung der Arbeiten wurde Ende 2018 aufgehoben, weil die Angebote weit über dem Kostenrahmen lagen. Nicht berücksichtigt wurde bei der Planung eine Amphibienleiteinrichtung an der Straße nach Hausen, die die Naturschutz-Stiftung nicht bezuschussen kann. Bürgermeister Roland Miola ist zuversichtlich, auch für die dortige Straßenquerung der Tiere eine finanzierbare Lösung zu finden und will die Ehrenamtlichen im Natur- und Tierschutz entlasten, die sich jahrelang in der Sache engagierten.

Rechberghausen

Die Baumaßnahmen zum Amphibienleitsystem rund um den Diebachsee bewegen sich im Rahmen von etwa 240.000 Euro. Entlang der Erlenhofer Straße ist die Leiteinrichtung mit den Grundstückszufahrten und Straßenunterquerungen von der Firma Jochen Kühnle bereits fertiggestellt.

Die Konstruktion der kniehohen Betonbarrieren mit Überhang am oberen Ende könnten die Frösche nur mit einer bergsteigerischen Leistung überwältigen – im Huckepack für die Lurche mit ständigen Luftrollen rückwärts verbunden. Ob die Leiteinrichtung funktioniert, wird sich dann bei der nächsten Krötenwanderung im kommenden Frühjahr zeigen.

Das könnte dich auch interessieren: