Die Martinskirche in Wildenstein ist hermetisch abgeriegelt. Vor den Türen stehen Absperrgitter, die Fenster sind mit Plane beklebt. Nichts darf vom Kircheninneren nach außen dringen. Denn drinnen herrscht der Tod. „Wir bekämpfen gerade Holzwürmer“, erklärt Architekt Klaus Burk, „mit Gas“. Und tatsächlich: Durch das Fenster neben der Sakristei führen dünne Schläuchlein in die Kirche, sie sind fast zu übersehen. Aber sehr effektiv. „Hier wird das Gas eingeleitet“, erklärt Burk.

Der Crailsheimer Architekt ist mit der Sanierung der hübschen Kirche betreut. Die Bekämpfung der Holzwümer ist eine der Maßnahmen. Aber nicht die spektakulärste.

Spektakuläre Aktionen

Das war wahrscheinlich „das Anheben der Decke“, meint der Wildensteiner Pfarrer Tobias Dürr. Im Dachstuhl über dem Chorraum waren Bolzen gebrochen, an denen die Kirchendecke am Dach­gestühl aufgehängt war. „Die Decke hing durch“, erklärt Dürr. „Wir haben zum Glück ein paar geschickte Fachleute in der Gemeinde“, erzählt er. „Die haben die Decke einfach wieder nach oben gedrückt.“ Davon kündet heute nur noch ein Loch im Deckenputz. Dort, direkt an der Balkenkonstruktion, setzte der hydraulische Stempel an, der die Balkenkonstruktion nach oben wieder an ihren Platz drückte. Auf dem Dachboden ist dann alles wieder verzahnt und verzargt worden. „Jetzt stimmt die Statik wieder“, erklärt Tobias Dürr.

Ob die Senke in der Decke auch den Putz hat locker werden lassen, prüfte ein Restaurator bereits im vergangenen Jahr aufwendig. Damit der gute Sicht auf die entstandenen Risse hatte, war ein Gerüst in der Kirche aufgebaut worden. Das Ergebnis: Der Putz saß fest. Dürr: „Aber wir haben halt Glück gehabt.“

Sperrung in Wildenstein Der zweite Bauabschnitt beginnt

Fichtenau

Denkmalamt redet immer mit

Viel geschehen ist auch in der Sakristei. Dort war der Holzboden morsch und holzwurmverseucht. „Auch hier hat das Denkmalamt mitgeredet“, sagt Dürr. Jetzt hat die Sakristei einen gewachsten Eichenboden bekommen, der gut zu den hölzernen Wandpaneelen passt. Mit dem einfachen Sprossenfenster und dem Holztisch mit Kreuz lassen sie den Raum fast klösterlich wirken. Sehr spirituell in jedem Fall: „Das ist echt schön geworden“, sagt Dürr. „Vor dem Gottesdienst sprechen wir oft ein Gebet hier.“ Mittlerweile ist die Sanierung des Innenraums beendet, der „Giftgasangriff“ auf die Holzwürmer gehört der Vergangenheit an.

Inzwischen haben auch die Gemeindeglieder ihre eigenen wurmstichigen Kästchen, Schränke und Regale aus dem Chorraum geräumt. „Wer wollte, konnte nämlich eigene Möbel in die Kirche bringen“, erklärt der Wildensteiner Pfarrer Tobias Dürr. „Die Gelegenheit haben etliche genutzt.“ Die Holzwürmer sind jetzt zwar bekämpft. Ihre typischen Spuren – die Löcher – sind in den Kirchenbänken allerdings noch deutlich zu sehen.

Fichtenau

Aus den Löchern rieselt Staub

Tobias Dürr klopft auf eine Rückenlehne. Aus den Holzwurmlöchern rieselt feiner Holzstaub. „Aber das ist normal“, sagt er. „Kritisch wird es nur, wenn es wieder frische Häufchen geben sollte.“

Eine große Aktion der Sanierung steht in diesem Jahr noch an: der Kirchturm. Dessen Spitze ist so steil, dass 1911 die Dachziegel angenagelt wurden. Mittlerweile sind die Nägel rostig und die Ziegel mürbe. Sie drohen abzurutschen. Da ist natürlich Gefahr im Verzug. Deshalb soll neu eingedeckt werden.

Dazu wird der Turm in den nächsten Wochen eingerüstet. „Möglicherweise sind dann auch Reparaturen am Dachstuhl des Turmhelms notwendig“, sagt Dürr. „Das wird sich aber erst während der Arbeiten zeigen.“ Und wenn dann das Gerüst schon mal steht, wird gleich auch noch das Mauerwerk renoviert.

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Erst 1583 erstmals urkundlich erwähnt


Seit wann es eine Kapelle in Wildenstein gibt, ist unbekannt. Erst 1583 wurde eine urkundlich erwähnt. Der Name Martinskapelle tauchte 1630 erstmals auf. Die Kapelle wurde im 30-jährigen Krieg beschädigt und 1666 erneuert. Die heutige Form erhielt die Kirche nach einer Vergrößerung 1832 und nach Umbau 1910. uts