Fichtenau / Jens Sitarek  Uhr
In drei Bienenbeständen in Fichtenau ist im April eine bakterielle Infektionskrankheit ausgebrochen. Nun wurde sie auch im benachbarten Ostalbkreis festgestellt. Dort ist ein Imker wohl massiv betroffen.

Faulbrut, der Name sagt schon alles. Lückenhaftes Brutnest, löchrige, eingefallene oder verfärbte Zelldeckel, fadenziehende Masse in den Zellen und eingetrocknete Larvenschorfe – das sind die typischen Merkmale, an denen man erkennt, dass ein Bienenvolk von der Amerikanischen Faulbrut befallen ist. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die große Schäden an der Brut verursacht und die Überlebensfähigkeit von Bienen gefährdet. Davon betroffen sind lediglich Honigbienen. Für den Menschen ist die Faulbrut ungefährlich, auch der Honig kann bedenkenlos verzehrt werden.

Die Amerikanische Faulbrut zählt zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Bei einem Verdacht informiert ein Imker die Veterinärbehörde. Teilt sie den Verdacht, sperrt sie den Bienenstand und ordnet Proben an. Bestätigt sich der Verdacht im Labor, wird ein Sperrgebiet von mindestens einem Kilometer um den Ausbruchsherd festgelegt. Aus diesem Gebiet dürfen die Bienenvölker weder hinaus- noch hineingebracht werden. Die befallenen Völker werden entweder abgeschwefelt, also getötet, oder mittels des sogenannten Kunstschwarmverfahrens saniert. Später werden noch einmal Gegenproben von den Völkern im Sperrgebiet genommen.

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Auch ein Fall von Faulbrut in Sulzbach-Laufen

Am 1. und 10. April dieses Jahres wurde die Amerikanische Faulbrut in drei Beständen in der Gemeinde Fichtenau sowie am 21. Juni in einem weiteren Bestand im Landkreis Schwäbisch Hall, in der Gemeinde Sulzbach-­Laufen, festgestellt. Dies bestätigt Dr. Werner Schreiber vom Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Landratsamt Schwäbisch Hall, auf Nachfrage unserer Zeitung. Die nach der Bienenseuche-Verordnung einzurichtenden Sperrbezirke umfassen in Fichtenau die gesamte Gemarkung Matzenbach und Unterdeufstetten sowie den südöstlichen Teilbereich der Gemarkung Wildenstein bis zum nordwestlichen Waldrand Almosenholz zwischen Völkermühle und Rohrweiher beziehungsweise in Sulzbach-­Laufen die gesamte Gemarkung Sulzbach.

In diesen Sperrbezirken befinden sich 28 Bienenstände, die untersucht wurden beziehungsweise im Bereich Sulzbach-Laufen noch untersucht werden, heißt es beim Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz. Laut Recherchen unserer Zeitung wurden bereits mindestens fünf Völker abgetötet und mindestens vier saniert.

Eine Allgemeinverfügung regelt, wie mit den Bienenvölkern und den erforderlichen Gerätschaften im Sperrbezirk umgegangen werden muss. Eine Meldepflicht gibt es für die Standorte der Bienenvölker.

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Dritter Ausbruch von Faulbrut im Kreis Hall seit 2013

In den Jahren 2013 und 2015 brach die Amerikanische Faulbrut schon mal im Landkreis Schwäbisch Hall aus. Wie bereits 2013 ist auch in diesem Jahr der benachbarte Ostalbkreis tangiert. Mit einer Pressemitteilung reagiert das Landratsamt Ostalbkreis am 31. Mai auf den Ausbruch im Landkreis Schwäbisch Hall im April. Der Geschäftsbereich Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung habe zunächst einen Sperrbezirk auf Gemarkung Ellenberg verfügt, heißt es darin, und weiter: „Inzwischen sind von der Faulbrut auch Bienenvölker in Wört, Ellwangen-Schrezheim und Ellwangen-Rotenbach, Jagstzell sowie Rainau-Saverwang und Rainau-Schwabsberg befallen.“

Wie viele Völker im Ostalbkreis insgesamt befallen sind oder befallen sein könnten, dazu finden sich keine weiteren Angaben. Laut Recherchen unserer Zeitung hat es einen Imker massiv erwischt, er soll 40, 50 Völker abgetötet haben.

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Sporen sind äußerst widerstandsfähig

Die Amerikanische Faulbrut wird durch Bakterien mit dem Fachnamen Paenibacillus larvae verursacht. Gelangen Sporen in einen Bienenstock und werden beim Füttern an die Larven gegeben, sterben diese. Wenn die toten Nachkommen nicht von Arbeiterinnen entfernt werden, weil die Brutzellen schon mit einem Wachsdeckel versehen wurden, dann entstehen darin Millionen neuer Sporen. Diese sind äußerst widerstandsfähig. Mit Medikamenten ist der Seuche nicht beizukommen, deswegen wird abgeschwefelt oder saniert, wie es in der Imkersprache heißt. Woher die Sporen kommen, ist nicht vollständig geklärt. js