Datum nicht zufällig gewählt Feierstunde zum 20-jährigen Bestehen der Erinnerungsstätte in Brettheim

Fördervereins-Vorsitzender Norman Krauß (links), sein Vorgänger Fritz Braun (Zweiter von links) und Ortsvorsteher Reiner Groß (rechts) mit dem Festredner des Abends, Berthold Graf von Stauffenberg. Foto: Erwin Zoll
Fördervereins-Vorsitzender Norman Krauß (links), sein Vorgänger Fritz Braun (Zweiter von links) und Ortsvorsteher Reiner Groß (rechts) mit dem Festredner des Abends, Berthold Graf von Stauffenberg. Foto: Erwin Zoll
Brettheim / ERWIN ZOLL 10.05.2012
Der 10. April ist in Brettheim der Tag des Gedenkens an die Männer von Brettheim, aber auch der 8. Mai, an dem 1992 die Erinnerungsstätte eingeweiht wurde, ist kein zufällig gewähltes Datum.

Am vergangenen Dienstag, also wiederum am 8. Mai, haben die Brettheimer und ihre Gäste das 20-jährige Bestehen der Erinnerungsstätte im Rathaus gefeiert. Norman Krauß, der Vorsitzende des Fördervereins für die Erinnerungsstätte, ließ keinen Zweifel daran, was dieser Tag, an dem die Wehrmacht kapituliert hat und der Zweite Weltkrieg zu Ende war, für Brettheim bedeutet. "Wir sehen diesen Tag des Jahres 1945 ausschließlich als Tag der Befreiung", sagte Krauß in der Feierstunde in der Gemeindehalle. Aus dieser Befreiung leite sich die Verpflichtung ab, "jene nach Diktatur und verbrecherischem Krieg von unzähligen Menschen im lebensgefährlichen Widerstand erkämpfte Freiheit auch durch unsere mahnende Erinnerungsarbeit zu verteidigen."

Der Festredner des Abends, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, schränkte allerdings die Auffassung vom 8. Mai als Tag der Befreiung indirekt ein. Über seine aus der Sippenhaft befreite Mutter sagte er in seinem Vortrag: "Wirklich frei war sie natürlich unter den damaligen Umständen keineswegs, denn das war damals niemand im besiegten Deutschland".

Vor rund 400 Besuchern erinnerte Norman Krauß an Menschen, die zur Entstehung der Erinnerungsstätte beigetragen hatten: unter anderem an den früheren Ortsvorsteher Fritz Braun, auf dessen Anregung hin der Ortschaftsrat 1980 beschlossen hat, jedes Jahr am 10. April einen Kranz am Friedhofseingang niederzulegen; an Heinz Lauber, den früheren stellvertretenden Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, der Lehrer aus ganz Baden-Württemberg zu Seminaren nach Brettheim eingeladen und die Idee einer Erinnerungsstätte gefördert hat; an den Rothenburger Lehrer Thilo Pohle, der mit einer Gruppe von Schülern der Oskar-von-Miller-Realschule mehrere Dokumentarfilme über die Geschehnisse von Brettheim gedreht hat; und an den Historiker Hans Schultheiß, der im Auftrag der Landeszentrale das didaktische Konzept für die Erinnerungsstätte entwickelt hat. Überaus hilfreich sei die Gründung des Fördervereins gewesen, sagte Krauß. Der erste Vorsitzende war Fritz Braun, unter dessen Leitung der Verein 53 000 Mark als Beitrag für die Erinnerungsstätte zusammengetragen hat.

Thilo Pohle ergänzte den Rückblick mit Erfahrungen, die er und seine Schüler bei der Vorführung ihrer Filme weltweit gemacht haben, sei es in den USA, sei es an der Elfenbeinküste, wo sie in die Wirren des Bürgerkriegs geraten sind.

Ortsvorsteher Reiner Groß hatte zu Beginn die Erinnerungsstätte entgegen dem Wunsch , die Vergangenheit zu vergessen, gerechtfertigt. "Es muss uns darum gehen, aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen", sagte er.

Auch Bürgermeister Siegfried Gröner sprach sich gegen einen Schlussstrich aus: "Ein Schlussstrich würde bedeuten, das Grauen zu verdrängen, das die deutsche Geschichte geprägt hat." Die Gemeinde dürfe dagegen stolz sein, eine solche Erinnerungsstätte zu haben, die ein "begehbares Geschichtsbuch" sei.

"Das Fundament der Erinnerungsstätte ist sehr stabil geworden", sagte Sybille Thelen, die bei der Landeszentrale für politische Bildung den Fachbereich Gedenkstättenarbeit leitet. Gedenkstätten seien außerschulische Lernorte - die Erinnerung an das Unrecht sei wichtig, aber es gehe auch darum, Maßstäbe menschlichen Handelns zu reflektieren.

Die musikalischen Beiträge zum Festabend steuerte der Gesangverein Brettheim unter der Leitung von Wilhelm Krauß bei.