Im Bürgerhaus in Eckartshausen ist es dunkel. Die Fenster sind mit schwarzer Folie verklebt. Vorsichtig tasten sich die Familien der Grundschüler zu ihren Sitzplätzen vor. Dann geht seitlich eine Tür auf und etwa 20 Kinder kommen herein und setzen sich auf den Boden. Ein paar Minuten später erscheint die nächste Gruppe. Und dann wieder eine Klasse, bis alle 73 Grundschulkinder im Raum sind. Was auffällt: die unglaubliche Ruhe. Kein Losstürmen, kein Rempeln, kein Schreien, wie man es sonst von diesen Altersstufen gewohnt ist.

Irgendwie anders. Und das ist auch der Titel des Projekts, an dem die Grundschulkinder - unter ihnen zehn Kinder aus den Sonnenhof-Außenklassen - eine Woche lang mit den Kölnern Paula Scherf und André Lehnert gearbeitet haben. Mit ihrem Tanztheater disdance project gastieren die beiden deutschlandweit in Schulen, machen Workshops und Aufführungen zum Thema Inklusion. "Die Zusammenarbeit mit der Schmerachschule war die beste", versichert der Schauspieler dem Publikum.

"Hallo Himmel, hallo Erde", begrüßen die Kinder die Welt. Sie machen sich klein, machen groß: "Und dann gehts los". Die wenigen Zeilen werden im Chor gesprochen. Danach äußern sich die Darsteller pantomimisch bei gedämpftem Licht und instrumentaler Musik. Im Mittelpunkt stehen die ruhigen, ausdrucksstarken Bewegungen der Kinder. Sie gehen auf einander zu, nehmen Blickkontakt auf und halten die Handflächen gegeneinander ohne sich zu berühren, als sei eine Glasscheibe zwischen ihnen oder ein Spiegel, der ihre eigene Mimik und Gestik reflektiert. Sie konzentrieren sich aufeinander und stärken so ihre Empathie.

Wer ist nun anders von den kleinen Akteuren? Es ist nicht zu erkennen, so homogen wachsen die Gruppen zusammen. Kein Kind tanzt aus der Reihe, keines hinkt hinterher und es steht auch keines passiv am Rande, während andere eine vermeintlich schwierigere Aufgabe lösen. "Es geht nicht darum, Normen zu erfüllen", erklärt die Tänzerin Paula Scherf, "die Kinder sollen ihre ganz eigenen Bewegungen entwickeln." Die Choreografie gestalteten die Mädchen und Jungen selbst.

Bei so viel Disziplin und höchster Konzentration sogar von Kindern, die sonst unter Aufmerksamkeitsdefiziten leiden, konnten die Lehrer fast neidisch werden. "Wir müssen aber auch keinen geschriebenen Stoff vermitteln, sondern arbeiten mit dem Körper, also emotional und nicht rational", räumten die Künstler ein. "Es ist Teil unseres Unterrichts, dass sich die Kinder entäußern, Gefühle zeigen und mit anderen Kontakt aufnehmen."

Der kommissarische Schulleiter Rolf Stegmeier zeigte sich schwer beeindruckt "von dem frischen Wind, der da durchs Schulhaus weht". Er konnte bei diesen Projekttagen ebenso dazu lernen wie die Lehrerin Brigitte Gronbach, die staunte, wie ihre Schüler Hemmungen ablegten, aus sich herausgingen und ausdrucksvolle Bewegungen zeigten.

"Das geht nur mit Liebe und Disziplin", ist sie sich sicher. Für die Schule, die schon sechs Jahre Erfahrung mit der Inklusion geistig behinderter Kinder hat, war die Aktion ein faszinierender Höhepunkt im Schulalltag. Als Erinnerung an die erlebnisreichen Tage dürfen die Kinder die knorrige Holzfigur "Irgendwie Anders" behalten, die Thomas Hildenbrand, der Oberaspacher Bildhauer und Vater zweier Kinder, nach der Buchvorlage für sie geschaffen hat.

Eltern helfen mit

Projekt Grundlage für die Aktion ist das von der Unesco ausgezeichnete Kinderbuch "Irgendwie Anders", eine Geschichte über die Bedeutung von Toleranz. "Auch unser Gesamtprojekt steht unter der Schirmherrschaft der Unesco", erklärt André Lehnert. Öffentliche Gelder, örtliche Sponsoren und viele helfende Hände der Eltern waren nötig, um diesen Abend zu gestalten.

CLAK