Jakobsweg Esel Fred gibt das Tempo vor

Uli Müller pilgert mit Esel Fred auf den deutschen Jakobswegen. Das Bild zeigt ihn bei einer Pause in Gründelhardt. Für Neugierige bietet Müller Eselwandern auf der Schwäbischen Alb an.
Uli Müller pilgert mit Esel Fred auf den deutschen Jakobswegen. Das Bild zeigt ihn bei einer Pause in Gründelhardt. Für Neugierige bietet Müller Eselwandern auf der Schwäbischen Alb an. © Foto: Guido Seyerle
Frankenhardt / Guido Seyerle 09.06.2018
Uli Müller aus St. Johann von der Alb erfreut sich als Pilger an der abwechslungsreichen Landschaft Hohenlohes. Er schläft unterwegs in Kuh- und Schweineställen.

Wenn der Esel nicht will, dann will er nicht. „Fred gibt das Tempo vor“, gibt der großgewachsene Mann am Straßenrand in Gründelhardt zu. „Das sind so vier bis viereinhalb Kilometer pro Stunde, wir haben uns gemeinsam darauf eingestellt.“ Wobei Fred im Gegensatz zu dem ihn begleitenden Menschen noch ordentlich an Gepäck zu schleppen hat. Bei den 45 bis 50 Kilogramm auf seinem Rücken sind Zelt, Weidezaun und Wasser für ihn genauso dabei wie die überlebensnotwendigen Dinge für seinen Besitzer Ulrich Müller. Der ist im normalen Leben Außendienstler und vertreibt in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen Musikinstrumente. „Ich bin oft schnell unterwegs“, sagt der 56-Jährige aus St. Johann auf der Schwäbischen Alb. „Das langsame Voranschreiten und das Alleinesein beruhigen mich.“

Ein angenehmer Gefährte

Wobei Fred glücklich sein kann, dass er auf dem Jakobsweg mit dabei ist. Müller besitzt drei Esel, Fred hat er als seinen angenehmsten Gefährten ausgewählt . Seit 2013 gehört er zur Familie – genauso wie drei Kinder und drei Enkel. Pilgern gehört seit 2007 zu seiner liebsten Freizeitbeschäftigung. Anfangs war er noch alleine mit Hund unterwegs. Doch Müller erlebte die Herausforderungen, die solch eine Fortbewegung mit sich bringt: „Einige Gasthöfe und Pensionen haben mich wegen meines Hunds abends nicht aufgenommen. Mit Esel kann ich schlafen, wo ich will.“ Schließlich können Zaun und Zelt auf jeder Wiese aufgebaut werden. Außerdem findet das Huftier sein Futter am Wegesrand und schläft nur zwei Stunden pro Tag.

Über mangelndes Interesse auf seiner einwöchigen Pilgertour ab Würzburg kann sich Müller nicht beklagen. Vor allem Fred zieht die Blicke auf sich. „Zu 95 Prozent sind es Frauen, die uns ansprechen“, berichtet Müller. Für 98 Prozent der Männer sei das nichts. Für sie zähle nur Leistung und Schnelligkeit.

Beschaulich, besinnlich, in sich gekehrt. Dies ist für seine einwöchige Auszeit auf dem Jakobsweg sein Credo. Nicht genau zu wissen, was einen den Tag über erwartet. Nicht im Voraus sein Nachtquartier gebucht haben. Nicht schon morgens im Hotel angekreuzt zu haben, was man mittags und abends isst.

Wie Zehntausende andere Pilger ist Müller auf den deutschen Jakobswegen unterwegs. Diese umfassen ein Netz von rund 10 000 Kilometern. Spinnenförmig laufen alle europäischen Jakobswege auf den Zielort Santiago de Compostela in Spanien zu. Dort sollen 1211 die sterblichen Überreste des heiligen Jakobus beigesetzt worden sein.

In der hiesigen Region sind zwei Hauptwege von Bedeutung. In Rothenburg ob der Tauber muss sich der Pilger entscheiden. Entweder folgt er der Strecke über Schrozberg, Schwäbisch Hall und Rottenburg an den Bodensee. Oder er pilgert  über Crailsheim und Ulm ans schwäbische Meer. Müller nimmt sich in jedem Jahr eine Teilstrecke von sieben Tagen vor. Diese begann nun in Würzburg. In Hohenlohe hat er die Natur als „reich und schön“ erlebt. Bereits wenige Stunden nach dem Verlassen von Rothenburg hat ihn die Vielzahl an Tierställen am Wegesrand überrascht: „Da hat es öfters nach Schwein gerochen.“

Die Menschen beschreibt er als „zuerst verschlossen, dann aber freundlich“. In Erinnerung wird ihm unter anderem die Übernachtung in einem Abkalbstall in Altenmünster bleiben. Die zwei Nächte zuvor hatte er in ehemaligen Schweineställen verbracht. „Da muss man völlig schmerzfrei sein.“ In Gründelhardt holt ihn seine Frau Barbara ab. Esel Fred wird in den Pkw-Anhänger verladen. Was andere Menschen von ihm denken, interessiert Müller nicht. Im kommenden Jahr will er von Gründelhardt den Jakobsweg in Richtung Ulm wandern.

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