Hammerschmiede Ärger: Große Schäden in der Hammerschmiede in Rechenberg

Es war einmal ein Ferienhof...
Es war einmal ein Ferienhof... © Foto: Jens Sitarek
Rechenberg / JENS SITAREK 28.10.2016
Erna und Johann Brenner vermieteten ihre Hammerschmiede in Rechenberg ans Landratsamt. Das hat dort acht Monate lang Familien untergebracht – jetzt ist vieles kaputt und muss repariert werden. Und das Ehepaar? Bleibt vielleicht auf dem Schaden sitzen.

Wir haben den Pensionsbetrieb eingestellt“, so steht es auf der Internetseite des Ferienhofs Hammerschmiede in Rechenberg, und weiter: „Wir danken allen ehemaligen Gästen und wünschen allen eine wunderbare Zeit.“ Den Betrieb stellten Erna und Johann Brenner, 64 und 70 Jahre alt, zum 1. Oktober 2015 ein. In der Zwischenzeit ist viel passiert, von wunderbar kann nicht die Rede sein – und das hat mit einem Mietvertrag zu tun, den die Brenners mit dem Landratsamt Schwäbisch Hall schlossen. 627 Quadratmeter. 3000 Euro kalt.

Das Mietverhältnis begann am 1. Dezember 2015 und sollte über fünf Jahre gehen. Die ersten Flüchtlinge, überwiegend syrische und irakische Familien, zogen am 19. Januar dieses Jahres ein. Ende August wurde ein Aufhebungsvertrag gemacht und die Flüchtlinge wurden auf Kirchberg, Gaildorf, Crailsheim und Fichtenau verteilt. Es ging nicht mehr so weiter im ehemaligen Ferienhof Hammerschmiede – in diesem Punkt waren sich die Brenners und das Landratsamt wohl ausnahmsweise mal einig.

Der Deutsche Tourismusverband gibt ihren Unterkünften vier Sterne, ein Aufkleber draußen dokumentiert dies, gültig bis 2016. Es wirkt wie eine Farce, denn drinnen offenbart sich dem Besucher ein Bild der Zerstörung: verdreckte Wohnungen, die Teppiche übersäht mit Brandflecken, kaputte Fliesen, Thermostate, Heizkörper, Armaturen, Kühlschränke und Induktionsherdplatten, aufgequollene Laminatböden und Küchenmöbel, Löcher in Vorhängen und Gardinen – und Schimmel, viel Schimmel, vor allem im Bad. Die Mängelliste des Brenner-Anwaltes ist länger als drei DIN-A4-Seiten. Ferienhof, das war einmal.

„Wir haben ruinierte Wohnungen“, so sagt es Erna Brenner. „Das waren keine Gäste.“ Sie hat nichts gegen Flüchtlinge, engagiert sich im Freundeskreis, eine Flüchtlingsfamilie wohnt immer noch bei ihnen, aber so ginge das wirklich nicht. Und dann ist da ja noch der Streit mit dem Landratsamt um den Schaden und die Kosten. Ein gemeinsamer Ortstermin am 13. September brachte keine Klarheit. „Abschließend darf ich aber noch festhalten“, schreibt der Anwalt, „dass meine Mandanten an einer gütlichen und außergerichtlichen Erledigung der Angelegenheit interessiert sind.“

Johann Brenner wollte pauschal 25 000 Euro, obwohl die Schäden mit Sicherheit wesentlich höher sind, dann wäre die Sache für ihn erledigt gewesen. Und? Das Landratsamt habe 5000 Euro geboten, so Brenner. „Keine Auskünfte über den laufenden Rechtsstreit“, lautet oft die Antwort, wenn man Fragen an die Behörde schickt.

„Dem Vermieter obliegt die Instandhaltung in Dach und Fach“, so steht es im Mietvertrag, Paragraf 5. Das betrifft natürlich viele Dinge, die der Anwalt in seiner Liste aufführt. Dagegen nehmen Paragraf 7 und 8 das Landratsamt in die Pflicht. „Der Mieter haftet für alle in den Mieträumen entstandenen Schäden, die er oder von ihm untergebrachte Personen schuldhaft verursacht haben.“ Und: „Nach Beendigung des Mietverhältnisses erfolgt die Rückgabe in dem zum Mietbeginn übergebenen Zustand.“

Von wegen Glückstreffer

Bei der Abnahme habe ein Mitarbeiter der Kreiskämmerei ihr gesagt, dass alles wieder gerichtet werde, so Erna Brenner. Beim Termin im September soll sich die Leiterin des Amtes für Migration zu folgender Äußerung verstiegen haben: Der Ferienhof sei ja auch kein Haus für Flüchtlinge. Wenn das stimmt, dann muss die Frage erlaubt sein, wieso das Landrats­amt es überhaupt angemietet hat. „Dass solche oder ähnliche Aussagen gemacht wurden, trifft nicht zu“, heißt es beim Landratsamt.

Was die Brenners zudem ärgert, ist, dass der Hausmeister die Haustür und Handwerker eine Holztreppe angebohrt hätten, um einen automatischen Schließmechanismus (Tür) und einen Schutz für Kinder (Treppe) anzubringen. „Von diesen Schäden ist nichts bekannt“, heißt es beim Landratsamt. Aber die Bohrlöcher kann man sehen. Was man noch sehen kann, sind die Namensschilder der Flüchtlinge aus Papier, die jemand mit Klebstoff an den Holztüren befestigt hat. Das geht ganz schwer weg. Die Brenners waren es jedenfalls nicht und die Flüchtlinge auch nicht.

Sie wohnen auch noch nebenan

Erna Brenner sitzt mit ihrem Mann am Wohnzimmertisch und zeigt Fotos auf Laptop und Handy, wie die Wohnungen vorher aussahen. Sie kann es immer noch nicht fassen. „Ein Glückstreffer“, dachten sie zunächst. „Wir haben uns das aufgebaut fürs Alter“, sagt Erna Brenner, „jetzt geht die Rente dafür drauf.“ Nächtelang hätten sie nicht geschlafen. „Das war kein Leben mehr.“

Um die ganze Geschichte zu verstehen, muss man wissen, dass die Brenners nebenan wohnen. Ein Nachteil? Sie wussten ja, wie es in den Wohnungen aussieht. „Das war das Schlimme“, sagt Erna Brenner. Es verging kein Tag, an dem sie nicht irgendjemand um Hilfe bat. Vielleicht aber auch ein Vorteil. Nicht auszudenken, was sonst noch passiert wäre, wären sie nicht in der Nähe gewesen. „Das wäre unendlich geworden“, findet Erna Brenner. Natürlich hat sie was gesagt, sonst wäre sie nicht Erna Brenner, aber man hat sie einfach nicht ernst genommen.

„Da fragt man sich wirklich, was Hausmeister und Security machen“, betont Erna Brenner. Der Wach- und Sicherheitsdienst war „eine Auflage wegen Brandschutz“, so das Landratsamt, also eher ein Wach- denn ein Sicherheitsdienst. Wenn es zu Streitigkeiten kam, war die Polizei gefordert. Viermal rückte sie 2016 Richtung Hammerschmiede aus. Oft hätten sie gar keine Polizei geholt, sagt Erna Brenner, „weil man sich geschämt hat“. Im Ort wurde ja schon genug geredet.

In Spitzenzeiten seien es 70 Flüchtlinge gewesen, betont sie, 20 davon auf Besuch. Es habe immer geheißen, „wir brauchen das noch und das noch – und ich Dackel habe es auch noch gemacht“, sagt Erna Brenner. „Wir haben nicht mehr aus dem Haus gekonnt.“ Johann Brenner fährt sich mit der Hand durchs Gesicht, unzählige Arbeitsstunden hat er schon investiert, wer weiß, was ihn noch erwartet. „Ich habe so die Schnauze voll“, sagt er. Und seine Frau fügt hinzu: „Ich kann nicht mehr.“

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