Wie wichtig der Tourismus für Langenburg ist, sieht man nicht zuletzt auch daran, dass der Bürgermeister dem Thema einen eigenen Tagesordnungspunkt in der April-­Sitzung des Gemeinderates widmet. Doch bevor es um neue Ortseingangstafeln, den Radweg zwischen Bächlingen und Oberregenbach sowie die Nebenbahnstrecke von Blaufelden über Gerabronn nach Langenburg geht, liefert Wolfgang Class eine allgemeine Einführung. Seine Botschaft: „Es tut sich was.“ Dieser Satz findet sich auch in seiner Präsentation, versehen mit einem lächelnden Smiley.

Dass sich was tut, illustriert Class mit Fotos, er spricht von ­einer „Belebung des Marktplatzes“ durch Spielgeräte, Blumenschmuck und Aktionen. Aktionen wie dem E-Mobilitätstag, den die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Schwäbisch Hall am Sonntag, 2. Juni, mit Schloss und Stadt Langenburg sowie dem Energieversorger Rath veranstaltet.

Die Stromtankstelle für Autos auf dem Schlossparkplatz gibt es passend dazu ja schon. Und demnächst könnte ein Fahrradhandel mit einer Ladestation für E-Bikes hinzukommen, die entsprechende Bauvoranfrage wurde jedenfalls in der Sitzung behandelt. Zudem vergrößert sich das kulinarische Angebot um ein vietnamesisches Restaurant.

Dann liefert Class erfreuliche Zahlen. Die Zahl der Einwohner, die mit Hauptwohnsitz gemeldet seien, steige weiter. Von 1842 im Vorjahr auf nunmehr 1860. Zum Vergleich: 2013 waren es 1715. Damit entwickelt sich Langenburg entgegen der Prognose des Statistischen Landesamtes, das in diesem Jahr von lediglich 1716 Einwohnern ausgeht. Seit 2016 ist Langenburg übrigens nicht mehr die kleinste Stadt Baden-Württembergs, sie wurde von Widdern im Landkreis Heilbronn abgelöst.

40.000 Übernachtungen jährlich

Mittlerweile gibt es in Langenburg 544 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, viele davon im Tourismus, 2013 waren es 348. Welche Rolle der Tourismus, der Faktor Wellness spielt, spiegelt sich in den Übernachtungszahlen. Diese seien „enorm gestiegen“, so Class weiter. Derzeit seien es rund 40.000 Übernachtungen pro Jahr, davon entfielen 30.000 auf das Mawell Resort.

Um die Besucher der Stadt zukünftig anders zu empfangen, sollen neue, zeitgemäße Ortseingangsschilder her: Das Logo, das auf den alten Schildern zu sehen sei, sei nicht mehr aktuell, betont Class, auf der Burgenstraße würde Langenburg auch nicht mehr liegen, und der letzte Bauplatz für 40 Euro sei schon längst verkauft.

Gemeinderat Johann Pollanka stellt noch die Standortfrage. Es könne nicht sein, dass man – wie bisher – am Mawell vorbeifahre, bis man die Schilder sehe. Ein kleines Gremium, das aus Mitgliedern des Gemeinderates besteht, soll sich nun Gedanken über die finale Gestaltung der Ortseingangstafeln machen. Dabei geht es unter anderem um Wechselplatten, die beispielsweise Wellness in Langenburg bewerben würden, wenn gerade keine andere Veranstaltung liefe.

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Gerabronn

„Die Straße ist eine Zumutung“

Die Idee eines Radweges zwischen Bächlingen und Oberregenbach ist nicht neu. Der Kocher-­Jagst-Radweg verläuft dort auf der Landesstraße 1025. Gemeinderat Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg bringt es wie folgt auf den Punkt: „Es fehlt eine Verbindung zwischen Bächlingen und Oberregenbach. Die jetzige Straße ist eine Zumutung.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Radfahrern was passiere.

Die ursprünglich favorisierte Trasse an der Jagst ist mittlerweile vom Tisch, dafür sollte es die Hagsteige entlanggehen. Nun stellt Class eine neue Trasse zur Diskussion: von Bächlingen aus hinter dem Fischhaus hoch, weiter oberhalb der Hagsteige bis zum Schloßbergweg und von dort weiter bis auf die Regenbacher Steige bei der Kläranlage. Gesamtkosten laut Class: 1,8 Millionen Euro, Brücke über die Jagst inklusive. Vom Schloßbergweg aus soll es einen Weg hoch zum Schloss geben, damit weniger Radler einen Bogen um Langenburg machen. Karin Friedle-Unger könnte sich mit einem „Radweg dichter am Städtchen“ anfreunden. Entschieden ist noch nichts, und so steht der Radweg bald wieder auf der Agenda.

Schließlich berichtet Class von einer „Infofahrt“ nach Welzheim zur schwäbischen Waldbahn. Von Interesse war dabei die touristische Ausrichtung, um mögliche Rückschlüsse auf das Projekt Nebenbahn Blaufelden-Gerabronn-­Langenburg zu ziehen. Für Fürst Philipp steht nicht erst seit dem Vortrag des Bürgermeisters fest: „Nur bis Langenburg fahren und die Leute rausschmeißen, wird nicht funktionieren.“ Bei Pollanka klingt das so: „Ich kann nicht nur ein Triebwägele fahren lassen.“ Und bei Anette Sperber: „Ohne Gesamtkonzept nicht umsetzbar.“

Konzept ist wiederum das Stichwort für Fürst Philipp. „Wir sollten uns ein Konzept überlegen, was für einen Tourismus wir in Langenburg wollen“, sagt er. Für Klaus Groninger hat die „Nebenbahn nicht oberste Priorität, es gibt wichtigere Dinge“. Der Radweg sei „deutlich realistischer“.

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