Kandidatenvorstellung Es hat sich viel getan in Langenburg

Langenburg / Birgit Trinkle 16.04.2018

Allgemeines Gelächter bei der Ankündigung einer „Fragestunde mit allen Bewerbern“: Der Platz neben Wolfgang Class ist und bleibt leer, allein Class’ 15-minütige Rede und ein anschließender konstruktiver Austausch bestimmen die Kandidatenvorstellung. Keine Spur von Friedhild Miller; die Familienhelferin aus Sindelfingen, die sich in so vielen Gemeinden bewirbt, ist nur auf dem Papier Kandidatin, wenn Langenburg am 22. April den Bürgermeister wählt.

Dass da kein Fremder, sondern einer aus der Mitte der Gemeinschaft auftrat, war am Freitagabend in der Stadthalle von Anfang an klar. Class traf auf Freunde und Bekannte wie die Unternehmer Sabine Piasecki und Friedrich Rath und auf Wegbegleiter wie den 83-jährigen Josef Lang, der vier Bürgermeister erlebt hat und sich daran freut, wie sich Langenburg in den letzten Jahren entwickelt hat. Auch Ehefrau Carmen Class und die Söhne Michael und Sebastian bewegten sich offensichtlich in vertrautem Umfeld.

Class, amtierender Bürgermeister seit 2002, skizzierte kurz seinen Werdegang vom Schreinergesellen über den Diplomverwaltungswirt zu den Stellen im öffentlichen Dienst, und er sprach über die Dinge, die ihm wichtig sind. Zuverlässigkeit etwa nannte der 54-jährige gebürtige Hohenloher mit Blick auf den Katastropheneinsatz in Bächlingen im Mai 2016; Zusagen würden eingehalten. Dann die Bürgernähe – auch privat will er so oft es geht erreichbar sein, eine offene Rathaustür verstehe sich von selbst.

2002 war Langenburg die höchstverschuldete Gemeinde in Baden-Württemberg: Class blickte auf den Verkauf von Herrenmühle und Wald zurück, auf die harte Konsolidierungsarbeit, die von  Gebührenerhöhungen bis zu Einsparungen beim Personal einige Opfer verlangte, letztendlich aber auch zu einem effizienteren Arbeiten führte. Das Freibad hätte eigentlich geschlossen werden müssen. Dass es im vergangenen Jahr das 40-jährige Bestehen feiern durfte, sei dem Förderverein mit rund 600 Mitgliedern zu verdanken. Die Verschuldung der Stadt konnte dennoch um ein Drittel reduziert werden. Wolfgang Class, der bislang mit außerordentlich hohen Wahlbeteiligungen verwöhnt wurde, wünscht sich, dass mindestens 40 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

In der Fragestunde erläuterte der Kandidat dem mit der
Aussegnungshalle unglücklichen Fritz Heinzmann, mit welchen Maßnahmen das „Mausoleum“ sowie das städtische Gebäude aufgewertet werden sollen. Edith Pollanka wünschte sich einen weiteren Spielplatz und erfuhr, dass bei Bedarf gehandelt werde, bislang die Kinder aber am liebsten durch die Privatgärten zögen, wo sie herzlich willkommen seien. Auf Nachfragen zu Class’ Ziel, das Ehrenamt zu stärken, wurde das durch die Auflösung des Spielmanns- und Fanfarenzugs frei werdende Geld, grundsätzlich aber die Aufwertung des bürgerschaftlichen Engagements zum Thema gemacht. Das Thema, das den meisten Langenburgern unter den Nägeln zu brennen scheint, ist die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung: Dass die Stadt dafür Geld in die Hand nehmen will und kann, steht wohl fest, und vor allem hat jetzt die kassenärztliche Vereinigung keine Einwände mehr. Auch in Verbindung damit waren dann Bürgerbus und ÖPNV-Ausbau Thema, das Seniorenwohnen und generell die Infrastruktur.

Der erste stellvertretende Bürgermeister Jürgen Brück moderierte, stellte aber auch selbst Fragen, und wie Wolfgang Class machte er deutlich, dass Langenburg mit all seinen schönen Seiten und mit den 68 Dienstleistungsunternehmen von „außen“ sehr viel positiver wahrgenommen werde als von den Langenburgern selbst. „Hier lässt es sich gut leben.“

Info Morgen stellt sich Wolfgang Class um 19.30 Uhr beim öffentlichen Wahlforum des Hohenloher Tagblatts im Philosophenkeller den Fragen der Redakteure  Andreas Harthan und Erwin Zoll.

Bilanz und Ausblick des Kandidaten

In 16 Jahren hat der amtierende Bürgermeister einiges angestoßen. Am Freitag nannte er Investitionen in Wasser und Abwasser – vom Hochbehälter zur Kläranlage, von der Vielzahl an Kanälen gar nicht zu reden –, außerdem das Sanierungsgebiet Bahn­areal, Stadthalle, Feuerwehr- und Bauhofinvestitionen, die Mensa, Schulsanierung, Ganztageskindergarten, Baulandentwicklung und anderes.

Unter dem Stichwort Pläne und Ziele sprach er vom Sanierungsgebiet Vorstadt II-Gartenstraße, von der Infrastruktur-Stärkung, immer wieder vom Wohnungsbau, der in der Stadt so stark nachgefragt ist, zudem Kindergartenerweiterung, Breitbandversorgung, nachhaltige Mobilität und das Konzept „fair und regional“.

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