Bedarfspläne werden überarbeitet Es fehlen jetzt schon Ärzte im Landkreis

Dr. Elisabeth Koerber-Kröll verbindet das Bein von Peter Becker. Archivfoto
Dr. Elisabeth Koerber-Kröll verbindet das Bein von Peter Becker. Archivfoto
ELISABETH SCHWEIKERT 27.03.2012
Mittelfristig sollen sich im Kreis Schwäbisch Hall mehr Ärzte niederlassen dürfen. Das stellt das Sozialministerium Baden-Württtemberg in Aussicht. Derzeit werden die Bedarfspläne überarbeitet.

Aber: Bis tatsächlich mehr Ärzte im Kreis Hall die Arbeit aufnehmen, dürfte Zeit vergehen. Dr. Elisabeth Koerber-Kröll, Vorsitzende der Haller Kreisärzteschaft, sagt: Selbst wenn es mehr Planstellen gibt, helfe das nur wenig - das Problem sei, dass es zu wenige Ärzte gebe. "Es müssen Strukturen geschaffen werden, damit deutsche Ärzte bereit sind, in Deutschland zu arbeiten." Allein im Haller Stadtgebiet suchten derzeit drei Hausärzte seit längerer Zeit vergeblich Nachfolger. Bei den Fachärzten drohe zeitversetzt die gleiche Not.

Ganz anders bewertet das Sozialministerium die Lage. Derzeit sei die medizinische Versorgung im Kreis Hall gut - abgesehen von der Situation bei den Hautärzten. Das schreibt das Sozialministerium auf eine Kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Helmut W. Rüeck. Rein rechnerisch bestehe sogar eine Überversorgung in allen Arztgruppen. Der Versorgungsgrad bei den Fachärzten variiere zwischen 111 und 333 Prozent, bei der hausärztlichen Versorgung stehe ein überdurchschnittliches Angebot wohnortnah zur Verfügung. Bis auf Langenburg gebe es im Kreis Hall in jeder Gemeinde mindestens einen Hausarzt. Mit 1409 Einwohnern pro Hausarzt liege die Hausarztdichte im Kreis sogar um 7 Prozent über dem Landesdurchschnitt.

In seiner Anfrage nimmt der CDU-Abgeordnete Bezug auf die Resolution, die im Februar auf Initiative des Haller Oberbürgermeisters Hermann-Josef Pelgrim vom Haller Gemeinderat gefasst worden ist. Das Stadtparlament forderte in ihr, den Zuschnitt der Gesundheitsregionen zu ändern. Der Hintergrund: Schwäbisch Hall gehört zur Region Heilbronn-Franken. Würde der Stadt- und Landkreis Heilbronn mit seinen 452500 Einwohnern aus der Statistik herausgerechnet werden, änderte sich der Verteilungsschlüssel und der Kreis Hall hätte Anspruch auf weitere Ärzte.

In seiner Anfrage fordert Rüeck von der Landesregierung eine Bewertung der Resolution. Er bange um die ärztliche Versorgung, schreibt er. Wie das Ministerium mitteilt, wird es die vom Haller Gemeinderat geforderte kleinräumige Lösung wohl geben. Geplant sei, die Bedarfsplanungsrichtlinien zu reformieren. Die Kriterien müssten noch festgelegt werden. Allerdings sei schon jetzt klar, dass es bei den "Planungsbereichen eine Abkehr von den starren Stadt- und Landkreisgrenzen geben" wird. "Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die bisherige Raumgliederung und die daraus abgeleiteten Einwohner-Arzt-Relationen dem kleinräumigeren, tatsächlichen Bedarf angepasst werden müssen."

Im Haller Rathaus nimmt man dies wohlwollend zur Kenntnis. "Der Gemeinderat und Herr Rüeck haben das Ministerium mit der Resolution und der Anfrage für das Thema sensibilisiert", sagt Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Er freut sich, dass eine kleinräumige Regelung gesucht werden soll und Hall aus der schlechten Kategorie herauskommt.