Organic Forum Erstes Organic Forum im Schloss Kirchberg

Ernst Ulrich von Weizsäcker war zum Kongress-Auftakt zu Gast im Kirchberger Schloss.
Ernst Ulrich von Weizsäcker war zum Kongress-Auftakt zu Gast im Kirchberger Schloss. © Foto: Ufuk Arslan
Kirchberg / Christine Hofmann 09.03.2017
Prominente Redner machen sich beim ersten „Organic Forum“ im Kirchberger Schloss Gedanken über die Zukunft unserer Erde.

Es war ein Auftakt nach Maß: Mit einem Film über die Demonstration Hohenloher Bauern gegen die Übernahme des umstrittenen Saatgutherstellers Monsanto durch den Bayer-Konzern in Leverkusen, an der neben protestierenden Landwirten auch Schwäbisch-Hällische Landschweine beteiligt waren, startete am Dienstagabend das erste Organic Forum im Schloss Kirchberg. Damit war die Richtung für den Abend und die drei folgenden Kongresstage in Schwäbisch Hall vorgegeben. „Wir müssen unseren bäuerlichen Anliegen eine Stimme geben, die auch gehört wird und die Antworten geben kann auf die globalen Fragen“, sagte Rudolf Bühler, Vorsitzender der Stiftung Haus der Bauern, der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) und Initiator der Großveranstaltung.

Betrachtet man die große Resonanz an Teilnehmern – die Sitzplätze im Ritterssaal des Schlosses reichten nicht aus – und das beachtliche Medieninteresse, darf man davon ausgehen, dass die Stimme der Landwirte Gehör finden wird. Dies sei auch dringend nötig, betonte der Ko-Präsident des Clubs of Rome, Professor Ernst-Ulrich von Weizsäcker, der als prominenter Redner über Bevölkerung, Ernährung und Grenzen des Wachstums sprach.

Der Naturwissenschaftler hat die Befürchtung: Wenn die in der Agenda 2030 genannten Ziele eines weltweiten wirtschaftlichen Fortschritts im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit eines Tages erreicht werden, werden die ökologischen Grenzen der Erde längst überschritten sein. Was also tun? „Wir müssen eine sehr weitgehende Änderung der Politik, unseres Denkens und der Philosophie erreichen, die dazu führt, dass die Prinzipien der Nachhaltigkeit obenan stehen“, so Weizsäcker.

Der Club of Rome erstellt derzeit einen Bericht mit dem Titel „Come on!“, was sowohl mit „Gib’ nicht so an!“ als auch mit „Komm mit!“ übersetzt werden kann. Darin wird zu lesen sein, dass ein „Weiter so“ künftigen Generationen die Lebensmöglichkeiten entziehen wird. „Wir brauchen eine neue Aufklärung“, fordert der Vordenker für nachhaltiges Wirtschaften. „Der Kern muss die Balance sein, nicht das Dogma: Es muss Nahrungsmittelqualität mit betriebswirtschaftlicher Rationalität geben.“ Und da die Zeit dränge, gelte es, heute schon mit dem Umdenken anzufangen, ganz nach dem Motto „Come on!“

Transparenz verlangen

Der Agrarwissenschaftler und Naturschützer Professor Hartmut Vogtmann brachte konkrete Vorschläge mit nach Kirchberg. „Nach der Agrarwende wollen wir eine Forschungswende.“ Es könne nicht länger toleriert werden, dass mit Steuergeldern teure Forschungsprojekte finanziert würden, deren Ergebnisse nicht oder nur teilweise veröffentlicht würden und von denen große Firmen und korrupte Regierungen profitierten. „Wir müssen ganz kritisch sein und Transparenz verlangen.“

Nach Vogtmanns Recherchen würden nicht nur Studien, sondern auch Projekte subventioniert, die, anstatt Kleinbauern auf der ganzen Welt zu unterstützen, großen Schaden anrichteten. „Die Industrie verdient an der Landwirtschaft, der Bauer verdient nichts mehr mit der Landwirtschaft. So ist das heute.“

So kam der Agrarwissenschaftler Vogtmann schließlich zum selben Ergebnis wie sein Vorredner von Weizsäcker: „Es muss sich etwas ändern – und zwar nicht um des Geldes willen, sondern um des Gemeinwohls willen.“

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