Fichtenau Erstangriffsfahrzeug im zweiten Zug

Ungefähr so sieht das neue Löschfahrzeug der Fichtenauer Wehr aus. Lieferzeit: mehr als ein Jahr.
Ungefähr so sieht das neue Löschfahrzeug der Fichtenauer Wehr aus. Lieferzeit: mehr als ein Jahr. © Foto: Josef Lentner GmbH
Fichtenau / Jens Sitarek 25.07.2018
Nach der europaweiten Ausschreibung eines Löschfahrzeugs für fast 400.000 Euro herrscht in Fichtenau zunächst Verunsicherung. Am Ende kriegt eine andere Firma den Zuschlag.

Die Feuerwehr Fichtenau braucht ein neues Löschfahrzeug, Typ LF 20 KatS. Weil es mit allem Drum und Dran fast 400.000 Euro kosten wird, musste die Anschaffung europaweit ausgeschrieben werden. Europaweite Ausschreibungen sind komplizierte Verfahren, die sich viele Gemeinden alleine nicht zutrauen, und deshalb beauftragen sie Agenturen. Natürlich verdienen die Agenturen daran, die Rede ist von zwei Prozent des Bruttopreises. Und wenn es trotzdem Probleme gibt, dann ist das ärgerlich. In Fichtenau können sie davon jetzt ein Lied singen.

Nicht produktspezifisch ausgeschrieben wurden fünf Lose: Fahrgestell und Aufbau, Beladung, technische Rettung/Beladung, Tragkraftspritze und Wärmebildkamera. Fürs erste Los (Gestell und Aufbau) gingen vier Angebote ein. Für ein Los (Kamera) ging nichts ein, für alle andere Lose ging ein Angebot ein. Die Sache läuft dann eigentlich so ab: Den Zuschlag erhält jeweils der wirtschaftlichste Bieter.

„Kein Ausschlussgrund“

Die komplizierte Bewertungsmatrix spuckte bei Los 1 den Namen einer Firma aus, mit dem bei der Feuerwehr Fichtenau kaum einer etwas anfangen konnte, der vorab mit dem Thema Ausschreibung beschäftigt war.

Pech gehabt, könnte man meinen. „Kein Ausschlussgrund ersichtlich“, hieß es bei der Verwaltung. Bürgermeisterin Anja Wagemann hörte allerdings „Unsicherheit“ aufseiten der Feuerwehr heraus.

Doch es blieb ein kleines Hintertürchen: der Vorführtermin. Den hatte die Gemeinde zur Auflage gemacht. „Ich kaufe doch nicht etwas für fast 400.000 Euro, bevor ich es nicht gesehen habe“, sagte Gemeinderat Steffen Lüdtke in der Juni-Sitzung des Gremiums, und: „Wenn wir das heute kaufen, ist das ein Auto für die Verwaltung und nicht für die Feuerwehr.“

So wurde die Vergabe des Löschfahrzeugs auf die Juli-Sitzung am vergangenen Montag vertragt. Zwischendrin gab es den ersehnten Vorführtermin. Und? Der Aufbau war besser als gedacht, aber mit der Referenzliste stimmte etwas nicht. Die Agentur schaute noch mal genauer nach und stellte fest: Die Zahl der zuletzt ausgelieferten Fahrzeuge entsprach nicht den Anforderungen in der Ausschreibung.

Jetzt kommt bei Fahrgestell und Aufbau die Firma Josef Lentner aus Hohenlinden zum Zug – deren Angebot liegt mit etwas mehr als 300.000 Euro knapp 10.000 Euro über dem vorherigen. Den Zuschlag für die anderen drei Lose bekam die Firma Wilhelm Barth aus Fellbach.

Die Kamera gibt es später

Für Beladung werden 56.000 Euro fällig, für technische Rettung/Beladung 24.000 Euro und für die Tragkraftspritze 13.000 Euro. Die Wärmebildkamera soll später gekauft werden. Gesamtkosten des neuen LF 20 KatS: 395.000 Euro.

Dafür kriegt die Gemeinde „nicht nur ein vollwertiges Erst­angriffsfahrzeug“, wie es beim Hersteller heißt, sondern es ist „als Multitalent auch für die Wasserentnahme aus offenem Gewässer und für längere Schlauchleitungen bestens gerüstet“.

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