Aktionstag Erst tanzen dann sägen

Kreßberg / Ute Schäfer 18.06.2018
Der Walderlebnistag bietet  alles: gemütliche Waldspaziergänge, faszinierende Holztechnik, Kindervergnügen und noch viel mehr.

Es war schon eine ungewohnte Mischung: Pferdegewieher, Motorsägen und Alphornbläser aufs Ohr und den Geruch von Sägespänen und Grillwürstle auf die Nase. Mit anderen Worten: Es war mal wieder Walderlebnistag auf dem Sixenhof (Kreßberg).

Seinen Namen hat der Ort von einem Ritter Sixtus von Feuchtwangen, der dort im Mittelalter auf einer Waldlichtung einen kleinen Hof betrieb. Doch im Verlauf der Jahrhunderte verarmte der Hof. Ende des 19. Jahrhunderts kaufte ihn der Staat, sprich das Königreich Württemberg, und richtete eine Försterei ein. Das ist Sixenhof geblieben. Heute bildet der Landkreis hier seine acht Forstlehrlinge aus, erklärte Bernd Stock, der Leiter des Sixenhof-Reviers, und schaute hinauf zum großen Mammutbaum. „Hier gibt es einige außergewöhnliche Bäume. Es gab früher mal eine Pflanzschule hier.“ Doch eigentlich schaute Stock am Mammutbaum vorbei in den Himmel, denn der war zappenduster. Und das zum offiziellen Beginn des Walderlebnistags, der verbunden ist mit vielen Stationen und Unterhaltungen im Freien. „Wir erwarten 3000 bis 5000 Besucher Es wäre schade, wenn’s da regnen würde.“

Monatelange Vorbereitung

„Die Walderlebnistage sind der Höhepunkt für das Team. Es hat monatelang geplant“, erklärte Dr. Andreas Wickel, Leiter des Forstamts Schwäbisch Hall, als er die Besucher begrüßte. Alle fünf Jahre wird der Walderlebnistag organisiert und gefeiert, in diesem Jahr wird besonders des Neubaus des Sixenhofs gedacht. Der war vor 25 Jahren, „und jetzt wäre langsam mal eine Renovierung fällig“, sagt Forstamtsleiter Dr. Wickel.

Gut 50 Mitarbeiter des Forstamts waren am Start, und zwar am Begrüßungsstand, auf der Waldbühne und an den vielen Informationsständen auf dem Rundgang im Wald. Sie alle waren gut zu erkennen an den grünen, extra gefertigten Shirts. Selbst die Rentner und Pensionäre wurden aktiviert. Sie präsentierten die alte Kunst des Holzfällens und -rückens mit traditionellen Maschinen oder mit purer Muskel- und Pferdekraft.

Die Gemeinde Kreßberg freue sich über den Sixenhof und auch über den „Tag der offenen Tür im Wald“, so der Kreßberger Bürgermeister Robert Fischer, der hoffte, dass der Sixenhof noch viele Jahre bestehen bleibt. „Aber wenn man zum Sixenhof steht, sollte man ihn auch mit einem Glasfaserkabel ausstatten. Das gehört heute einfach dazu.“

Denn dass die moderne Zeit auch im Wald Einzug gehalten hat, zeigte sich auf einer kleinen Waldlichtung: Hier stand eine der Höllenmaschinen, die heutzutage dem Holz zu Leibe rücken. Sie zermalmte Bäume zu Schredderholz in Nullkommanichts. So manchem Kind – und manchem Erwachsenen – blieb da der Mund vor Staunen offen stehen.

Und sie staunten auch, dass gestandene Forstleute gleich zu Beginn auf der Showbühne mitten im Wald ein kesses Tänzchen hinlegten. Der Sinn: Um körperlichen Verschleiß bei der harten Arbeit im Wald vorzubeugen, stellt das Land Baden-Württemberg seinen Waldarbeitern einen Trainer oder Physiotherapeuten zur Seite, der mit ihnen Ausgleichsgymnastik macht. Der lehrt sie körperschonendes Arbeiten. Und das zeigten die Forstleute gestern den vielen Besuchern. „Sägen mit geradem Rücken“, lautete etwa eine der Übungen, oder „Fußknöchel in den harten Sicherheitsschuhen entspannen“. Trainer der Haller Förster ist Josef Ruck aus Niedernhall, der sein Sportgewand allerdings mit der schweren Sicherheitskleidung getauscht hat. „Ich muss ja ein Gefühl dafür bekommen, welche Bewegungen in den Kleidern möglich sind und welche nicht.“

Nach dem Tanzen kam dann das Sägen. Die Förster führten vor, wie ein Baum fachmännisch umgelegt werden kann. Ausbilder Dieter Hähnle erklärte die Fälltechniken am Flipchart (standesgemäß mit Holzscheiben ausgestattet) und einer der Azubis ließ die Motorsäge surren. „Achtung“, rief er, bevor der Stamm sich neigte, und alle freuten sich, dass er genau in die Richtung fiel, in die er fallen sollte.

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