Wahl Ernsthaftes Ziel: das Rathaus

HARALD ZIGAN 01.03.2013
Ein Sieger bei der Bürgermeister-Wahl in Fichtenau steht schon jetzt fest - nämlich die Demokratie: Die Bürger haben am Sonntag eine echte Wahl unter drei Kandidaten, die nicht aus Jux und Tollerei antreten.

Die Konkurrenz für das HT-Wahlforum in der Halle in Unterdeufstetten war ganz schön groß: Elternabend in der Schule, Hauptversammlung bei den Landfrauen - und dann noch König Fußball mit den Bayern und Borussen im Fernsehen. Rund 120 Fichtenauer interessierten sich dennoch sehr für das Alternativ-Programm: HT-Redaktionsleiter Andreas Harthan kündigte einen Abend jenseits von staatstragenden, zuweilen etwas hölzernen Kandidatenvorstellungen an - und hat das Versprechen zusammen mit seiner Kollegin Christine Hofmann eingelöst.

Die Mischung aus Kommunalpolitik und unterhaltsamen Einblicken in das private Weltbild der drei Kandidaten bündelte sich am Ende zu der Erkenntnis, dass hier neben dem Amtsinhaber zwei weitere gestandene Mannsbilder nicht aus Spaß, Kalkül oder gar Langeweile ihren Hut in den Ring geworfen haben, sondern ganz ernsthaft um die Gunst der Bürger werben.

Dass zwei Kandidaten nicht wie Martin Piott (38) durch die klassische Schule der Verwaltung gegangen sind, stellt für Steffen Kern (45) keinen Makel dar: "Die Arbeit auf dem Rathaus ist von der Arbeit eines Projektmanagers nicht weit entfernt - ein Bürgermeister ist nicht dazu da, dass die Stempel auf die richtige Stelle im Formblatt kommen". Und Carsten Prange (64) hat als Berufssoldat "tagtäglich mit Verwaltung zu tun gehabt". Und er sei "ein Insider, der weiß, was in Fichtenau gespielt wird".

Keine Frage, dass sich die "Platzhirsche" Piott und Prange gut in ihrer Gemeinde auskennen und keine Probleme etwa mit den Mitgliederzahlen des FC Matzenbach oder den Elementen auf dem kommunalen Wappen haben. Und auch der "Auswärtige" Kern weiß auf Anhieb, dass die Wäldergemeinde über exakt 25 Ortsteile verfügt.

Nach diversen Lockerungsübungen etwa in Sachen Leibspeise (Prange ist dem Grünkohl "verfallen", Kern steht auf Kutteln und Piott schwört auf Rindsrouladen) schlagen die Moderatoren Andreas Harthan und Christine Hofmann die kommunale Speisekarte mit den Rezepten für die Zukunft des Gemeinwesens auf.

Hier steht bei Steffen Kern an allererster Stelle die Transparenz von Entscheidungen und "schnellstens" neue Gewerbeflächen. Bei Carsten Prange genießen touristische Angebote oberste Priorität, weil die Schaffung von Arbeitsplätzen und Gewerbegebieten "viel länger dauert". Auf der Liste von Martin Piott steht der Ausbau von schnellen Internetverbindungen ganz vorne - und er gibt zu bedenken, dass "nach ein paar Hektar Gewerbegebiet nicht plötzlich Betriebe vom Himmel fallen".