Gerabronn Erneut Widerstand gegen Stromtrasse

Von Kupferzell zu einem neuen Umspannwerk bei Lenkerstetten soll die Hochspannungsleitung verlaufen.
Von Kupferzell zu einem neuen Umspannwerk bei Lenkerstetten soll die Hochspannungsleitung verlaufen. © Foto: dpa
Gerabronn / Erwin Zoll 19.07.2018
Die Gerabronner Stadträte machen Front gegen die geplante Hochspannungsleitung von Kupferzell nach Rot am See und wollen die Gemeinderäte aller betroffenen Kommunen mobilisieren.

Zu einer nichtöffentlichen, fraktionsübergreifenden Besprechung haben sich kürzlich 18 der 20 Gera­bronner Stadträtinnen und Stadträte getroffen, um über das weitere Vorgehen in Sachen Stromtrasse zu beraten. Wie berichtet, plant die ENBW-Tochter Netze BW den Bau einer 110-Kilovolt-Leitung von Kupferzell nach Rot am See. Dabei gibt es mehrere Varianten für den Verlauf der Trasse. Eine davon sieht vor, die Hochspannungsleitung an Langenburg und Gerabronn vorbei zu führen und dabei das Jagsttal zwischen Bächlingen und Hürden und das Brettachtal zwischen Amlishagen und Rückershagen zu überqueren. Dies ist die Trasse, die nach bisherigem Stand von der Netze BW bevorzugt wird.

Bereits vor zwei Jahren haben sich die Gemeinderäte der Städte Gerabronn und Langenburg in einer gemeinsamen Resolution gegen die Stromtrasse gewandt. Jetzt melden sich die Mitglieder des Gemeinderats Gerabronn erneut zu Wort. Sie wollen ein Treffen aller betroffenen Gemeinderäte organisieren und Vertreter von Schrozberg, Blaufelden, Rot am See, Gerabronn, Kirchberg, Satteldorf, Wallhausen, Ilshofen, Wolpertshausen und Kupferzell Ende September an einen Tisch bringen.

„Es braucht eine Vernetzung der Gemeinderäte aus allen Gemeinden. Wir sind ein ländlicher Raum, der als Gesamtheit gesehen werden muss. Hier müssen alle Gremien solidarisch sein.“ So ist das „einstimmige Ergebnis“ im Protokoll der überfraktionellen Sitzung formuliert, das von der stellvertretenden Bürgermeisterin Heidegret Mayer unterzeichnet ist und in der vergangenen Woche von den Bürgermeistern Christian Mauch (Gerabronn) und Wolfgang Class (Langenburg) verbreitet wurde.

„Unabhängig von den Planvarianten und Teilvarianten“ müsse die Trasse als Erdkabel verlegt werden. Die gesamte Region sei durch die zahlreichen Windkraftanlagen und die anderen Energie-Gewinnungstechniken bereits „übergebührend belastet“, heißt es in dem Protokoll der Besprechung.

Wesentlich sei es, dass jedes Mitglied des Gemeinderats bis zum 27. Juli eine Stellungnahme zu der Stromtrasse abgebe. Der 27. Juli ist der Zeitpunkt, bis zu dem die Netze BW Hinweise und Anregungen für die Antragsunterlagen zum Raumordnungsverfahren entgegennehmen will.

„Wir bitten darum, dass die Kolleginnen und Kollegen der anderen Kommunen eine Stellungnahme an die Netze BW und das Regierungspräsidium abgeben und die Trasse als Erdkabel fordern“, schreibt Heidegret Mayer. Die Gemeinderäte sollen zudem Kontakt mit den Landtags- und Bundestagsabgeordneten aufnehmen. Im Gespräch sind auch öffentliche Aktionen aller Gemeinderäte und Bürgermeister.

Ihr Ziel formulieren die Gera­bronner Stadträte so: „Keine Freileitung, sondern Erdkabel, gleichgültig bei welcher Trasse!“

Unterstützung finden die Gerabronner Stadträte bei der „Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Hohenlohe“, einem etwa 30 Mitglieder starken Verein, dessen stellvertretende Vorsitzende Heidegret Mayer ist. Die Schutzgemeinschaft hatte zu einem Gespräch über die Trassenpläne eingeladen, das wenige Tage vor der überfraktionellen Sitzung der Gerabronner Stadträte stattfand. Dabei sollten Möglichkeiten erörtert werden, die Trasse zu verhindern. „Es darf nicht eine Gemeinde gegen die andere ausgespielt werden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft.

An dem Treffen nahm auch Gerhard Kreutz vom Kirchberger Verein „Nachhaltige Entwicklung“ teil. Er hält es für möglich, dass die Stromtrasse ganz über­flüssig wird.

Aktionen geplant

Die Schutzgemeinschaft will nun gegen die Hochspannungsleitung mobilisieren und plant unter anderem eine Unterschriftensammlung, eine Kundgebung und andere Aktionen. Ein großes öffentliches Treffen soll es demnach im September geben. „Wir wollen aktiv werden und unsere Heimat und Mitmenschen vor einer noch größeren Belastung durch eine die Landschaft zerschneidende, weithin sichtbare, Lebensraum und Erholungsraum fordernde Baumaßnahme schützen“, schreibt Ruth Tischer, die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft.

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