Erleben, was verbindet“ hieß es in einem Telekom-Werbespot. Dieses Motto trifft auf zahlreiche Bewohner von kleinen Weilern wie Eichishof, Lixhof oder Steinbach am Wald in der Gemeinde Stimpfach leider bald nicht mehr zu. Teilweise erhielten die Kunden der Telekom bereits in den letzten Wochen Kündigungen ihrer ISDN-Anschlüsse. Dort kann also bald nur noch analog telefoniert werden, ganz zu schweigen vom fehlenden Internet. „Wir können wenig dagegen tun“, erklärte Bürgermeister Matthias Strobel. „Ich will auf jeden Fall noch einmal mit der Telekom sprechen.“

Den Schwarzen Peter schiebt der Telekommunikationsanbieter einfach den Landgemeinden zu. Bis wirklich alle in der Gemeinde Stimpfach mit einem Breitbandkabelanschluss versorgt seien, vergingen bestimmt noch einige Jahre. „Als ländliche Gemeinde werden wir von allen Seiten im Stich gelassen. Alles konzentriert sich nur noch auf die Ballungsgebiete“, ärgert sich Strobel. Gemeinderat Jürgen Seifer gab zur Überbrückungshilfe den Tipp, der Kündigung dreimal zu widersprechen. So gewinne man zumindest ein wenig Zeit. Alternativ bestehe die Möglichkeit zum Abschluss eines Volumentarifvertrages über Mobilfunk, allerdings reiche das Datenvolumen oftmals nur für einige Tage.

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„Telekom muss ihren Kunden Alternativen bieten“

Jutta Schneider fand vor knapp drei Wochen die Kündigung ihres ISDN-Anschlusses im Briefkasten. „Ich brauche mehrere Nummern, weil ich das Telefon auch geschäftlich und für Faxe nutze“, ärgert sie sich. Sie wohnt in Eichishof und führt ein Elektrogeschäft in Jagstheim.

„Ich kann es nachvollziehen, dass die Telekom alle Anschlüsse umstellen will, aber dann muss sie ihren Kunden Alternativen bieten.“ Von dem Anbieter hat sie eine mündliche Zusage erhalten, dass ihr ISDN-Anschluss zumindest noch eine Zeit lang aufrecht erhalten wird. Wie lange, steht in den Sternen. Größere Hoffnung setzt sie in die Gemeinde, dass der Breitbandausbau noch schneller auch die kleineren Ortschaften erreicht.

Bisher hat sie Internet nur über Funk durch einen LTE-Anschluss von Vodafone. „Je nachdem, wie viele Leute gleichzeitig im Internet sind, ist es dann oftmals sehr langsam“, erzählt sie. „Und bei ungünstigem Wetter geht manchmal fast gar nichts“, erzählt sie.

„Ich würde gerne mehr Büro­arbeit von zu Hause aus machen, aber das geht nur mit einer guten Internet-Verbindung.“ So bleibt jetzt nur die Hoffnung auf schnelle Hilfe durch die Gemeinde Stimpfach.

Ähnlich sieht es auch Thomas Hofmann, der nur ein paar Meter entfernt wohnt und bislang fünf Telefonnummern auf seinem ISDN-Anschluss hat. Auch sein Vertrag bei der Telekom läuft demnächst aus, und so wird er wohl auch wie die anderen Bewohner des kleinen Weilers demnächst eine Kündigung erhalten. „Das ist eine Frechheit. Ich kann doch nicht meinen Betrieb ins Industriegebiet verlegen, nur damit ich Internet habe und telefonieren kann“, so der Landwirtschaftsmeister. „Ich weiß gar nicht, seit wie vielen Jahren ich schon Kunde bei der Telekom bin, aber die lassen uns einfach im Regen stehen.“

Er kommt nur über LTE ins Internet und ist dadurch sehr eingeschränkt bei seinen Bürotätigkeiten. „Wenn ich Bilder verschicken will, dann hängt sich der Rechner auf.“ Auch seine Kinder benötigen mehr Volumen und Übertragungsstabilität, inzwischen benötige man ja das Internet sogar für die Hausaufgaben.

Keine zeitnahe Lösung in Sicht

Er sieht keine zeitnahe Lösung des Problems. „Die Telekommunikationsanbieter kümmern sich nur um die großen Städte und uns auf dem Land vergessen sie.“ Hier sei es kaum möglich, einen Gewinn zu erzielen. „Früher war das noch besser, als die Telekom noch staatlich war. Jetzt geht es nur noch ums schnelle Geld.“

Hofmann erwartet auf jeden Fall keine Lösung des Problems in naher Zukunft. „Das kann noch Jahre dauern, bis wir ein Breitbandkabel bekommen.“ Aussagen dazu gibt es von keiner Seite. „Jetzt muss ich abwägen, ob ich nach einer teureren und besseren Funklösung suche oder noch weiter warte, bis das Breitbandkabel auch zu uns kommt.“

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