Kreuzberg Erfolgsgeschichte Jugendarbeit: Brücken in die Zukunft

Kreuzberg / CHRISTINE HOFMANN 24.07.2013
Gerade haben die Bürger auf dem Kreuzberg ein großes Jubiläumsfest am Berliner Platz gefeiert. "Der Kreuzberg lebt - in 20 Jahren viel bewegt", lautete das Motto. Das trifft vor allem für die Jugendarbeit zu.

Die Tür des Jugendtreffs Kreuzberg steht jeden Tag offen. Grundschulkinder kommen hierher, um Tänze zu üben oder gemeinsam zu spielen und zu basteln. Jugendliche treffen Freunde, hören Musik und reden über die Dinge, die sie beschäftigen. "Der Kreuzberg gehört zu den am besten besuchten Jugendtreffs der Stadt. Er wird sehr gut angenommen", berichtet Leiterin Nadja Zitzer. Mittwochnachmittags schauen viele Kids in der Evangelischen Öffentlichen Bücherei vorbei, die ebenfalls im Kreuzberggemeindehaus untergebracht ist. Manche Kinder und Jugendliche tanzen mit den Banater Schwaben im Foyer der Astrid-Lindgren-Schule, andere üben mit der Theater-AG Stücke ein. Und in Kürze treffen sich alle eine Woche lang beim offenen Ferienprogramm.

Dass für Kinder und Jugendliche so viel auf dem Kreuzberg geboten wird, liegt an der langjährigen, engagierten Zusammenarbeit mehrerer Träger. Mit der Eröffnung des Teeny-Treffs in der damaligen Ladenkirche begann 1993 die Erfolgsgeschichte. Bereits im Folgejahr wurde erstmals ein Ferienprogramm angeboten, das sich bis heute großer Beliebtheit erfreut. Eine Woche lang kommen täglich über hundert Teilnehmer.

Im Oktober 1994 wurde die Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Sozialarbeit gegründet. Ihr gehören Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, des Jugendamts, des Jugendbüros, des Caritas-Zentrums, der Astrid-Lindgren-Schule, der Kindergärten auf dem Kreuzberg sowie der Jugend-Suchthilfe und der Polizei an. "Wir haben ein großes funktionierendes Netzwerk mit einer guten Zusammenarbeit", berichtet die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft, Angelika Cantré. Die AG für Jugend- und Sozialarbeit kommt dreimal jährlich zusammen, um Angebote zu evaluieren, Entwicklungen zu besprechen und Finanzierungsmöglichkeiten für neue Projekte zu finden. Ziel aller ist stets, Kindern und Jugendlichen Hilfen anzubieten, die sie bei der schulischen Bildung, auf dem Weg in den Beruf und bei der sozialen Integration ein Stück voranbringen.

Viele Fäden laufen hier zusammen. Es gibt immer wieder neue Kombinationen von Personal, Räumen und Finanzierungsmodellen: Die Bücherei kooperiert mit Schule und Kindergärten, die Jugendtreff-Leiterin ist gleichzeitig Mitarbeiterin der Schul-Ganztagesbetreuung, evangelische Johannesgemeinde und katholische Bonifatiusgemeinde haben gemeinsam das Kreuzberggemeindehaus gebaut, in dem die Stadt Jugendräume anmietet. Die meisten Angebote sind niederschwellig: Sie funktionieren ohne Anmeldung und ohne Kostenbeitrag. Dadurch werden auch Migrantenkinder und Kinder aus sozial schwachen Familien erreicht.

Für Eltern, die mit ihren Kindern erst kurze Zeit in Deutschland leben, bietet die Astrid-Lindgren-Schule jetzt Elternpatenschaften verschiedener Nationalitäten an. "Es geht stets darum, Brücken zu bauen", sagt Schulleiterin Ursel Omidi, "eine Sprachbrücke hilft dabei, Kontakte zu knüpfen." Auf dem Kreuzberg leben viele junge Familien verschiedener Nationalitäten. Ihnen sollen die Brücken, die die Jugendarbeit in 20 Jahren aufgebaut hat, dabei helfen, sich in ihrem Stadtteil zu Hause zu fühlen. Das gilt übrigens auch für Bewohner deutscher Herkunft, betont Pfarrer Joachim Frisch: "Der Kreuzberg ist nicht nur ein Zuzugsort von Fremdländischen, sondern er ist ein Ort, wo sich alles mischt. Das zeigt sich in allen Gruppen, und das macht die Vielfalt auf dem Kreuzberg aus."