Seit mehr als 30 Jahren werden täglich aus der Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld weltweit Stammzellenspender vermittelt, um Blutkrebspatienten eine Chance auf Heilung zu geben. Heiko Difflipp aus Vellberg ist einer von ihnen.

Im November 2007 bekam der damals 35-Jährige die Diagnose „Akute Lymphatische Leukämie“. Sofort war klar, dass er nur mit einer Stammzellenspende überleben wird.

Chemotherapie und Bestrahlungen standen für ihn in den Folgemonaten auf der Tagesordnung. Etwa zeitgleich ließ sich Lukas Radon während einer Blutspendenaktion bei der Bundeswehr typisieren. „Nur wenige Wochen danach wurde ich schon angeschrieben“, so der 31-jährige Hauptmann. Nachdem alle Voruntersuchungen gut gelaufen sind, war für Radon klar: „Ich bin als Spender bereit.“

Stammzellen müssen ins Blut kommen

Damit aus dem Blut eine ausreichende Menge an Stammzellen gewonnen werden kann, muss dem Spender in der Regel fünf Tage vor dem Entnahmetermin ein Botenstoff verabreicht werden, der bewirkt, dass mehr Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut gelangen. Dies und die Entnahme selbst waren für Lukas Radon „völlig unproblematisch“, wie er rückblickend erzählt.

Am 17. Juni 2008 war es dann am Uniklinikum Heidelberg für Heiko Difflipp so weit. „Auf dem Transfusionsbeutel stand zwar Leipzig, wo der Spender herkommt, wusste ich aber lange nicht“, berichtet der heute 46-Jährige. Umso mehr freute er sich, dass es nun nach elf Jahren doch noch geklappt hat, seinen Spender zu treffen. Er kommt tatsächlich aus der Nähe von Leipzig.

Beide waren sich beim ersten Kennenlernen sofort sympathisch und hatten sich viel zu erzählen. „Ich bin so dankbar, dass es Menschen wie Lukas gibt, dass es mir heute so gut geht und ich schon seit Jahren sagen kann, dass ich gesund bin“, sagt Difflipp.

Je größer die Zahl der potenziellen Spender in den weltweiten Datenbanken, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Deshalb appellieren Lukas Radon und Heiko Difflipp an alle, die noch nicht registriert sind: „Lasst euch typisieren!“

Nur 25 Prozent der Erkrankten finden Spender in der eigenen Familie


Wie wird man Stammzellenspender?

Vor der Spende stehen die Typisierung und Registrierung in einer Spenderdatenbank an. Wer sich typisieren lassen möchte, kann dies bei regionalen Aktionen tun oder sich im Internet registrieren lassen. Man erhält ein Typisierungs-Set für die Gewebeprobe. Es genügt ein Wangenabstrich mit einem Wattestäbchen.

Die Suche nach einem passenden Spender ist für viele Betroffene schwierig. Für eine Stammzell­en­spende müssen die Gewebemerkmale des Spenders und des Patienten fast zu 100 Prozent übereinstimmen, der Spender muss sozusagen gewebeidentisch sein. Ansonsten kann das Immunsystem die Spende abstoßen. Im Gegensatz zur Blutspende ist für die Stammzellenspende die Blutgruppe irrelevant. Entscheidend ist die Übereinstimmung bestimmter Merkmale der Zellen von Spender und Patient, mittels derer das Immunsystem eigenes von fremdem Gewebe unterscheiden kann. Mehr als 13 000 Gewebemerkmale sind derzeit bekannt, die aber in millionenfacher Kombination auftreten können. Bei einer Transplantation müssen die wesentlichen Gewebemerkmale zwischen Spender und Patienten vollständig übereinstimmen.

Einen solchen gewebe­identischen Spender finden nur 25 Prozent der Patienten innerhalb der eigenen Familie. Die Wahrscheinlichkeit, außerhalb der Familie eine solche Übereinstimmung zu finden, liegt im besten Fall bei 1 : 20 000 – und im schlechtesten bei eins zu mehreren Millionen.