Gegenüber dem ursprünglichen Entwurf haben sich im Verlauf des Verfahrens erhebliche Veränderungen ergeben, die eine erneute öffentliche Auslegung nötig machen. Die Konzentrationsflächen, auf denen künftige Windräder errichtet werden dürfen, sind zusammen nur noch 422 Hektar statt bisher 598 Hektar groß. Der größte Teil entfällt mit 382 Hektar auf eine Fläche im Brüchlinger Wald, also auf Langenburger Markung. Dort plant die ENBW einen Windpark mit maximal 13 Anlagen.

Auf Gerabronner Markung sollen zwei weitere Flächen ausgewiesen werden: 9,1 Hektar südöstlich von Seibotenberg und 28,6 Hektar südöstlich von Dünsbach. Beide grenzen an Konzentrationsflächen in den Nachbargemeinden.

Sozusagen durch die Hintertür ist die Hangkantenregelung in den Flächennutzungsplan geraten. Sie sieht vor, auf beiden Seiten des Jagsttals einen Streifen von 1000 Metern von Windrädern freizuhalten. Mit diesem Ansinnen war die Stadt Langenburg in der Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Gerabronn unterlegen. Inzwischen hat jedoch die Bundeswehr den Schutz einer Hubschrauber-Tiefflugstrecke geltend gemacht - mit der Folge, dass bestimmte Flächen gestrichen werden mussten, sodass die Hangkantenregelung keine Auswirkungen auf Gerabronner Belange mehr hat. Die Regelung bedeutet auch, dass die bestehenden Windräder bei Nesselbach nur noch Bestandsschutz haben und nicht durch größere ersetzt werden können.

212 Stellungnahmen zum Flächennutzungsplan hatten Privatleute eingereicht. Bis auf eine Ausnahme stammen sie von Langenburger Bürgern, die sich überwiegend gegen den Windpark im Brüchlinger Wald wehren. Sie befürchten Beeinträchtigungen der Natur, Lärmbelästigung oder einen Wertverlust bei ihren Immobilien.

Der Gemeinderat Langenburg hat den Entwurf des Flächennutzungsplans mit großer Mehrheit gebilligt. Außer Bürgermeister Wolfgang Class stimmten zwölf Stadträte zu, während sich Corinna Scholz und Johann Pollanka von der Liste Lebensqualität und Natur (Lena) enthielten. Karin Friedle-Unger (ebenfalls Lena), sagte, sie habe sich sehr schweren Herzens durchgerungen, dem Entwurf zuzustimmen. Die Entscheidung sei bitter für viele Menschen, die Einwände erhoben hätten, doch sei die Begründung des Flächennutzungsplans hieb- und stichfest. "Die Vorgaben der Landesregierung zwingen uns, diese Flächen auszuweisen", sagte Friedle-Unger, "ich fühle mich nicht als Entscheider".

Im Gemeinderat Gerabronn haben dem Entwurf ohne Diskussion elf Stadträte zugestimmt, sechs stimmten dagegen. Zuvor waren die Ortschaftsräte Amlishagen, Michelbach/Heide und Dünsbach nach ihrer Meinung gefragt worden. Auch sie stimmten dem Entwurf zu - teils einstimmig, teils mehrheitlich.

Über den Entwurf des Flächennutzungsplans entscheidet der gemeinsame Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft Gerabronn-Langenburg am kommenden Montag. Dass auch der Ausschuss den Entwurf billigt und seine Auslegung beschließt, ist sicher, da seine Mitglieder an das Votum ihrer Gemeinderäte gebunden sind.

Info Der Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft Gerabronn-Langenburg tagt am kommenden Montag, 18. April, um 19 Uhr im Verwaltungsbau in Gerabronn.