Senioren Entspannung für Hund und Mensch

Vellberg / Beatrice Schnelle 01.09.2018
Ein Hundesportverein macht vor, wie man Älteren einen wichtigen Platz in der Vereinsarbeit einräumt.

Udor ist glücklich. Dies zeigt der mächtige Berner Sennenhund der Welt durch sein unablässiges Schwanzwedeln, dessen freudige Kraft der neben ihm sitzenden Reporterin schon mal den Kuli aus der Hand haut. Unterm Tisch fixiert Gismo die fremde Frau mit seinem hypnotischen Blick: Die kleine französische Bulldogge hat ein treues braunes Auge, die Iris des anderen leuchtet in eisigem Blau.

„Wir sind einmalig“, bekunden die Senioren, die an diesem Nachmittag vor dem Haus der Hohenloher Hundefreunde zum Plaudern bei Kaffee und Kuchen zusammengekommen sind. Ihre diversen Fellnasen würden diese Aussage sicherlich unterschreiben, wenn sie könnten. Mit vollem Namen heißt der Verein „Hunde machen Spaß – Hohenloher Hundefreunde Vellberg“. „Kürzer ging’s nicht“, sagt Matthias Meißner. Der Vorsitzende meint es ernst mit dem Spaß. Training bis zur Turnierreife ist nur eine Facette der Vereinsarbeit. Wer keine Lust auf „Sitz, Platz, Fuß und Aus“ habe, sei ebenso herzlich willkommen: „Wir wollen jedem im Umgang mit seinem Hund helfen, egal ob Riesenhund oder Minipinscher.“

Mitglieder auch aus Künzelsau

Aus Sicht von Meißner wird in vielen sportlich ausgerichteten Vereinen ungeachtet des demografischen Wandels viel zu wenig für Ältere geboten. Das seit Frühjahr 2017 existierende Seniorenprojekt der Hohenloher Hundefreunde ist tatsächlich so einmalig, dass die Mitglieder unter anderem aus Künzelsau, Crailsheim, Gerabronn, Michelbach oder Schwäbisch Hall anreisen. Die Konzeption der Gruppe habe der Verein sorgfältig erarbeitet, sie sei in den Statuten festgeschrieben und die Senioren verfügten – genau wie die Jugendgruppe – über ein eigenes Budget aus der Vereinskasse. „Das hat Struktur und alle unsere 250 Mitglieder stehen dahinter“, betont Meißner.

Ob sie sich bei ihren monatlichen Treffen dann für ein Plauderstündchen, ein paar Binokel-Runden oder einen Ausflug entscheiden, bestimmen die Senioren selbst. „Die älteren Herrschaften sind weder in der Lage noch willens, stramm mit ihren Vierbeinern zu marschieren und dann womöglich noch die Beißwurst rauszureißen und sie daran zerren zu lassen“, weiß der Chef-Hundefreund.

Die Ausbildung der Tiere gehört folglich nicht zum Programm, das zudem mit Hunden direkt nichts zu tun haben muss. Es ist nicht einmal Voraussetzung, Hundebesitzer zu sein, um bei den Aktivitäten dabei sein zu dürfen: „Auch wer schon mal einen Hund hatte und jetzt aus Altersgründen keinen mehr anschaffen möchte oder wer vielleicht nie die Gelegenheit hatte, einen Hund zu halten, obwohl er sich das immer gewünscht hat, ist bei uns goldrichtig.“ Bei den Gruppentreffen könnten solche Menschen mit den Hunden der anderen Gruppenmitglieder spielen, vielleicht Spazierengehen-Paten werden oder die Wauwaus für eine Weile in Pension nehmen, wenn das zugehörige Herrchen oder Frauchen eine Flugreise plane.

Mehr Kontaktmöglichkeiten

Für die Hundebesitzer selbst lösen die geselligen Nachmittage in Vellberg – oder je nach Tagesprogramm auch an anderer Stelle – ein Problem, das „hundelose“ Zeitgenossen kaum auf dem Schirm haben: Bei den meisten seniorenspezifischen Veranstaltungen dürften sie nämlich ihre tierischen Freunde gar nicht erst mitbringen, wie Bettina Ruoff, Leiterin der Seniorengruppe, zu­ bedenken gibt. Das schränke die­ ohnehin rar gesäten Kon­­takt­­möglichkeiten, die älteren Leuten zur Verfügung stünden, für diesen Personenkreis noch weiter ein.

„Dackel“ statt Sennenhund

Allgemeines Wohlfühlen und angenehme Gemeinschaft stehen darum im Zentrum der Idee des Vellberger Vereins. Die Harmonie der meist um die 70 Jahre alten „Hundeversteher“ überträgt sich auf die Tiere, die ohne Rangeleien miteinander klarkommen. Und wenn einer doch mal sein Revier durch Geknurre verteidigt, ist er nicht gleich ein „böser Hund“. Höchstens ein „Dackel“, wie sein Besitzer den raumgreifenden Udor zärtlich schimpft, weil der mal wieder nicht merkt, was sein Schwanzwedeln hinter ihm anrichtet.

Vielfältiges Vereinsleben

Seit 2001 besteht der Verein „Hunde machen Spaß – Hohenloher Hundefreunde Vellberg“. Die Idee der 13 Gründer war es, Hundehalter, die ihre Lieblinge einfach als Familienmitglieder ohne Pflichten sehen, genauso wichtig zu nehmen wie diejenigen, die sportliche Ambitionen hegen. So gibt es neben der fundierten Ausbildung und dem Turniertraining auch die ganz entspannte „Spiel und Spaß“- Hundegruppe. Das Angebot für die Senioren ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, ein vielfältiges Vereinsleben zu schaffen. Darin sollen die unterschiedlichsten Typen von Hundefreunden ihren Platz finden. Mehr über den Verein und die nächsten Termine der Seniorengruppe erfahren Interessierte online unter www.hunde-machen-spass.de. cito

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