Das Gutachten, das der Gemeindeverwaltungsverband Oberes Bühlertal bei der Firma Gekoplan in Auftrag gegeben hat, hat kein eindeutiges Ergebnis zum Schwarzstorch gebracht. Das sagt Harald Endreß, Zeag-Geschäftsführer für erneuerbare Energien. Der Schwarzstorch, eine streng geschützte Art, wurde von den Gutachtern in der Gegend gesichtet, in der die geplanten Windkraftanlagen entstehen sollen. Das an sich wäre noch kein Ausschlusskriterium für den Bau der Windrotoren. Kritisch wird es erst, wenn der Vogel innerhalb eines Radius von 3000 Metern um die Windkraftanlage einen Horst bewohnt.

Ihre Beobachtungen des Schwarzstorchs lassen die Gutachter der Gekoplan zu dem Schluss kommen, dass sich im Bereich der geplanten Anlagen ein Horst befindet. Ihr Fazit: Der Bau der Anlagen sei wegen des Schwarzstorchs problematisch. Das Haller Landratsamt formuliert das Ergebnis des Gutachtens so: Der Betrieb von Windkraftanlagen im Bereich der Potenzialfläche Schönbronner Holz führt zum Verstoß gegen das Naturschutzgesetz § 44 Abs. 1 Nr. 1. Der Absatz verbietet es, „... besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten …“

Doch klein beigeben will die Zeag, die zusammen mit der Gemeinde Bühlerzell und der Bürger-Energiegenossenschaft als „Kommanditgesellschaft EE Bürgerenergie Bühlerzell“ die Anlagen errichten will, noch nicht. „Der Gutachter vermutet, dass es im Bereich der geplanten Anlagen einen Horst gibt, gesehen hat er ihn aber nicht“, betont Endreß. Auch bei weiteren Nachforschungen seien keine bisher nicht bekannten Horste gefunden worden. „Die Schwarzstörche wurden aus sehr großer Entfernung beobachtet. Da kann man sich gut und gern mal um ein paar Hundert Meter verschätzen“, gibt er zu bedenken. Er meint also, es könne zwar ein Horst da sein, aber er müsse nicht zwingend im Bereich der Windräder liegen. Allerdings legt die Aussage der Zeag, es seien keine bisher unbekannten Nistplätze gefunden worden, die Schlussfolgerung nahe, dass es  be­-
reits bekannte Nistplätze dort gibt.

Nun sollen sich Anfang nächsten Jahres noch einmal echte Schwarzstorchexperten auf die Lauer legen und den seltenen Vogel beobachten. Laut Bühlerzells Bürgermeister Thomas Botschek deshalb, weil das erste Gutachten „nicht so aussagekräftig“ war und es in der Art und Weise, wie die Gutachter die Beobachtungen durchgeführt haben, wohl nicht ganz den Vorschriften der LUBW, der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, entspricht. „Wir wollen eine sichere Grundlage für unsere Planung haben“, begründet auch Harald Endreß von der ENBW-Tochter Zeag die nochmalige Untersuchung im Frühjahr 2019. Erst, wenn sich dann tatsächlich kein Horst innerhalb eines 3000-Meter-Radius um einen der vorgesehenen Standorte nachweisen lässt, ist für den Investor ein Bauantrag nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz sinnvoll.

Das Haller Landratsamt hat bereits Termine für das Scoping-Treffen Ende Januar und Anfang Februar 2019 vorgeschlagen. Das Scoping ist Teil der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) innerhalb des Genehmigungsverfahrens. Martin Zorzi vom Haller Umweltzentrum, der zu dem Termin eingeladen wurde, hat unsere Zeitung über diese Termine informiert. Das Landratsamt hat noch am 10. Dezember erklärt, dass weder ein Antrag auf Durchführung eines Scoping-Termins noch ein Genehmigungsantrag vorliegen.

Beim Scoping-Termin wird der Untersuchungsrahmen für die UVP festgesetzt. Dazu unterrichtet und berät die Behörde den Investor über Inhalt, Umfang, Detailtiefe und die Methoden, die für die Untersuchungen verwendet werden müssen. Meist werden Sachverständige, Umweltverbände und weitere Behörden dazu eingeladen.

Info Die Zeag plant laut Auskunft von Bürgermeister Thomas Botschek voraussichtlich am 24. Januar 2019 in Bühlerzell einen Bürgerinformationsabend zu den Windkraftanlagen im Schönbronner Holz.

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