Bühlertann Endlich Zeit zum Wandern

Der Trainer und sein Team: Rüdiger Vetter-Dannenmaier suchte in den 13 Jahren seines Rektorenamtes am Schulzentrum Bühlertann bewusst den Kontakt zu seinen Schülern - die Zimmertür seines Rektorenbüros stand meistens offen, auf dem Pausenhof war er ein gern gesehener Gast.
Der Trainer und sein Team: Rüdiger Vetter-Dannenmaier suchte in den 13 Jahren seines Rektorenamtes am Schulzentrum Bühlertann bewusst den Kontakt zu seinen Schülern - die Zimmertür seines Rektorenbüros stand meistens offen, auf dem Pausenhof war er ein gern gesehener Gast. © Foto: Michaela Christ
MICHAELA CHRIST 25.07.2015
Rüdiger Vetter-Dannenmaier ist seit 13 Jahren Rektor des Schulzentrums Bühlertann. 66-jährig gehört er zu den Ältesten seiner Riege in Baden-Württemberg. Nun geht er in den wohlverdienten Ruhestand.

Er hatte ein Credo für seine Arbeit als Rektor: Mit Schülern, Lehrern und Eltern offen zu kommunizieren und sie an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Seine besondere Mission aber galt den Schülern: "Was für die Schüler gut ist, das ist richtig", zitiert Rüdiger Vetter-Dannenmaier (66) seinen Mentor und ehemaligen Schulrektor Friedrich Leicht der Konrad-Adenauer-Realschule in Pforzheim, der ihm Vorbild war in so manch revolutionärem Tun. Und der ihn prägte - vor allem zwischenmenschlich, denn während seiner eigenen Schulzeit dachte Vetter-Dannenmaier nicht im Traum daran, selbst einmal Rektor zu werden.

Rüdiger Vetter-Dannenmaier wuchs in Pforzheim auf. Dort ging er zur Schule. Dort war er aktiv in der Jugendarbeit der Evangelischen Altstadtkirche beteiligt. Er spielte und trainierte Handball beim TV Birkenfeld und gab jeden Samstagvormittag eine Doppelstunde Sport im Knast - der Strafvollzugsanstalt für junge Heranwachsende zwischen 18 und 24 Jahren. Sport und Theologie lagen ihm am Herzen. Außerdem konnte er gut mit Kindern. Der gemeinsame Nenner hieß: Sport- und Religionslehrer plus Deutsch. - "Weil ein Leben ohne gute Literatur nur ein halbes Leben wert ist", so Vetter-Dannenmaier.

1971 begann er sein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe, blieb aber in Pforzheim wohnen und pendelte täglich 30 Kilometer an die Hochschule. Seine erste Anstellung bekam er 1975 an der heimischen Konrad-Adenauer Realschule, die mit 1250 Schülern seinerzeit die größte Realschule Baden-Württembergs war. Dort lernte er seine Frau Angela kennen. 1989 kam Sohn Jonas zur Welt.

Mit der Einschulung des Sohnes plante die Familie eine Veränderung der Wohn- und Arbeitsstätte. Gemeinsam entschied man sich für den Großraum Schwäbisch Hall, weil man die Region von Besuchen bei Freunden in Großerlach kannte. 1996 ziehen sie Gottwollshausen. Rüdiger Vetter-Dannenmaier wird Lehrer an der GHRS Bühlertann, seine Frau Angela an der GHRS Mainhardter Wald. Ein Jahr später wird er pädagogischer Berater und Prozessbegleiter für Schulentwicklungsprozesse am Staatlichen Schulamt in Künzelsau. Als im Jahr 2000 die Schülerzahl an der Bühlertanner Schule auf mehr als 540 Schüler steigt, muss eine zweite Konrektorenstelle besetzt werden. Rektor Nader schlägt Vetter-Dannenmaier vor, der annimmt. Zwei Jahre später geht der Rektor in Ruhestand und Vetter-Dannenmaier übernimmt die Rektorenstelle.

Das war vor 13 Jahren. Plus zwei Jahre Konrektor und vier Jahre Lehrer macht summa summarum 19 Schuljahre in Bühlertann. Fast doppelt so viele wie ein jeder seiner Schüler. Waren es gute Jahre? "Ja!", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Dann kommt erst mal nichts mehr. Wer ihn nicht kennt, könnte sein Lächeln als überheblich interpretieren. Sein Schweigen als Arroganz. Doch wer so urteilt, der irrt. Denn Vetter-Dannenmaier ist kein Schnellschießer. Er hat gelernt, Ruhe zu wahren. Emotionen aus Diskussionen heraus zu nehmen. Und klug und überlegt zu agieren. Im Sportjargon spricht man diese Qualifikationen den Rückraumspielern zu. Sportler, die selbst kaum Treffer landen, die meisten von ihnen aber federführend in die Wege leiten. Beim Handball hat der linke Rückraumspieler diese Königsposition inne - der einstmals in den Siebziger Jahren beim TV Birkenfeld Rüdiger Vetter-Dannenmaier hieß.

Diese sportliche Grundausbildung zieht sich wie ein roter Faden durch Vetter-Dannenmaiers Leben: Er kämpft um kleine und große Erfolge, unter anderem gelingt es ihm, vier große Profil-Bausteine im Schulalltag zu etablieren, darunter zahlreiche Präventivprogramme.

Der Todesfall eines Sechstklässlers im Landschulheim vor zehn Jahren klinge bis heute noch nach und gehörte mit zu den schmerzlichsten Erfahrungen seines Rektorenamtes.

2014 plant das Ehepaar gemeinsam in Pension zu gehen. Angela Dannenmaier macht Nägel mit Köpfen. Rüdiger Vetter-Dannenmaier geht in die Verlängerung. "Ich hätte die Schule nicht ohne Leiter zurücklassen können. So etwas macht ein Kapitän nicht. Niemand hat sich vor einem Jahr auf die Ausschreibung beworben. Was verständlich war, solange der Schulstandort nicht gesichert war", erklärt er die Verzögerung. Dies habe viel Kraft gekostet, sich aber gelohnt. Denn der Sieg ging an ihn: Der Schulstandort Bühlertann ist heute gesichert, der neue Rektor - Thomas Pfeffer (41) aus Frankenhardt - wird im September neuer Schulleiter.

Am Montagabend wird Rüdiger Vetter-Dannenmaier offiziell verabschiedet. Der Schlusspfiff aus dem Berufsleben wird gleichzeitig der Anpfiff für den Ruhestand. Der sportlich aktiv weiter geht: mit Wanderungen im Elbsandsteingebirge "auch mal außerhalb der Schulferien", mit einer neuen geistigen Herausforderung im Hinblick auf theologische Fragestellungen, "weil dieses Interesse im Schulalltag eindeutig zu kurz kam".

Verabschiedung

Termin Die Feier zur Verabschiedung von Rektor Rüdiger Vetter-Dannenmaier findet am Montag, 27. Juli statt. Sie beginnt um 17 Uhr in der Bühlertalhalle Bühlertann.

SWP