Strom ENBW plant Hochspannungsleitung - und rechnet durchaus mit Widerstand

Erneuerbare Energien wie die Nutzung der Sonnenkraft boomen im Kreis Hall - und belasten das bisherige Leitungsnetz des Energiekonzerns ENBW bis zum Äußersten. Eine neue Hochspannungsleitung soll hier Abhilfe schaffen
Erneuerbare Energien wie die Nutzung der Sonnenkraft boomen im Kreis Hall - und belasten das bisherige Leitungsnetz des Energiekonzerns ENBW bis zum Äußersten. Eine neue Hochspannungsleitung soll hier Abhilfe schaffen © Foto: Uwe Zucchi/ dpa
Rot am See / HARALD ZIGAN 16.01.2014
Hohenlohe liefert jede Menge Strom - und droht darin zu ersaufen. Eine neue Hochspannungsleitung soll den kostbaren "Saft" abtransportieren. Die ENBW rechnet durchaus mit Widerstand gegen ihre Pläne.

Nirgendwo in Deutschland wird die Kraft der Sonne und der Biomasse stärker genutzt als in Hohenlohe. Und demnächst dürften hierzulande auch etliche neue Windräder mit ihrem Strom noch zusätzlich in das Netz des Energiekonzerns ENBW drängen.

Die bestehenden Stromleitungen reichen aber schon längst nicht mehr dafür aus, den "Saft" auf sicheren Wegen aus der Provinz zu den Großverbrauchern in die Ballungsräume abfließen zu lassen.

Aus diesem Grund plant die ENBW eine neue 110.000-Volt-Hochspannungsleitung von ihrem Umspannwerk in Kupferzell nach Rot am See (das HT berichtete gestern). Dort soll mitten im "Strom-Land" von Zentralhohenlohe ebenfalls ein Umspannwerk als Einspeisepunkt errichtet werden. Dessen genauer Standort steht allerdings noch nicht fest. Nach ENBW-Angaben soll er "westlich" von Rot am See gelegen sein.

"Das Fass ist voll - ein Tropfen reicht, und es läuft vollends über." So beschreibt Frank Reitmajer, Sprecher der Geschäftsführung bei der Netzgesellschaft Ostwürttemberg der ENBW ODR aus Ellwangen, die angespannte Situation. Das Energiezentrum in Wolpertshausen kennt die präzisen Daten, die dieses Ungemach hervorrufen: Im Jahr 2012 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) speisten allein im Kreis Schwäbisch Hall 10.500 Solaranlagenbesitzer, 93 Biogasbauern, 77 Wasserkraftnutzer und 27 Windmüller imposante 458 Millionen Kilowattstunden Strom in das Netz der ENBW ein - glatt doppelt so viel wie noch im Jahr 2008.

Dass die ENBW mit ihren Plänen für die neue Stromleitung nicht überall auf Verständnis und Gegenliebe stoßen wird, ist dem Energiekonzern durchaus bewusst: "Wir rechnen schon mit Widerstand aus der Bevölkerung", wie Richard Huber, Leiter des Technischen Anlagenmanagements für Hoch- und Mittelspannungsanlagen bei der ENBW Regional AG in Stuttgart, bei der Vorstellung der Trassenpläne in Öhringen frank und frei bekannte. Mit umfassenden Informationen für die Bürger, mit Veröffentlichungen im Internet und einer Telefon-Hotline wolle man zu einer offenen, fairen und sachlichen Debatte über das Projekt beitragen.

Welchen vehementen Proteststurm derlei Hochspannungsmasten auslösen können, erlebte der ENBW-Vorgänger EVS im Jahr 1979, als die Pläne für eine 380.000-Volt-Leitung von Kupferzell nach Goldshöfe bei Aalen publik wurden: Die von der Trasse tangierte Gemeinde Frankenhardt klagte sich bis zum Jahr 1987 durch alle Instanzen, unterlag aber letztlich - ebenso wie acht betroffene Landwirte mit ihren Privatklagen.

Die ENBW nehme "auch jene Menschen ernst, die gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die elektromagnetischen Felder einer solchen Stromleitung befürchten", sagte Richard Huber. Sein Unternehmen jedenfalls werde sich "selbstverständlich an alle gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien halten".