Am 2. Januar ging die Varta AG mit Sitz in Ellwangen mit einer positiven Botschaft an die Presse: Sie konnte die weltweiten Varta-Markenrechte für Geräte und Mikrobatterien sowie Energiespeichersysteme wieder unter ihrem Dach vereinigen.

Eine knappe Woche später, am Mittwoch, 8. Januar, stürzte der Kurs der Aktie um mehr als 20 Prozent ab. Derartige Turbulenzen sind die Anleger vom Musterschüler der Börse nicht gewohnt. Schließlich übertraf dieser ein ganzes Jahr lang alle Erwartungen. Die Aktie legte 2019 eine steile Performance von 386 Prozent hin. Doch an der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil, wusste schon André Kostolany, der sich gern als Journalist und Spekulant auf dem Börsen- und Finanzmarkt tummelte.

Was war passiert? „Wir beobachten unseren Wettbewerb sehr sorgfältig. Im Dezember sind Geräte mit Batterien chinesischer Hersteller aufgetaucht, die Varta-Patente in mehreren Fällen verletzten. Wir haben sofort Abmahnungen an die wichtigen Handelskanäle gegeben. Wir werden auf keinen Fall solch grobe Patentverletzungen akzeptieren. Wenn diese nicht nach Fristende umgehend reagieren, werden wir entsprechende einstweillige Verfügungen erwirken“, teilte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage mit. So seien beispielsweise Hearables (smarte Kopfhörer oder Ohrhörer) nachgebaut und in den Handel gebracht worden, bei denen Varta eindeutige Verletzungen der Patentrechte sieht und gegen die das Unternehmen sowohl mit rechtlichen als auch mit ganz konkreten praktischen Schritten vorgeht. Eine Maßnahme: Das Ellwanger Unternehmen setzte einem Elektronik-Discounter eine Frist bis 15. Januar, betreffende Produkte aus den Regalen zu nehmen.

Die Aktion zeigt Wirkung: Aktuell hat sich der Kurs einigermaßen stabilisiert und wendet somit die Befürchtung eines spiralförmigen Abwärtstrends ab, der immer dann eintritt, wenn verunsicherte Anleger ihre Anteile abstoßen und damit den Kurs noch weiter in die Tiefe reißen.

Ellwanger Unternehmen ist gut aufgestellt

Der Konzern profitiert vom wachsenden Markt der Geräte, die eine autonome Energieversorgung brauchen. Die Firma produziert und vermarktet ein umfassendes Batterie-Portfolio an Mikrobatterien, Haushaltsbatterien, Energiespeichersystemen bis zu kundenspezifischen Batterielösungen für eine Vielzahl von Anwendungen. Sie setzt als Technologieführer in wichtigen Bereichen die Industriestandards.

Die Muttergesellschaft ist in den Geschäftssegmenten „Microbatteries & Solutions“ und „Household Batteries“ tätig. Das Segment „Microbatteries & Solutions“ fokussiert sich auf das Erstausrüstergeschäft für Mikrobatterien sowie auf das Lithium-Ionen-Batteriepack-Geschäft. Das Segment „Household Batteries“ umfasst das Batteriegeschäft für Endkunden darunter Haushaltsbatterien, Akkus, Ladegeräte, Portable Power (Power Banks) und Leuchten sowie Energiespeicher, ein Beispiel sind die Akkus für den schnurlosen Miele Staubsauber. Die Varta AG beschäftigt derzeit nahezu 4000 Mitarbeiter und ist in über 75 Ländern weltweit tätig.

Berlin

Bei Varta Consumer werden Stellen abgebaut

Am Donnerstag veröffentlichte das Unternehmen eine Pressemitteilung, wonach die Übernahme der „Varta Consumer“ abgeschlossen ist. Künftig soll sich dieser Konzernbereich ausschließlich auf das Batteriegeschäft fokussieren. Das hat zur Folge, dass künftig auch Serviceleistungen für den Appliances-Bereich des früheren Eigentümers Spectrum Brands entfallen werden.

 Aus diesem Grund sowie durch die Nutzung von Synergieeffekten sollen rund 220 Vollzeitstellen im Varta Consumer Geschäft in Europa bis Ende 2020 abgebaut werden. Dies soll sozialverträglich und in enger Abstimmung mit Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften durchgeführt werden, teilt das Unternehmen mit. Gleichzeitig will man von der anhaltend hohen Nachfrage im Bereich der Premium Headsets profitieren, deren Markt jährlich um rund 30 Prozent wächst. Das Unternehmen weitet deshalb die Produktionskapazitäten in Deutschland massiv aus und schafft mehrere hundert neue Stellen. Diese sollen, soweit möglich, durch Beschäftigte der Varta Consumer besetzt werden.

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bis 340 Millionen  Euro wird der Umsatz der Varta AG für 2019 geschätzt. Zusammen mit Varta Consumer werden mehr als 600 Millionen Euro Umsatz erwartet.

Konzern strukturiert seine Bereiche neu


Varta ist ein Akronym und setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren zusammen. 

Der Konzern wird neu strukturiert: Das Consumer-Batteriegeschäft bildet zukünftig zusammen mit dem Energiespeichergeschäft der bisherigen Varta AG die „Household Batteries“, das sich auf das Konsumentengeschäft mit eigenem Vertrieb, Marketing und Produktion fokussiert. Das Microbatteries-Geschäft sowie der Bereich „Power Pack Solutions“ werden zukünftig im Segment „Microbatteries & Solutions“ zusammengefasst. Darunter fällt auch das Geschäft mit Lithium-Ionen-Batterien.