Die Besucherplätze im Gerichtssaal des Landgerichts sind ausnahmslos besetzt. Freunde und Angehörige der drei Angeklagten, die des Handels mit Betäubungsmitteln beschuldigt werden, sind zum ersten Verhandlungstag erschienen. Angeklagte und Zeugen machen die Beweisaufnahme mit ihren Aussagen jedoch nicht allzu leicht.

Ein 31-Jähriger aus Ellwangen und ein 30-Jähriger aus Jagstzell sowie weitere anderweitig strafverfolgte Beteiligte sollen laut Anklageschrift über das Jahr 2019 verteilt Marihuana, Amphetamin und Kokain von Frankfurt nach Ellwangen befördert und dort weiterverkauft haben. Die Staatsanwaltschaft geht zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die daraus gewonnen Taterträge bei insgesamt 462.000 Euro liegen.

In der Wohnung des dritten Angeklagten, einem 37-Jährigen, sollen die Drogen gebunkert, verpackt und teilweise auch direkt verkauft worden sein. Bei den einzelnen Lieferungen handelte es sich um Größenordnungen von rund zehn Kilogramm Marihuana, einem Kilogramm Amphetamin und 250 Gramm Kokain. Darüber hinaus wurde beim 37-Jährigen eine Gaspistole gefunden, die von einer sogenannten „Uzi“ augenscheinlich nicht zu unterscheiden sei.

Ellwangen/Jagstzell

Angeklagter verstrickt sich in Widersprüche

„Sie drei werden darüber informiert, dass schwere Vorwürfe gegen sie erhoben wurden – insbesondere, was die Struktur betrifft, die sie aufgezogen haben“, sagt Richter Gerhard Ilg zu Beginn der Verhandlung. Inwieweit die Straftaten bandenmäßig betrieben wurden, spielt für das Gericht eine entscheidende Rolle.

Der 37-Jährige ist der einzige Angeklagte, der sich zu den Vorwürfen äußern möchte. Er war zum Zeitpunkt seiner Inhaftierung arbeitslos, verstrickt sich nun jedoch immer wieder in Widersprüche. Er gibt an, lediglich als „Bunkermann“ gedient zu haben. Der 31-Jährige aus Ellwangen sowie der 30-Jährige aus Jagstzell hätten demnach die Drogen beschafft und die Geschäfte abgewickelt. Als Gegenleistung für die Lagerung in seiner Wohnung habe er sich für seinen Eigenbedarf bedienen dürfen. Seine Angaben unterscheiden sich jedoch stark von seinen polizeilichen Aussagen, teilweise auch von den Angaben, die er am selben Tag im Gerichtssaal macht.

Richter Gerhard Ilg beanstandete zuweilen auch die Glaubwürdigkeit des 37-Jährigen. So habe dieser laut eigenen Angaben dem 30-Jährigen einen seiner Wohnungsschlüssel ausgehändigt, weil dieser „oft zum FIFA-Zocken gekommen ist und ich zu faul war, aufzustehen“. Über die fraglichen Geschäfte will er im Detail nichts gewusst haben.

Zeuge verweigert Aussage

Die beiden an diesem Tag geladenen Zeugen sind beide in die Taten verwickelt. Durch ihre Aussagen erhoffen sie sich strafmildernde Umstände in ihren eigenen Verfahren. Da der 37-jährige Angeklagte den ersten Zeugen in seiner Vernehmung stark belastet, entscheiden dieser und sein Rechtsbeistand nach einer Belehrung des Richters, das Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch zu nehmen. Bei der zweiten Zeugin handelt es sich um eine 28-jährige Mutter von zwei Kindern, die beim 31-jährigen Ellwanger unter anderem Kokain auf Kommission kaufte, um ihren eigenen Konsum zu finanzieren.

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Crailsheim

Zeugin hat „keine Ahnung“

Während ihrer Zeugenaussage stellt sich jedoch heraus, dass auch sie nur vage Angaben machen kann. Nach weiterem Nachhaken bricht sie ihre Aussage ab. „Wir haben mit Ihnen eine Zeugin erwartet, die den Fall löst, aber eigentlich haben Sie keine Ahnung“, so Richter Ilg.

Vier weitere Verhandlungstage sind angesetzt, bei denen weitere Zeugen sowie ein Sachverständiger Licht ins Dunkel bringen sollen.