Blaufelden Elfjährige Julia Jedroschik aus Blaufelden mit Diakonie-Preis ausgezeichnet

SEBASTIAN UNBEHAUEN 22.07.2015
Julia Jedroschik hilft seit sechs Jahren ehrenamtlich im Pflegeheim in Blaufelden aus. So weit, so löblich. Das Herausragende daran: Sie ist erst elf Jahre alt! Jetzt hat ihr die Diakonie einen Preis verliehen.

Julia war gerade mal fünf, sie wohnte in der Nähe des Blaufeldener Altenheims, Senioren gingen dort regelmäßig spazieren - und sie lief einfach mit. Und lief. Und lief. Und lief. Und hat bis heute nicht damit aufgehört. Aber Julia fing bald noch mit einigem anderen an: Sie hilft im Johannes-Brenz-Haus der evangelischen Heimstiftung beim Tischdecken, sie füttert die Bewohner, sie spielt mit ihnen "Mensch ärgere dich nicht", sie liest ihnen Märchen vor, sie geht auch mal auf einen Ausflug mit. "Die sind glücklich, wenn ich komme", sagt Julia. Und irgendwie macht sie das auch selbst glücklich. Also kommt sie mindestens jeden zweiten Tag. Und füttert. Und spielt. Und liest vor. Und, und, und.

Dass so viel Einsatz in so jungen Jahren preiswürdig ist, befand die Diakonie Baden-Württemberg: Sie hat Julia kürzlich den sogenannten "Ran-ans-Leben-Star" verliehen, eine neue Auszeichnung für junge Ehrenamtliche. Oberkirchenrat Dieter Kaufmann überreichte dem Mädchen aus Blaufelden und der 17-jährigen Marie Saleh aus Esslingen, die sich seit drei Jahren in einem Pflegezentrum engagiert, während einer Feierstunde im Teurershof in Schwäbisch Hall jeweils eine Urkunde und einen Ran-ans-Leben-Schlüsselanhänger. Zu Julia sagte er: "Dieses Engagement in so jungen Jahren finden wir einfach toll. Was wären wir, was wäre die Diakonie ohne junge Menschen wie unsere ,Ran-ans-Leben-Stars'?"

"Julia ist ein toller Ausnahmefall"

Derart freiwillig engagierter Nachwuchs kommt Alexander Kohr normalerweise nicht unter. Er ist Pflegefachkraft im Johannes-Brenz-Haus. "Unter der heutigen Jugend gibt's das eigentlich überhaupt nicht", stellt er fest. "Julia ist da ein toller Ausnahmefall. Sie ist uns eine große Hilfe." Kohr findet: "Sie hätte eigentlich noch viel mehr verdient als diesen Preis."

Zuckerle zum Beispiel: Ingeborg Krauß hat welche in einem kleinen Beutel verstaut und steckt sie Julia zu. Die 81-Jährige kommt ursprünglich aus Billingsbach, lebte dann lange in Weikersheim und ist vor sieben Monaten ins Johannes-Brenz-Haus umgezogen. "Du bist eine ganz Liebe", sagt sie zu dem Mädchen und ergänzt: "Sie ist immer da, wo sie was helfen darf, kann und soll. Wenn einem etwas runterfällt dann hilft die Julia." Krauß lächelt und nickt bestimmt.

Alles Friede, Freude, Pflegeheim also? Natürlich nicht. Weil Julia quasi schon ein alter Hase ist, hat sie auch die harten Seiten des Helfens erfahren. "Meistens macht es Spaß", sagt sie. "Aber es gibt auch nicht so schöne Situationen." Wenn eine alte Frau sie anschreit, zum Beispiel: "Wehe, du hältst jetzt nicht dein Maul, dann. . .!" Julia weiß mittlerweile, dass solches Verhalten in der Regel einer Krankheit geschuldet ist. Sie wählt also die routinierte Zum-einen-Ohr-rein-zum-anderen-raus-Methode. Aber komisch ist's halt doch.

Umso beeindruckender, wie sie immer am Ball geblieben ist - übrigens auch manchem blöden Kommentar eines Mitschülers zum Trotz. Ihre Lehrer an der Gemeinschaftsschule in Rot am See hingegen finden das Engagement einfach nur Klasse: "Meine Urkunde kann ich gerade nicht zeigen", sagt Julia. "Die ist in der Schule, weil meine Lehrerin sie kopieren will."

Ein Abzug des ehrenvollen Papiers macht sich eines noch recht fernen Tages bestimmt auch in einer Bewerbungmappe ganz gut. Denn Julia will Altenpflegerin werden - natürlich.

Woche der Diakonie

Der Preis an Julia Jedroschik wurde im Rahmen der Woche der Diakonie Anfang des Monats verliehen. Mehr als 1700 evangelische Kirchengemeinden in Baden-Württemberg sammelten für die Arbeit des sozialen Dienstes und warben um Nachwuchs in sozialen Berufen und im Ehrenamt.

SEBU