Langenburg Elegischer Blick auf Hohenlohe

Gemälde bereichern den Gedichtband von Johanna Führer. Privatfotos
Gemälde bereichern den Gedichtband von Johanna Führer. Privatfotos
Langenburg / HARALD ZIGAN 21.02.2012
55 Jahre nach ihrem Tod ist jetzt ein Band mit Gedichten und Gemälden von Johanna Führer erschienen, die im Jahr 1944 vor dem Bombenkrieg in Berlin nach Langenburg geflüchtet war.

Als Mitarbeiterin des Statistischen Reichsamtes hatte es Johanna Führer im Alter von 46 Jahren aus der zerbombten Hauptstadt in das (noch) friedliche Hohenlohe verschlagen. Im Schloss des Langenburger Fürsten, wo seinerzeit viele Versprengte und auch die Verletzten eines Lazaretts ein Dach über dem Kopf fanden, bezog Johanna Führer eine Dachkammer - und entdeckte ihre neue Heimat mit dem wachen Blick eines Menschen, der sich neben der Schriftstellerei und der Graphologie auch der Fotografie und der Malerei widmete.

Ihre Erlebnisse am Kriegsende bündelte Johanna Führer in einer Chronik, die ihr Neffe Anselm Rapp aus München 2010 in Buchform herausgab. Nach dem Bericht über das Außenleben in einem hohenlohischen Städtchen des Jahres 1945 folgt jetzt der Blick in das Innenleben dieser außergewöhnlichen Frau. Denn Anselm Rapp hat seiner Tante erneut ein liebevolles, literarisches Denkmal gesetzt: Im Band "Der Tiefbesiegte", dessen Titel ein Wort von Rainer Maria Rilke zitiert, sind Gedichte von Johanna Führer versammelt, die bislang nur als rarer Privatdruck aus dem Jahr 1979 vorlagen.

Es sind nicht unbedingt die heiteren, unbeschwerten Seiten des Lebens, denen Johanna Führer ihr Verse gewidmet hat: Elegisch, nachdenklich und wehmütig, aber auch leidenschaftlich und romantisch bildet sie die Natur mit ihren Blumen und Bäumen, die Jahreszeiten und ihre ganz persönlichen, sehr tiefgründingen Gedanken zu den Zeitläuften und den Irrungen und Wirrungen der menschlichen Existenz ab - zum Beispiel so: "Wenn Gott seinen weiten Mantel über den nächtlichen Himmel zieht, von Silberwolken gesandt und umrauscht von der Wipfel Lied: Dann ahne ich, dass tausend Jahre solcher Stille kaum genügen, sich zu versenken in das Unbegreifliche, um das wir uns für kargen Lohn betrügen".

Johanna Führer mag in Langenburg etwas sonderlich auf die Alteingesessenen gewirkt haben - beliebt war sie allemal, "besonders unter den einfachen Leuten", wie Günter Bartsch 1992 in einem Portrait über die Künstlerin schrieb.

Am 28. Januar 1957 starb Johanna Führer nach einem epileptischen Anfall. Auf dem Friedhof in Langenburg fand sie ihre letzte Ruhestätte. "Ihre Bestattung, obwohl ohne Pfarrer, soll eine der feierlichsten in der Geschichte des Ortes gewesen sein", so ihr Biograph - "und alle haben bitterlich geweint."

Info Johanna Führer: Der Tiefbesiegte, mit einem Vorwort von Irma Fürstin zu Hohenlohe-Langenburg, Books on Demand, ISBN 978-3-8448-0114-9