Erinnerung Eine Stiftung zum 130. Geburtstag

Friedrich von Praun starb 1944 unter ungeklärten Umständen im Gefängnis. Sein Grab ist in Unterdeuf­stetten, seine Frau Irene wurde neben ihm bestattet.
Friedrich von Praun starb 1944 unter ungeklärten Umständen im Gefängnis. Sein Grab ist in Unterdeuf­stetten, seine Frau Irene wurde neben ihm bestattet. © Foto: Jens Sitarek
Unterdeufstetten/Ansbach / Jens Sitarek 19.07.2018

Der Kirchenjurist Friedrich von Praun, seit 1930 in diesem Gebäude Leiter der Landeskirchenstelle, widersetzte sich ab 1933 der Gleichschaltung, wurde als NS-Gegner denunziert und am 18. Oktober 1943 verhaftet. Am 19. April 1944 starb er unter ungeklärten Umständen im Nürnberger Gefängnis“, so steht es auf der im Juli 2012 angebrachten Gedenktafel in Ansbach, und weiter: „Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern holt die lange unterlassene Würdigung Friedrich von Prauns nach und ehrt ihn als Glaubenszeugen und Opfer des Nationalsozialismus.“

Als Mitglied der Bekennenden Kirche wurde er wegen systemkritischer Äußerungen von der Gestapo verhaftet. Das Gebäude der Landeskirchenstelle in Ansbach heißt inzwischen Friedrich-von-Praun-Haus. Ein erster Anlauf, den Widerstandskämpfer mit einer Gedenktafel zu würdigen, scheiterte 1957 am Landeskirchenrat.

Im Juli 2012 gab es in Unterdeufstetten in der Gemeinde Fichtenau zudem einen Festakt. Dort ist Friedrich von Praun, geboren 1888 in Hersbruck bei Nürnberg, begraben, neben seiner Frau Irene Freiin von Seckendorff-Gutend. Das Familiengrab ist eigentlich nicht zu übersehen, es ist das mit dem hellen großen Kreuz und liegt in der Mitte des evangelischen Friedhofs.

„Ein vergessener Zeuge“

Dr. Hasso von Haldenwang ist Großneffe von Prauns. Er wuchs in der Gemeinde Fichtenau auf, ging dort und in Crailsheim zur Schule, lebt aber mittlerweile ein Großteil des Jahres in Südfrankreich. Von Haldenwang schrieb eine Biografie über von Praun, um die Erinnerungen wachzuhalten. „Ein vergessener Zeuge des Widerstands“, heißt es im Untertitel. Mehr als vier Jahre recherchierte er für sein Werk.

Und jetzt gründet Hasso von Haldenwang mit seiner Frau Ulrike eine Stiftung zu Ehren von Friedrich von Praun an dessen 130. Geburtstag. Am Samstag in Ansbach ist es so weit. Die „Friedrich-von-Praun-Stiftung Kastanienhof Ansbach“ soll die Arbeit der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Kastanienhof unterstützen.

„Zum Andenken an seine mutige Haltung und sein tragisches Schicksal“, schreibt das Ehepaar von Haldenwang in der Einladung. Die Stiftung soll „insbesondere den Kindern und Jugendlichen die Annäherung an und das Verständnis für Natur und Kultur ermöglichen.“

Die Eingliederung verhindert

Friedrich von Praun, muss man dazu wissen, stand dem Kastanienhof, der wiederum 1853 ins Leben gerufen wurde, ab dem Jahr 1930 vor. Als Kirchenamtsdirektor der Landeskirchenstelle in Ansbach verhinderte er bis zu seiner Verhaftung die Eingliederung des Erziehungsheims in die Organisation der NS-Volkswohlfahrt.

„Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich“ – dieser Vers stammt aus Matthäus 5, 10. Und dieser Vers steht auch am Ende der Gedenktafel, die vor sechs Jahren in Ansbach für Friedrich von Praun angebracht wurde.

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