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Windkraft
Kupferzell / Christian Nick  Uhr
Der größte Batteriepark der Welt soll in Kupferzell gebaut werden. In der Kommune schwankt die Stimmung.

Der durch die Energiewende – mittels Windkraft und Sonnenlicht – im Norden der Republik erzeugte Ökostrom muss nach Süden transportiert werden. Doch in der Bevölkerung regt sich zunehmend Widerstand gegen den Bau immer neuer Stromtrassen. Eine Lösung für das Dilemma könnte möglicherweise die Anlage sein, die der Netzbetreiber Transnet BW als Pilotprojekt bis spätestens 2025 auf Kupferzeller Gemarkung bauen will: eine Riesenbatterie – nach Angaben des Leitungsbetreibers so groß „wie ein Möbelhaus“ und notwendig, um die bestehende Netz­kapazität bei Spitzenlast kurzzeitig besser ausreizen zu können.

Die Schutzgemeinschaft Ländlicher Raum hat bei der Auftaktveranstaltung der Kampagne „Hohenlohe Oben Ohne“ im Gerabronner Bahnhof am Donnerstagabend bereits etliche Mitstreiter gefunden.

Warum soll die Anlage gerade nach Kupferzell? „Der Netzknoten Kupferzell ist durch seine Anbindung Richtung Norden, Westen und Süden für ein solches Pilotprojekt besonders geeignet“, heißt es vonseiten des Netzbetreibers.

„Ich habe auch erst vor Kurzem durch Transnet von den Plänen erfahren“, sagt Bürgermeister Joachim Schaaf. Seine Devise: erst mal den Entscheid der Bundesnetzagentur abwarten, der voraussichtlich erst 2020 fallen wird – und dann gegebenenfalls eine rasche Beteiligung der Öffentlichkeit. Nach Zustimmung der Bundesnetzagentur werde laut eines Transnet-Sprechers die Bedarfsplanung nach einigen Zwischenschritten in Berlin beschlossen.

Lemke: „Brauchen Puffer“

„Wenn wir die Energiewende erfolgreich gestalten wollen, brauchen wir eben Puffer, um einen Blackout zu verhindern“, ist sich Gemeinderat Peter Lemke (Unabhängige-Wählergemeinschaft) sicher. „Hier ist nun mal ein Knotenpunkt, und dafür ist Kupferzell bisher gut weggekommen“, erinnert der Kommunalpolitiker mit Blick etwa auf Leingarten. Dort wird ein großer Konverter gebaut, um ab 2025 die windreichen Regionen Norddeutschlands mit Baden-­Württemberg und Bayern zu verbinden. „Nicht begeistert“ zeigt sich indes sein Fraktionskollege Manfred Bellingrath-­Palesch: „Auf keinen Fall im innerörtlichen Bereich.“

Und was denken die Kupferzeller Bürger über die geplante Riesenbatterie? „Ich habe schon davon gehört“, sagt Katrin Dziecinch. „Eigentlich ist unser Umspannwerk ja schon hässlich genug, ich hoffe jedenfalls, dass durch das Ding keine Strahlenbelastung entstehen wird.“

Michael Zieg von der Telekom erläutert, warum der Mast gebraucht wird. Kritiker Dr. Wolf Bergmann hält dagegen.

Grundsätzlich sei sie jedoch dafür, Energie dort zu verbrauchen, wo sie erzeugt werde. Für Dziecinch ist klar: „Auf den Standort kommt es an.“ Das sieht auch Katrin Carle so: „Irgendwo abseits wäre das schon in Ordnung, vielleicht profitiert die Gemeinde ja dadurch. Aber vor der Nase haben möchte ich es nicht.

Ebendieses Reaktionsmuster kritisiert einige Meter weiter Andreas Volk: „Irgendwo muss die Anlage ja dann hin, sollte sie so beschlossen werden. Wenn jeder sagt ,Bei mir nicht!’ kommen wir auch nicht weiter.“ Die Energiewende? „Grundsätzlich sinnvoll.“ Die Booster-Technik? „Wie bei der Atomkraft wird sich wohl erst in Jahrzehnten zeigen, ob das der richtige Weg ist.“

„Hohenlohe oben ohne“-Initiatorin Tischer will regionale Lösungen

Diese Frage stellt sich aktuell auch Ruth Tischer, Initiatorin der Kampagne „Hohenlohe oben ohne“, die gegen die geplante Transnet-Stromtrasse zwischen Rot am See und Kupferzell kämpft: „Der Netzbooster ist wieder ein Mega-Giga-Projekt, da bin ich persönlich erst mal kritisch. Ich glaube fest an andere, regionalere Lösungen, die eventuell gerade wieder durch solche Großkonzern-Projekte verhindert werden könnten“, so Tischer.

Eine potenzielle Alternative führt der Vorsitzende der Öhringer Nabu-Ortsgruppe, Karl-Heinz Müller, ins Feld: „Die Politik sollte mehr Anreize für den flächendeckenden Betrieb von Elektrospeicherheizungen schaffen, um Stromspitzen aufzunehmen“, rät er. Für Gemeinderat Peter Lemke ist indessen eines klar: Sollte die Riesenbatterie tatsächlich gebaut werden, habe Kupferzell seine Pflicht in Sachen Energiewende erfüllt. „Dann aber keinesfalls noch Windkraftanlagen in Goggenbach.“

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