Rot am See Eine Chance im Schilderwald

An der Autobahn 6 in Hohenlohe erinnert bereits ein Schild an ein Opfer der NS-Diktatur: Im Mai vergangenen Jahres enthüllte der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl (links im Bild) in Forchtenberg eine Tafel, die auf die Geburtsstadt von Sophie Scholl, Mitglied der "Weißen Rose", hinweist. Foto: Hohenloher Zeitung
An der Autobahn 6 in Hohenlohe erinnert bereits ein Schild an ein Opfer der NS-Diktatur: Im Mai vergangenen Jahres enthüllte der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl (links im Bild) in Forchtenberg eine Tafel, die auf die Geburtsstadt von Sophie Scholl, Mitglied der "Weißen Rose", hinweist. Foto: Hohenloher Zeitung
Rot am See / HARALD ZIGAN 27.11.2012
Gut möglich, dass künftig auf der Autobahn 6 ein Schild an die 1945 ermordeten "Männer von Brettheim" erinnert. Derzeit prüft das Regierungspräsidium, ob eine solche Tafel aufgestellt werden kann.

Das Verkehrszeichen mit der Nummer 386 ist heiß begehrt: Bei den zuständigen Behörden stapeln sich seit Jahren die Anträge auf "touristische Unterrichtungstafeln", wie die braun lackierten, zwei auf drei Meter großen Schilder am Rand der Autobahnen auf Amtsdeutsch heißen. Die Franzosen erkannten Mitte der 1970er-Jahre zuerst die hohe Werbewirksamkeit dieser Tafeln für die Sehenswürdigkeiten ihres Landes. Seit 1984 säumen die großformatigen Schilder auch die Autobahnen in Deutschland - mit steigender Tendenz: Auf manchen Strecken häuft sich die blecherne Werbung für Kulturgüter aller Art schier inflationär.

Auch die Autobahn6 quer durch Hohenlohe zählt dazu: Allein auf dem rund 50 Kilometer langen Abschnitt zwischen der bayerischen Landesgrenze und der Stadt Öhringen buhlen in beiden Fahrtrichtungen nicht weniger als 21 Tafeln um die kurze Aufmerksamkeit vorbeirasender Fahrzeuginsassen - von der "Hohenloher Ebene" über das "Hohenloher Freilandmuseum" in Wackershofen nebst "Kunst und Natur Kirchberg/Jagst" bis hin zum "Limes UNESCO-Weltkulturerbe". Die jüngste Neupflanzung in diesem Schilderwald galt im September 2011 der Stadt Crailsheim mit ihren "Türmen an der Jagst".

Es wird also eng für ein neues Schild auf der A 6, das wohl in der Nähe der Anschlussstellen Kirchberg oder Satteldorf den "Männern von Brettheim" gewidmet sein könnte und damit auch auf die Erinnerungsstätte im Brettheimer Rathaus hinweisen würde, wo die Ermordung der drei Männer am 10. April 1945 dokumentiert wird. Nach den Informationen unserer Zeitung prüft das Regierungspräsidium in Stuttgart derzeit, ob im Fall von Brettheim die einschlägigen Schild-Kriterien erfüllt werden. An Fürsprechern dürfte es jedenfalls nicht mangeln: In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Rot am See plädierte der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger für ein solches Hinweisschild. Bürgermeister Siegfried Gröner steht ebenfalls hinter der Idee.

Und nicht zuletzt dürfte der Regierungspräsident selbst ein gewichtiges Wörtchen mitreden: Bei seinem Besuch in der Erinnerungsstätte Ende September zeigte sich Johannes Schmalzl tief beeindruckt vom Schicksal der drei Männer und sagte spontan zu, am 10. April nächsten Jahres die Gedenkrede in Brettheim zu halten.

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