Kreßberg Eine besondere Exkursion führt in das Verbreitungsgebiet des Bibers in Kreßberg

"Das ist unglaublich, was der sich einfallen lässt!": Biberbeauftragter Walter Rothenberger (mit Mütze) zeigt der Gruppe eine Biberburg (vorne).
"Das ist unglaublich, was der sich einfallen lässt!": Biberbeauftragter Walter Rothenberger (mit Mütze) zeigt der Gruppe eine Biberburg (vorne). © Foto: Jens Sitarek
Kreßberg / JENS SITAREK 24.07.2015
"Rundfahrt zu den Schwerpunkten der Biberreviere in Kreßberg" - so steht es handschriftlich auf der Karte von Bürgermeister Robert Fischer. Die Stellen, an denen die Tiere zu Hause sind, sind bunt markiert.

Mit dem Bus ging es für den Gemeinderat und Mitarbeiter der Gemeinde am Mittwochabend auf Biber-Exkursion. Start und Ziel war der Lindenbrunnen in Mariäkappel. Dort sucht man Biber übrigens vergeblich, weil der Ort höher liegt. Biber bevorzugen Täler. "Es gibt Stellen, wo es überhaupt keine Probleme gibt", weiß Bürgermeister Robert Fischer, "und welche, wo es darum geht, Konflikte zu entschärfen." Dann kommt Walter Rothenberger ins Spiel. Er sorgt als offiziell bestellter Biberbeauftragter der Gemeinde dafür, dass Konflikte gelöst werden oder im besten Fall gar nicht erst aufkommen.

Seit 2004 macht Rothenberger ("eine gewisse Leidenschaft ist da") den Job schon, stimmt sich mit Landratsamt und Regierungspräsidium ab. "Mal ganz grob gesagt, bin ich ein Rammbock zwischen den Interessen des Naturschutzes und der Landwirtschaft", sagt er. Das Wort Rammbock hört er nicht so gerne. Denn: "Wir haben das in Kreßberg ganz gut im Griff", so Rothenberger. Man kann sich bei der fast zweistündigen Fahrt gut vorstellen, dass die Tätigkeit eines Biberbeauftragten recht arbeitsintensiv ist. Der aus Kreßberg sagt, er hätte "viel Geschäft mit den Dämmen", wenn sie zu hoch werden und das Wasser anstauen, zum Beispiel auf die Felder der Bauern. Wenn dem so ist, baut Rothenberger Drainagen ein. Und da wo schon Drainagen drin sind, muss Rothenberger zusehen, dass die Rohre frei bleiben. Der Biber ist ja nicht blöd, manchmal stopft er die Rohre mit Erde zu.

Die Erfahrung von Rothenberger zeigt auch: "Wenn man einen Damm wegmacht, fängt der Biber wieder von vorne an. Er ist fleißig und beharrlich, das muss man einfach bedenken. Die Kerle sind unberechenbar." Rothenberger ist "immer am Probieren", wie er sagt, bei welchen Wasserverhältnissen was am besten sei. Manchmal halten den Biber nicht mal Baustahlmatten von seiner Arbeit ab. "Das ist unglaublich, was der sich einfallen lässt!", findet Rothenberger. Es ist, wenn man so will, ein Spiel zwischen Mensch und Tier, irgendwie aber auch ein Zusammenspiel. Nur so kann es funktionieren.

Wie viele Biber es in der Gemeinde gibt, will jemand wissen. Rothenberger kommt auf zwölf, dreizehn Familien und fünf, sechs Einzeltiere. In der Summe landet er bei 60 bis 80 Tieren. Das Konfliktpotenzial sei jedenfalls geringer geworden, betont der Bürgermeister. Fischer spricht von "Biber-Management". Soll heißen: "Wir müssen soweit kommen, dass wir sagen, da kann der Biber sein."

In der Nähe von Reuenthal an der Grenze zu Bayern gibt es "ein Biberparadies" (Rothenberger) zu bewundern. Dort können sich die Tiere austoben. Der Lärm der A 6 stört sie nicht im Geringsten, das kann man an dem riesigen Damm und etlichen Kanälen sehen. Die Exkursion neigt sich dem Ende, und siehe da - fast wie auf Bestellung - taucht einer auf. Aber er taucht auch gleich wieder unter, der Biber.

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