Ein Tusch zu jedem Thema

Politischer Aschermittwoch der FDP im Stern: Der Landtagsabegordnete Friedrich Bullinger (rechts) redet. Doch ehe der Gast sprechen darf, verordnen die Liberalen den Zuhörern eine halbe Stunde Pause - um die Weißwurst zu essen. Foto: Ufuk Arslan
Politischer Aschermittwoch der FDP im Stern: Der Landtagsabegordnete Friedrich Bullinger (rechts) redet. Doch ehe der Gast sprechen darf, verordnen die Liberalen den Zuhörern eine halbe Stunde Pause - um die Weißwurst zu essen. Foto: Ufuk Arslan
SIGRID BAUER 06.03.2014

Genug Steilvorlagen für bissige Kritik hat die grün-rote Regierung zum politischen Aschermittwoch der Kreis-FDP geliefert. Gerade beim Thema "Kleine Kinder" meinte etwa der FDP-Kreisvorsitzende Stephen Brauer angesichts des Schullehrstoffs "Sexuelle Vielfalt", sollten sich die Grünen mit Themen wie Homosexualität zurückhalten - ein Seitenhieb auf Pädophile in der Partei.

Jochen Haußmann, FDP-Landtagsabgeordneter aus dem Remstal und Gastredner im Bühlertanner Gasthof zum Stern, hatte ein paar Fragen dabei, die die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft den Lehrern zur Unterrichtsvorbereitung vorschlägt: "Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und dass du diese Phase überwinden wirst?"

Kopfschütteln und Gelächter war die Reaktion des 50-Plus-Publikums, das die Wirtschaft bis auf den letzten Platz füllte. Der Gastredner hatte sogar sein Akkordeon mitgebracht, um sein Poltern gegen den politischen Gegner jedesmal mit einem musikalischen Tusch zu untermalen. Bei den Zuhörern kam das gut an.

Haußmann ist froh, dass sein jüngster Spross nächste Woche sein Abitur macht. Und Steffen Brauer sieht sich schon vom jetzigen Wohnort Crailsheim zehn Kilometer weiter nach Bayern umziehen, damit sein Sohn später nicht in die Gemeinschaftsschule gehen muss.

Nur Spott hatte Haußmann für den Verkehrsminister, "meinen Lieblingspolitiker Winfried Hermann" (Grüne) übrig, der 80 bis 100 Millionen Euro für den Straßenbau großzügig ausgeschlagen hat. Bürgermeistern rät er, zuerst einen Radweg zu bauen. Voller Begeisterung über den neuen Radweg könnten sie dann bei der grün-roten Regierung den Vorschlag einfließen lassen, daneben doch noch ein kleines Landessträßle zu bauen. Dass eine Regierung bei Rekordeinnahmen, die drei Milliarden Euro höher lagen als geplant, mehr neue Schulden macht als alle anderen Bundesländer, prangerte Friedrich Bullinger, der FDP-Abgeordnete aus Rot-am-See an: "Und das im Schwabenländle", ereiferte er sich. Für den Akkordeonspieler aus dem Remstal ist Finanzminister Nils Schmidt (SPD) deshalb der Gelbe Engel des Haushalts. "Im Wald da sind die Räuber" intonierte er dazu, und die Zuhörer singen mit.

Unter ihnen sind auch der frühere Wirtschaftsminister und aktuelle Kreistagskandidat Walter Döring aus Hall sowie der Kandidat der Kreis-FDP für die Europa-Wahl, Christfried Krause.

Nächstes Thema: der Nationalpark Schwarzwald - ein Prestigeprojekt der Grünen. 83 Prozent der betroffenen Bevölkerung seien dagegen. Dennoch spreche die Regierung von einer "Politik des Gehörtwerdens", schimpfte Bullinger. Haußmann bedauerte den Verlust von Arbeitsplätzen, etwa in der Holzwirtschaft. "Aber dann sind wir wenigstens weltweit führend im Borkenkäfermanagement."

Sein Fett weg bekam auch Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) mit seinem neuen Jagdgesetz. Haußmann nannte ihn den "berufslosen Agrarminister", bei Bullinger firmierte er unter "der Minister mit zwei abgebrochenen Studiengängen", weil Bonde einst einige Semester Jura und öffentliche Verwaltung studiert hat. Die Jagdgesetznovelle ist für Bullinger ein Beispiel für die Bevormundungskultur der Grünen: Es könne nicht sein, dass 300 Jäger aus dem ökologischen Jagdverband genauso viel Gewicht hätten wie 30000 Jäger in Jagdgenossenschaften, stellte er unter starkem Applaus klar.

Ein kurzer Blick nach Berlin auf die große Koalition: Haußmann bescheinigte ihr Kommunikationsprobleme. Über die Mütterrente und die Rente ab 63 hätten sich SPD und CDU nicht einigen können. "Dann macht man halt beides, wenn auch auf Kosten der jungen Generation." Und damit der Stuttgarter CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Hauk angesichts der Landtagswahl 2015 locker und unerkrampft bleibt, stimmte Haußmann zum Schluss noch eine Schunkelmelodie an. Er riet den Schwarzen: "Sei nett zur FDP, liebe CDU, die ist zuverlässig!"

Kein Fasten an Sonntagen
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel