Sulzbach-Laufen Ein Pärchen, viele Nestentwürfe: Schwalben im Beziehungsstress

Sulzbach-Laufen / IRMTRAUD KOCH 16.04.2014
In den Kuhställen der Hägeles und Stiers im Sulzbach-Laufener Schönbronn nisten seit eh und je Rauchschwalben. An die dreißig Paare dürften es sein. Alle Schönbronner, von Großeltern bis Enkel, beobachten das jährliche Eintreffen und Wegziehen der eleganten Segler mit reger Anteilnahme.

Rose Hägele schildert die in Etappen stattfindende Ankunft: Zuerst komme der Vorbote, seit Jahren derselbe kräftige Schwalberich mit auffallend langem Schwanzspieß. Heuer sei er am achten April eingetroffen. Danach dauere es noch einige Tage, bis der Rest eintrudele. Während des Gesprächs jagen schon einige Ankömmlinge in kühnen Bögen zwischen den Gebäuden durch und über unsere Köpfe hinweg.

Wollte die Schwalbe eine Villa?

Ein Schönbronner Pärchen war schon vor vier Jahren Thema einer Geschichte. Es fiel als komisches Duo aus dem Rahmen. Er und sie pflegten nämlich jedes Jahr wochenlang um den Platz des Nestes zu zanken. Damals erzählte Rose Hägele: "Die beiden zerften nur. Er begann im Melkstand, sie im Warteraum, er im neuen, sie im alten Stall." Die erste Brutzeit verstrich. Schließlich einigte sich das Paar auf einen seiner Nest-Entwürfe im Melkstand. Rose wies an die Decke: "Hier, ein angefangenes Nest von ihm, dort eins von ihr, viel zu breit." Möglicherweise wollte sie eine Villa, während er eher in Reihenhaus-Kategorien dachte.

Wie ging die Geschichte mit den beiden Streithammeln weiter? Sieben Jahre sind seit ihrer ersten Ankunft verstrichen. Heuer sind sie zwar noch nicht da, aber im letzten Jahr war wieder Zoff, wie auch in allen vorigen Jahren. Rose: "Jeder fängt mit einem neuen Nest an, bis es pressiert mit dem Eierlegen. Dann gibts Panik, weil schnellstens das alte Nest bezogen werden muss." Sie lacht: "Der Schorsch (ihr Mann Gerhard) und ich sind auch nicht immer einer Meinung, aber zum Schluss herrscht doch Einigkeit." Allerdings sei im letzten Jahr die späte Brut von Vorteil gewesen. "Bis Ende Mai war es regnerisch kalt und es gab keine Muggen", erzählt Rose. "Früher geschlüpfte Junge starben. Wir dachten schon, wir müssten Mehlwürmer und so Sach kaufen, damit der Rest der Jungen nicht auch verhungert."

Die Streithammel jedoch brüteten erst Ende Juni, ein zweites Mal Anfang September. Als sie fortzogen, war es beinahe November. "Wir hatten Bedenken, ob sies noch schaffen würden. Man sagt ja ,An Mariä Geburt ziehn die Schwalben furt, Anfang September also."

Das Verhalten des Paares bleibt rätselhaft. Normalerweise beziehen Rauchschwalben nämlich ohne viel Federlesens, nach Ausbesserungen da und dort, ihr altes Domizil. Man fragt sich auch, wie alt Rauchschwalben überhaupt werden können. Laut dem Diplom-Biologen Markus Unsöld von der Zoologischen Staatssammlung München liegt die Altersgrenze der Vögel bei 16 Jahren. Ein so hohes Alter sei jedoch eine Ausnahme. Die Sterblichkeitsrate bei Rauchschwalben sei hoch, 70 bis 90 Prozent Ausfall oft schon im ersten Jahr, was durch bis zu drei Bruten pro Saison mit je vier bis fünf Jungen ausgeglichen werde.

Die Schwälbin geht fremd, wenn der Partne rnicht beeindruckt

Handelt es sich in Schönbronn wirklich stets um dieselben Partner? Und noch etwas gibt zu denken: Laut Wikipedia wurde bei nordamerikanischen Rauchschwalben nachgewiesen, dass trotz einer dauerhaften Paarbindung das Männchen seine Partnerin stets aufs Neue beeindrucken muss. Macht er im Vergleich zu anderen Männchen keine gute Figur, geht die Schwälbin fremd. Dann legt sie ihm neben seiner eigenen Brut Kuckuckseier ins Nest. Vielleicht probiert der Schönbronner Schwalberich ja einfach, mit emsigem Häuslesbau seine Gattin davon abzuhalten, eine Bordsteinschwalbe zu werden. Jedenfalls wird die Ankunft gerade dieses Paares auch heuer mit Spannung erwartet.