Ein kleines Abenteuer vor allem im Winter ist bereits die Anfahrt. Von der Klinglesmühle geht es über wenig ausgebaute Feldwege durch den Wald. Die hügelige Mischung aus Wald und Wiesen vermittelt einem sogar ein wenig Urlaubsgefühle. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, gerade mitten im Allgäu gelandet zu sein.

Doch so schön die Sixenmühle auch in die Landschaft eingebettet ist, so trügt diese Idylle schon seit einigen Monaten. Von einer Quelle am Hügel haben die Gebäude über viele Jahrhunderte ihr Wasser bezogen. Unter der Straße führten die Leitungen von dem Hügel hinab zur Mühl- und Sägemühle. Am Hauseingang durchläuft das Wasser einen UV-Filter und wird dort auch geklärt zurück in den Reiglersbach geführt. Doch der trockene Sommer des Vorjahres hat die Quelle versiegen lassen. Seitdem sitzen die Bewohner der Sixenmühle sozusagen auf dem Trockenen.

Christa Stirner kümmert sich mit ihrer Schwester Monika um das Gebäude. Bis vor ein paar Wochen hat ihre Mutter noch darin gewohnt, doch inzwischen ist sie gesundheitsbedingt im Altersheim. So wohnt momentan nur noch eine Mieterin im Haus. Sie weiß um die vielfältigen Probleme, die durch die fehlende Wasserversorgung entstanden sind. „Auf einmal kam gar nichts mehr und wir wussten nicht, was wir machen sollten.“

In ihrer Not wandten sie sich an einen Wasserversorger, doch zuständig war die Gemeinde. Die hat schnell und unbürokratisch reagiert und die Bauanträge für einen Anschluss ans Wassernetz bereitgestellt. Es wird ein 500 Meter langer Kanal von der Mittelmühle aus gegraben, für den rund 45 000 Euro veranschlagt sind. Baubeginn soll direkt nach dem Ende der Frostperiode sein.

„Wir haben bislang aber noch keine Information, wann das Wasser hierherkommt“, muss sich Christa Stirner sicherlich noch zwei, drei Monate anders behelfen. Rund alle zwei Wochen bringt ein Landwirt mit dem Traktor große Wasserbehälter und füllt das Wasser mit einem Schlauch in den Sammelbehälter vor Ort. „Als es im Sommer vergangen Jahres so lange heiß war, wurde das Wasser aber trotzdem knapp und wir mussten uns behelfen mit Eimern oder Wasserkanistern, die wir gekauft hatten, damit sich meine Mutter und die Mieterin wenigstens grob waschen konnten“, erinnert sie sich.

Ihre Kindheit haben die Schwestern übrigens noch im benachbarten alten Gebäude der Sixenmühle verbracht, das inzwischen aber nur noch eine Ruine ist. „Damals hatten wir nur kaltes Wasser im Haus. Das war im Winter ganz schön bitter, wenn man sich waschen musste“, erinnert sich Christa Stirner schmunzelnd. „Und wenn die Bauern ihren Mist ausgeführt haben, dann hat das Wasser eine entsprechende Färbung und Geruch angenommen.“

Langer Fußweg zur Schule

Gut eineinhalb Kilometer war der Fußweg bis zur nächsten Haltestelle in Großenhub für den Schulbus. Noch weiter war der Marsch zum Einkaufen nach Wäldershub. „Manchmal sind wir mit dem Traktor gefahren, wir hatten damals ja kein Auto.“ So war ein Höhepunkt die Tour zum Großeinkauf mit dem Bus nach Crailsheim. Damals hatten sie auch noch Kühe und Schweine, sogar Pferde gab es auf dem Gehöft. Das Freizeitprogramm der Kinder beschränkte sich im Sommer meist auf das Helfen bei der Feldarbeit, im Winter konnte man Schlitten fahren auf den vielen Anhöhen rund um die Mühle.

„Als es im Dezember letzten Jahres so viel geregnet hatte, war das Wasser kurz noch einmal da. Aber seitdem kommt kein Tropfen mehr.“ Den Grund, weshalb kein Grundwasser mehr in der Quelle ist, kann man nicht herausfinden. Jetzt hofft sie, dass das Gebäude bald an die Wasserversorgung angeschlossen wird und das Wasser dann wieder fließt.

Mühle schon über 500 Jahren am Reiglersbach


Die Sixenmühle dürfte auf den damals erwähnten Sixt von Ehnheim zurückgehen, der schon 1501 als Eigentümer urkundlich bezeugt ist. In einer Steintafel über dem Mühleneingang ist die neu erbaute Malmühle in das Jahr 1839 datiert mit dem Bauherren Johannes Rathgeb.

Die Reste des inzwischen eingestürzten Gebäudes stehen unter Denkmalschutz. Es war ein zweigeschossiger Putzbau, erschlossen durch korbbogige Türöffnungen, die zu der Malmühle in der rechten Erdgeschosshälfte, zu den Wohnräumen im Obergeschoss beziehungsweise zum Stall in der linken Erdgeschosshälfte führten.

Die Malmühle wurde etwa bis 1920 betrieben, die Sägmühle bis 1935. Mit Motor wurde in der Mühle noch bis 1965 geschrotet, da der benachbarte Weiher damals bereits trockenlag.