Was im Krankenhaus die Visite ist, das ist in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die Visitation. In der Klinik besucht der Chefarzt seine Patienten am Krankenbett, um zu sehen, ob die Genesung Fortschritte macht und ob die Behandlung geändert werden muss.

In der Kirche bekommen die Pfarrer immer wieder Besuch von ihrem Dekan, der wissen will, ob das Gemeindeleben intakt ist und wo der Schuh drückt. Diese Visitation ist im Fall der Kirchengemeinde Blaufelden, in der Dekan Siegfried Jahn zugleich Pfarrer ist, Sache des Prälaten, also von Harald Stumpf. Der Regionalbischof beschäftigt sich bei dieser Hauptvisitation jedoch gleich mit dem ganzen Kirchenbezirk.

Den Auftakt der Visitation bildete am vergangenen Freitag ein Bezirksforum, bei dem Pfarrerinnen und Pfarrer, Prädikanten, ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter aus dem Kirchenbezirk und der Kirchengemeinde mit dem Prälaten zusammentrafen. Nach einem geistlichen Impuls, den Dekan Jahn gab, und einem Grußwort des FDP-Landtagsabgeordneten Dr. Friedrich Bullinger ging es in den Beiträgen zunächst um die „Innenwahrnehmung“, also um Strukturen und Entwicklungen innerhalb des Bezirks. Siegfried Jahn zum Beispiel erläuterte die Auswirkungen des demografischen Wandels, der auch in einem Gebiet mit hoher evangelischer Prägung Folgen hat: Die Zahl der Gemeindeglieder ist demnach seit 2001 um rund 3000 auf etwa 19 000 gesunken. In fast allen Kirchengemeinden hat der Pfarrplan, also der Plan, nach dem die Landeskirche die Pfarrerstellen vergibt, Spuren hinterlassen, und selbst eine Fusion des Kirchenbezirks Blaufelden mit einem anderen Bezirk erscheint nicht mehr undenkbar.

Wie der Kirchenbezirk von außen wahrgenommen wird, dazu steuerten in einer von Nicolle Walliser von der Landeskirche moderierten Gesprächsrunde unter anderem Walter Rück von den Aktiven Jungen Christen und Schuldekan Hans-Jürgen Nonnenmann für die Familienbildungsstätte ihre Beobachtungen bei. Bürgermeisterin Petra Weber äußerte dabei den Wunsch, die Kirche solle „die Sehnsucht nach Spiritualität aufgreifen, die tief in uns verankert ist“.

Ab dem 15. Juli wird Stumpf sich zwei Wochen lang nahezu jeden Tag im Kirchenbezirk Blaufelden aufhalten. In dieser Zeit absolviert er ein umfangreiches und dicht gedrängtes Besuchsprogramm. Dabei wird er sich nicht nur mit Pfarrerinnen und Pfarrern oder anderen Kirchenleuten treffen, sondern auch mit vielen anderen Menschen, die Verantwortung tragen, darunter Bürgermeister und Unternehmer.

Bei der Visitation wird übrigens auch die Verwaltungsstelle des Kirchenbezirks durchleuchtet und die Kasse geprüft.

All dies mündet schließlich in eine Art Zeugnis, eine Beurteilung für Siegfried Jahn und für Marcus Götz, den zweiten Pfarrer in der Kirchgemeinde Blaufelden. Mit dem Bericht, den Prälat Stumpf über die Visitation schreibt, befasst sich schließlich der Oberkirchenrat in Stuttgart.

Harald Stumpf ist seit 2006 Prälat in Heilbronn


Harald Stumpf wurde 1958 in Meckenbeuren am Bodensee geboren. Nach dem Studium und dem Vikariat war er als Pfarrer in Gingen/Fils tätig, bevor ihn Landesbischof Gerhard Maier zu seinem persönlichen Referenten und zum Leiter des Bischofsbüros machte. 2006 wurde Stumpf in Freudenstadt zum Dekan gewählt. Seit 2012 ist er Prälat in Heilbronn. Er ist Vater von vier Kindern.